Stand: 29.05.2020 15:07 Uhr

40 exklusive Erzählungen im ARD Radiofestival 2020

Die Corona-Krise trifft auch die Literatur. Die ARD Kulturradios unterstützen deshalb nun Autorinnen und Autoren mit einem ganz besonderen Projekt: Sie haben 40 Aufträge für exklusive Erzählungen vergeben. Zu hören sind sie dann im Sommer während des ARD Radiofestivals.

Ulrich Kühn ist Literaturchef bei NDR Kultur. Und er hat die Arbeitsgruppe geleitet, zu der sich die ARD-Kulturradios für dieses Projekt zusammengetan haben. Herr Kühn, was steckt hinter dem Projekt?

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Ulrich Kühn ist Literaturchef bei NDR Kultur.

Ulrich Kühn: Dahinter steckt der Gedanke: Es reicht absolut nicht aus, immer nur darüber zu reden, dass in der Krise schrecklicherweise viele Lesungen ausfallen und Autorinnen und Autoren überhaupt nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Man muss sich klarmachen: In einem Roman stecken oft viele Jahre ziemlich einsamer Arbeit. Die finanzielle Situation von Menschen, die sich auf das Wagnis einlassen, professionell zu schreiben - die ist sowieso oft prekär. Jetzt geht es vielen an die Existenz.

In dieser Lage wollen wir helfen. Deshalb gestalten wir das ARD Radiofestival auf dem bewährten Platz der "Lesung" im Sommer ganz anders als gewohnt: Wo sonst über Wochen ein großer neuer Roman zu hören ist, gibt’s auch diesmal frische Literatur - aber jeden Tag neu. Wir haben 40 Aufträge für exklusive Erzählungen vergeben. Das heißt: Die Texte sind nirgends veröffentlicht, sie entstehen in dieser Form erst - jetzt, in diesen Wochen. Das ist reizvoll, das ist spannend, und es kann ein bisschen helfen. Am Ende haben alle was davon: Die, die schreiben – und die, die das Ergebnis hören können.

In manchen Programmen übrigens nicht nur abends, sondern schon am Tag. Auf NDR Kultur beispielsweise gibt es alle 40 Erzählungen auch in "Am Morgen vorgelesen", immer morgens ab halb neun. Vom 20. Juli bis zum 11. September.

Spannend, was da gerade entsteht, das kann man sich vorstellen. Aber natürlich auch spannend, wer dabei ist und worum es in den Texten geht. Können Sie dazu schon was verraten?

Kühn: Wir haben gesagt: Freiheit muss sein. Aber auch ein bisschen Struktur. Also haben wir nach einem Thema gesucht, das alle Texte in irgendeiner Weise verbindet. Und da hatte eine Kollegin die Idee, der wir in einer dieser Telefonkonferenzen sofort applaudiert haben. Es soll ums "Reisen" gehen! Das bewegt in diesem Jahr alle, egal, wie sich die Situation entwickelt. Und Literatur ist wie geschaffen dafür. Selbst wenn man in einer Wohnung, einer Stadt festsitzt, die Fantasie kann immer den Aufbruch wagen. Das meine ich mit Freiheit: Ob das Zeitreisen sind, Fantasiereisen, Reisen durchs eigene Zimmer oder auf die großen Trips des Lebens, wie die Liebe - alles ist möglich.

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Exklusive Erzählungen: ARD-Kulturradios unterstützen Schreibende

Die Corona-Krise trifft auch die Literatur. Die Literaturredaktionen der ARD vergeben deshalb Aufträge an 40 Schreibende, für das ARD Radiofestival eine Erzählung zu schreiben. extern

Es war dann schön zu sehen, wie schnell Zusagen kamen. Eine tolle Mischung: Prominente und sehr bewusst auch weniger Bekannte, die jetzt besonders Unterstützung verdienen. Ich nenne kunterbunt ein paar Namen: Doris Dörrie, Marcel Beyer, Yael Inokai, Lisa Kreißler, Leif Randt, Nora Bossong, Lutz Seiler… Wer gern liest und sich vorlesen lässt, wird schöne Wiederbegegnungen haben und Entdeckungen machen.

"Schreiben geschieht in Einsamkeit und lebt durch Öffentlichkeit", hat der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow gesagt. Das trifft den Punkt: Wir wollen für Schreibende Öffentlichkeit schaffen. Deshalb sollen die Texte auch ein Jahr lang zum Download bereitstehen. Denn Fantasie kennt keine Grenzen und ist auch durch einen Virus nicht zu stoppen.

Lesungen bei NDR Kultur
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Am Morgen vorgelesen

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Am Abend vorgelesen

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Die Beiträge vergangener Sendungen in chronologischer Reihenfolge. mehr

Dieses Thema im Programm:

Klassisch unterwegs | 29.05.2020 | 17:20 Uhr

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