Stand: 14.03.2018 11:43 Uhr

Mit der "Donut-Ökonomie" die Erde schützen?

Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört
von Kate Raworth
Vorgestellt von Dani Parthum

Die Menschheit steht mit ihrer rücksichtslosen Art zu wirtschaften an einer Zeitenwende. Ökonomen schlagen Wirtschaftsmodelle vor, die den Planeten schützen, wie die sogenannte Donut-Ökonomie der britischen Oxford- und Cambridge-Professorin Kate Raworth. Ihre weltweit beachteten Gedanken sind jetzt auf Deutsch erschienen - in ihrem Buch "Die Donut-Ökonomie".

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Das Buch "Die Donut-Ökonomie" von Kate Raworth ist im Hanser Verlag erschienen.

Mit einem Donut die Welt retten? Diesem fettig-süßen Rundstück mit Loch? Genau! Oxford- und Cambridge-Professorin Kate Raworth nutzt den Donut als Illustration ihres Wirtschaftsmodells, das von zwei Seiten begrenzt wird - dem äußeren und inneren Donut-Rand. In ihrem Buch "Die Donut-Ökonomie" beschreibt Raworth das so:

"Vereinfacht gesagt ist er ein radikal neuer Kompass für die Menschheit in unserem Jahrhundert. Er weist in eine Zukunft, in der die Bedürfnisse des Menschen befriedigt werden, während zugleich die lebendige Welt geschützt wird, von der wir alle abhängig sind." Leseprobe

Die Menschen leben zwischen den Rändern

Der innere Rand steht für zwölf grundlegende, menschliche Bedürfnisse - wie sauberes Wasser, ausreichend Nahrung, Zugang zu Bildung, Wohnen und Gerechtigkeit. Den äußeren Donut-Rand definieren neun planetare Bedingungen für ein gutes Leben - wie Klima, Luft, Süßwasserqualität, Stickstoffkonzentration und Artenvielfalt. Und dazwischen - sinnbildlich also im Teig - leben wir.

"Konzentriert man sich auf die (...) wechselseitigen Verbindungen im Donut, dann wird klar, dass das menschliche Wohlergehen vom Wohlergehen des Planeten abhängt. Wenn für uns die Herausforderung des 21. Jahrhunderts darin besteht, in den sicheren und gerechten Schutzraum zwischen den beiden Rändern zu gelangen, stellt sich die Frage: Wie erreichen wir das?" Leseprobe

Ausbeutung der Erde beenden

Wir erreichen es, indem wir das neoliberale Gedankengut der Chicago Boys, eines Milton Friedman und Friedrich von Hayek hinwegfegen - so der Vorschlag von Raworth - und damit die Marktgläubigkeit, die Ausbeutung von Erde und Mensch sowie das blinde Vertrauen in den Finanzsektor beenden, weil es sich als zerstörerisch erwiesen hat.

Stattdessen fordert Raworth uns alle auf, ökonomisch radikal neu denken zu lernen. Mit neuen Zielen:

"Mehr als 70 Jahre lang war die wirtschaftliche Entwicklung auf das Bruttoinlandsprodukt fixiert. (...) Wir brauchen aber eine Wirtschaftsform, die den Menschen nutzt, unabhängig davon, ob es Wachstum gibt oder nicht." Leseprobe

Sieben Vorschläge für neue Wirtschaftsform

Herzstück der Donut-Ökonomie sind sieben ausführlich erklärte Denkansätze, um neue Wirtschaftsformen zu entwickeln. Zum Beispiel könnte unternehmerisches Handeln von vornherein auf Verteilungsgerechtigkeit zielen und nicht auf Gewinnmaximierung; die Arbeit der privaten Haushalte - überwiegend unentgeltlich erledigt von Frauen - könnte wertgeschätzt werden; Wirtschaft und Gesellschaft sich regenerativ ausrichten; die Finanzwirtschaft der Gesellschaft dienen; und menschliche Beziehungen könnten gefördert werden.

"Wir alle sind an der Gestaltung dieser Entwicklung beteiligt, denn unsere Entscheidungen und Handlungen erneuern die Ökonomie immer wieder, durch die Produkte, die wir kaufen, durch Verlagerung unserer Spargelder zu ethischen Banken, in dem wir Unternehmen einen Lebenszweck zuschreiben und politische Bewegungen unterstützten, die unsere ökonomische Vision teilen." Leseprobe

Kluge Denkanstöße für eine breite Diskussion

"Die Donut-Ökonomie" hat inhaltlich das Zeug zum Bestseller - trotz des plakativen Namens. Das Buch liefert keine fertigen Rezepte für eine neue Wirtschaftsform. So vermessen ist die Autorin Raworth nicht. Sie liefert dafür eine Analyse dessen, was schief läuft mit unserer Art zu wirtschaften (und warum) - und sie gibt kluge Denkanstöße, wie wir das ändern können - im Sinne von Mensch und Natur. Darauf ließe sich eine breite, gesellschaftliche Diskussion aufbauen. Zeit wird es.

Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört

von
Seitenzahl:
416 Seiten
Verlag:
Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Veröffentlichungsdatum:
12.03.2018
Bestellnummer:
3446258450
Preis:
24,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Buchtipp | 19.03.2018 | 09:20 Uhr

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