Stand: 19.02.2018 16:36 Uhr

Der lange Weg vom Flüchtling zum Arzt

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Umeswaran Arunagirinathan flüchtete als Zwölfjähriger aus Sri Lanka. Heute will er anderen Flüchtlingen Mut machen.

Umeswaran Arunagirinathan erlebt schon als Kind, was für die meisten von uns unvorstellbar ist: In seiner Heimat Sri Lanka erlebt er den Bürgerkrieg, verliert Freunde und Verwandte bei Raketenangriffen, hat Todesangst. Von seiner Mutter wird er im Alter von zwölf Jahren alleine auf die Flucht geschickt - eine Odyssee, die acht Monate dauert und ihn über Asien und Afrika nach Hamburg führt. Dort wohnt Arunagirinathan bei dem ihm zunächst unbekannten Bruder seiner Mutter, besucht die Schule und macht sein Abitur. Mithilfe seines ehemaligen Klassenlehrers, der eine Bürgschaft für ihn übernimmt, studiert der Hamburger in Lübeck Medizin und erfüllt sich damit einen großen Traum. Nun arbeitet Umeswaran Arunagirinathan als angehender Herzchirurg in Franken und hat mit "Der fremde Deutsche" bereits sein zweites Buch herausgebracht, in dem er über sein Leben in seiner neuen Heimat berichtet.

"Es ist wichtig, dass man im Dialog bleibt"

Die bewegende Geschichte seiner achtmonatigen Flucht hatte Umeswaran Arunagirinathan bereits in seinem ersten Buch "Allein auf der Flucht" geschildert. "Mit dem Schreiben habe ich die Traumata aus dem Krieg und vor allem auch meine Flucht verarbeiten können", erzählte er im Gespräch mit Bücherjournal Moderatorin Julia Westlake. In seinem neuen Buch berichtet "Umes", wie er von Freunden und Patienten genannt wird, nun über sein Leben in der neuen Heimat, wo er sich mit einiger Ausdauer sowie Putz- und Tellerwäscher-Jobs nach vorne boxte. Mit seinen Büchern wolle er dazu beitragen, dass die Leute ihn nicht mehr als Fremden wahrnehmen, sondern als Teil der Gesellschaft, sagt er: "Es ist wichtig, dass man im Dialog bleibt, dass man erzählt, wer man ist und woher man kommt." Dabei möchte "Umes" auch um Verständnis für die Flüchtlinge werben, die jetzt ins Land kommen. Und er möchte den Geflüchteten Mut machen, dass sie ihren Weg in Deutschland machen und sich integrieren können. Seine eigene Einbürgerung sei für ihn eine große Freude gewesen, sagt er: "Ich war schon vorher Deutscher, und für mich war die Einbürgerung eine Bestätigung, ein Teil dessen zu sein." Dafür habe er sehr gekämpft.

"Der fremde Deutsche": Leben zwischen den Kulturen

In seinem Buch "Der fremde Deutsche" beschreibt Umeswaran Arunagirinathan auch sein Leben zwischen den Kulturen. Früher habe er sich schon so gefühlt, als stehe er mit einem Bein in der einen, mit dem zweiten Bein in der anderen Kultur, sagt er. Inzwischen fühle er sich ganz als Deutscher - ein Deutscher mit Wurzeln in Sri Lanka.

23 Jahre nach seiner Flucht besuchte Umeswaran Arunagirinathan erstmals wieder seine frühere Heimat. Seine Gefühle dazu beschreibt er auf dem dem Buchumschlag: "Auf dem Rückflug nach Europa waren meine Kriegsängste endlich verschwunden. Ich wusste jetzt, dass ich jederzeit nach Sri Lanka zurückkommen konnte. Beim Landeanflug auf Hamburg atmete ich tief durch und sagte mir: 'Hier bist du zu Hause, Umes.'"

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Bücherjournal | 21.02.2018 | 00:00 Uhr

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