Stand: 30.12.2019 16:20 Uhr  | Archiv

"Cats": Meisterhafte Katzenfotos von Walter Chandoha

von Guido Pauling

Katzenbilder sind der zweifellos wichtigste Inhalt des Internet. Erstaunlich: Einer der wichtigsten - vielleicht sogar der wichtigste - Katzenfotograf überhaupt war zu einer Zeit aktiv, als es das Internet noch gar nicht gab: Walter Chandoha, in den USA gerne auch als "the godfather of cat photography" bezeichnet, fotografierte die eigenwilligen Fellwesen für die Werbebranche, für Illustrierte und - das muss man ihm zugestehen - zu seinem Vergnügen. Und zwar mehr als sieben Jahrzehnte lang.

Im Januar 2019 ist er im Alter von 98 Jahren verstorben. Sein Fotoarchiv umfasst angeblich 225.000 Aufnahmen, darunter schätzungsweise 90.000 Katzenfotos! So gesehen, ist der 300 Seiten starke Bildband aus dem Taschen Verlag noch dünn ausgefallen.

Die Fotos Walter Chandohas aus den Straßen von New York verrät sein Talent, genau hinzuschauen, zu beobachten - und den richtigen Moment zu erkennen beim Fotografieren von Katzen. Doch ist das Bild untypisch für ihn, denn es zeigt eine Straßenszene. Chandohas ureigenes Revier, in dem tausende Katzenfotos entstanden, war der geschlossene Raum. Die Küche. Das Wohnzimmer. Sein Fotostudio.

Von Schnappschüssen bis Studio-Porträts

Gut 90.000 Katzenfotos soll Chandoha im Laufe seines Lebens gemacht haben. Die meisten für Werbekampagnen und Zeitschriften. Dabei hat er eine Ästhetik für Tier-Porträts entwickelt, die Maßstäbe setzte. Jedes Bild auf einer Katzenfutterdose, Katzenstreu-Verpackung und auf einem Katzen-Kalender scheint Chandoha-geprägt.

Der Eindruck stellt sich unweigerlich ein, während man in dem Bildband "Cats" blättert und überrascht feststellt, wie sehr die jeweils eigene Ästhetik der 50er-, 60er-, 70er- und 80er-Jahre auch für Katzenfotos gilt. Die coole Schwarz-Weiß-Optik der späten 50er-Jahre - offenbar Chandohas erfolgreichste Zeit - weicht in folgenden Jahrzehnten der quietschbunten Pop-Phase, die man auch von Zweibeinern kennt. Die Katzenhaare werden länger und wuscheliger, Föhnfrisuren dominieren, Maine Coons und Perser rücken ins Bild, wo zuvor American Shorthair schick war.

Die Foto-Ästhetik hat sich über Jahrzehnte gewandelt

Manche pastellfarbenen Amerikanismen sind kaum auszuhalten. Dafür entzücken die berühmten Schwarz-Weiß-Ikonen wie "Paula and kitten": Chandohas kleine Tochter, strahlend, brav gescheitelt, mit großer Milchzahnlücke; auf ihrer Schulter ein kleines Kätzchen, ebenso strahlend, mit zwei spitzen Eckzähnchen und der gleichen Lücke vorn.

Oder "The Mob", das Gesindel: fünf Streuner auf Chandohas Farm, die als Trupp auf den Fotografen zuschlendern. Ein schwarzer Anführer vorn, links dicht bei ihm ein getigerter Adjutant, rechts drei halbstarke Kleine, die eher hinter dem Boss Deckung suchen, als dass sie vorwärts schreiten. Natürlich hat der Meister sie auf dem Bauch liegend fotografiert, getreu seinem Motto "Augenhöhe ist die beste Höhe".

Mit diesem Leitsatz dürften jedem Fotografen die besten Porträts gelingen. Erst recht bei so eigenwilligen Modellen wie - Katzen.

Cats - Photographs 1942–2018

von Walter Chandoha
Seitenzahl:
296 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
Hardcover, 23,7 x 31,6 cm - mit Texten von Susan Michals, herausgegeben von Reuel Golden - Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch
Verlag:
Taschen Verlag
Bestellnummer:
ISBN 978-3-8365-7385-6
Preis:
40,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 31.12.2019 | 16:20 Uhr

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