Stand: 10.05.2013 10:57 Uhr

1933: Bücherverbrennungen in norddeutschen Städten

Kiel, Hamburg, Hannover, Rostock - auch in norddeutschen Universitätsstädten verbrennen Nationalsozialisten im Mai 1933 Bücher. Von der Bevölkerung wird die Aktion "wider den undeutschen Geist" beklatscht, die Presse begleitet sie wohlwollend. Ein Überblick:

Göttingen

  • 10. Mai 1933
  • Adolf-Hitler-Platz (Marktplatz vor der Albanischule).
  • zuvor Kundgebung in der Universität mit Begrüßungsworten des Rektors Prof. Dr. Neumann
  • Deutsche Studentenschaft der Universität Göttingen

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Göttingen am 10. Mai 1933: Studenten verbrennen Bücher missliebiger Autoren.

Die "Göttinger Zeitung" schreibt dazu am 11. Mai 1933: "Die gestrige Aktion der Studentenschaft wider den undeutschen Geist begann mit einer großen Kundgebung im Auditorium maximum, schon lange vor Beginn musste der Hörsaal wegen Überfüllung geschlossen werden. Anschließend an die Reden im Auditorium, formierte sich der Fackelzug der Studenten. SA und Stahlhelm, Korporationen und Freistudenten zogen mit ihren Fackeln durch die Straßen der Stadt nach dem Adolf-Hitler-Platz. Vor der Albanischule war schon der Holzstoß errichtet, auf dem Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren und Bücher vornehmlich kommunistisch-sozialistischer Richtung zusammengetragen waren. Die Kundgebung wurde von einigen Gesängen des Studentenchors umrahmt und mit dem Horst-Wessel-Lied und dem Deutschlandlied geschlossen."

Hannover

  • 10. Mai 1933
  • Bismarcksäule
  • Deutsche Studentenschaft der Tierärztlichen Hochschule Hannover

In Hannover werden alle Schulen direkt an der Aktion beteiligt. Bei der Bücherverbrennung wird auf die Feuersprüche verzichtet. Am Ende der Verbrennung wirft der Führer der Studentenschaft, Hansen, gesondert die Werke von Remarque, Tucholsky, Ludwig, Marx und Thomas Mann ins Feuer.

In der "Niedersächsischen Tageszeitung" war am 12. Mai 1933 Folgendes zu lesen: "Hannovers Studenten verbrennen Schmutz und Schund. Es ist ein Viehwagen! Man hätte außer einer Dungkarre kaum ein besseres Gefährt finden können für den Berg Schmutz, der sich darauf häuft. Es ist noch Zeit, schnell einmal hinaufzuklettern und einen Blick in die umfangreiche Auswahl an 'Literatur' zu werfen. Einem Nationalsozialisten kann dabei schlecht werden. Man ist versucht zu vergessen, dass der leise Stallgeruch eigentlich dem Wagen anhaftet, er könnte gerade so gut diesem Haufen Unrat entströmen …"

Braunschweig

  • 10. Mai 1933
  • auf dem Schlossplatz der Stadt
  • organisiert von der Braunschweiger Studentenschaft

Kiel

  • 10. Mai 1933
  • Wilhelmplatz
  • zuvor Kundgebung in der Universitätsaula
  • Kieler Studentenschaft

Rostock

  • 10. Mai 1933
  • Blücherplatz

In Rostock fand bereits am 5. Mai eine "große Kundgebung wider den undeutschen Geist" statt. Acht der "übelsten literarischen Werke" wurden an einen Schandpfahl geheftet.

Greifswald

  • 10. Mai 1933
  • Marktplatz
  • Studentenschaft der Universität Greifswald

Hamburg

  • 15. Mai 1933
  • Kaiser-Friedrich-Ufer
  • Studentenschaft der Universität Hamburg

  • 30. Mai 1933
  • Lübeckertorfeld
  • Hitlerjugend, Ring der jungen Mannschaft im DHV (Deutschnationaler Handlungsgehilfenverband)

Im "Hamburger Tageblatt" heißt es am 16. Mai 1933: "Menschenmassen umstanden im weiten Bogen den Scheiterhaufen, den gestern Abend die Hamburger Studentenschaft am Kaiser-Friedrich-Ufer aufgetürmt hatte. Miterleben wollten sie alle die Verbrennung jener Schriften, die jahrzehntelang unser Volk vergifteten. Sturm 6/76, der ausschließlich aus Studenten besteht, war vollzählig vom Appell im Studentenhaus angerückt, ebenso waren Hochschulgruppen des Stahlhelms und die Chargierten der Korporationen erschienen. Gegen 23 Uhr loderte prasselnd die Flamme empor. Brausend erklang das Lied der studentischen Jugend: Burschen heraus. Höher schlug die Flamme, Buch um Buch aus jener undeutschen Sphäre wurde zerrissen und vernichtet. Dann sprach der Gründer des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes in Hamburg, Pg. Assessor Wolf Meyer-Christian."

Weitere Informationen

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Schleswig-Holstein Magazin | 08.05.2018 | 19:30 Uhr

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