Stand: 16.08.2011 10:00 Uhr

Als Jimi auf die Insel kam

von Sabine Leipertz, NDR.de

Nach zwei stürmischen Tagen, Regen, Matsch und einigen versöhnlichen bis genialen Auftritten von Canned Heat, Ginger Baker, Inga Rumpf und Frumpy, Sly & The Family Stone, Mungo Jerry und den Faces warteten am Sonntag - bevor die Krawalle richtig losgingen - alle nur noch auf Jimi Hendrix. Der war eigentlich für den Samstagabend angekündigt, blieb dann aber lieber in Puttgarden im warmen Hotel. Weder Helikopter noch die von Hendrix verlangte Luxuslimousine brachten den Star auf das Festivalgelände. Bis Sonntagmittag war nicht klar, ob er überhaupt kommen würde.

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Der Auftritt von Ginger Baker und seiner Band Air Force zählt zu den Höhepunkten auf Fehmarn.

Dem Folk-Duo Witthüser und Westrupp gelang es immerhin, die Leute einigermaßen bei Laune zu halten. Die Stunden vergingen, Alexis Korner bemühte sich weiterhin, die Zeit zu überbrücken und gab noch einen Wunsch des Künstlers weiter: Die Leute sollten ihre Zelte abbauen, weil diese ihn zu sehr an seine Zeit in Harlem, als er in Zelten schlafen musste, erinnerte. Die sonst so obrigkeitsfeindliche Hippiegesellschaft ließ brav ihre Zelte in den Matsch fallen.

"Das war magisch"

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Als hätte der Himmel ein Einsehen gehabt. Kurz bevor Hendrix auf die Bühne kam, legte sich der Sturm.

Und dann war es endlich soweit. "Es wurde zwölf Uhr und es hieß: Er ist auf dem Platz. Da ging das Gejohle schon los", beschreibt Fiete die Zeit vorher. "Es hat aber noch eine Stunde gedauert und dann hörte es auf zu regnen, der Sturm legte sich. Jimi stand mit seinem Papagei-Gewand auf der Bühne und die Sonne schien. Das war der Hammer. Irre!" Wolfgang Klockmann erlebte den Moment so: "Ich saß da und Minuten vorher riss der Himmel auf, strahlender Sonnenschein und dann kam Jimi auf die Bühne. Das war richtig magisch." Unter den Jubel mischten sich aber auch Pfiffe und laute Buh-Rufe, die Leute hatten genug vom Warten. Hendrix reagierte gelassen: "Ich scheiß' drauf, ob ihr buht oder nicht, solange ihr es in der richtigen Tonart tut", soll seine Antwort gewesen sein. Und dann begann er zu spielen.

Jedoch nicht - wie vielerorts behauptet - zum letzten Mal in seinem Leben. In der Nacht vom 16. auf den 17. September 1970 jammte Hendrix gemeinsam mit Eric Burdon und War im Londoner "Ronnie Scott's" Jazzclub. Einen Tag später wurde er tot im Samarkand Hotel aufgefunden. Doch auch wenn das "Love + Peace Festival" nicht sein letztes Konzert war, Fehmarn kann sich damit trösten, dass Jimi dort seinen letzten Open-Air-Auftritt hatte. Nicht schlecht für eine kleine Insel in der Ostsee. Und: Jimi Hendrix bleibt auf ewig mit Fehmarn verbunden. Oder umgekehrt?

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