Stand: 29.04.2013 14:44 Uhr  | Archiv

NS-Lager Sandbostel erhält Dauerausstellung

Ein Besucher geht durch Fotografien von einstigen Insassen. © dpa Foto: Ingo Wagner
Die Dauerausstellung in Sandbostel dokumentiert das Schicksal der Lager-Insassen.

Im ehemaligen NS-Kriegsgefangenenlager Sandbostel im Landkreis Rotenburg können sich Besucher ab sofort in einer neuen Dauerausstellung über die Geschichte des Lagers informieren. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) eröffnete die Dokumentation am Montagmittag in einer Gedenkfeier zum 68. Jahrestag der Befreiung durch britische Soldaten. "Nirgendwo in Deutschland ist die historische Bausubstanz eines solchen NS-Lagers so umfangreich erhalten", sagte Neumann. Sandbostel sei heute "Tatort, Erinnerungsort und Lernort zugleich" und zeige die nationalsozialistische Terrorherrschaft.

Zigtausende Tote in Sandbostel

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) betonte die Bedeutung Sandbostels als internationaler Gedenkort. Die Ausstellung in zwei ehemaligen Baracken des Lagers berichtet über das Schicksal der mindestens 313.000 Gefangenen aus mehr als 55 Nationen, die nach Angaben von Wissenschaftlern in Sandbostel interniert waren. Als gesichert gilt, dass im Lager etwa 5.200 vor allem sowjetische Kriegsgefangene und rund 2.500 KZ-Häftlinge ums Leben kamen. Wahrscheinlich ist die Zahl der Toten aber viel höher - Schätzungen gehen sogar von bis zu 50.000 aus.

Einzigartige Gedenkstätte vor Verfall gerettet

Zwei Mitarbeiter der neuen Gedenkstätte für ehemalige Kriegsgefangene im Lager Sandbostel gehen an einer Reihe von Unterbringungsbaracken entlang. © dpa Foto: Ingo Wagner
Auf dem Gelände sind zahlreiche historische Lagerbauten erhalten.

Auf dem 3,2 Hektar großen Areal der heutigen Dokumentations- und Gedenkstätte steht ein einzigartiges Ensemble historischer Lagerbauten. Bund, Land, Kreis und die Reemtsma-Stiftung haben rund 1,4 Millionen Euro investiert. Mit dem Geld retteten sie unter anderem die Baracken vor dem Verfall, ließen die Ausstellung gestalten und initiierten Bildungsprojekte. Noch vor vier Jahren sei das Gelände in einem trostlosen Zustand gewesen, sagte Neumann. Über Jahrzehnte sei die Geschichte von Sandbostel verdrängt, verharmlost und vergessen worden.

"Sandbostel war das Fegefeuer"

Der ehemalige britische Militärarzt Hans Engel (97), der das Lager mit befreit hatte, erinnerte bei der Ausstellungseröffnung daran, dass die deutsche Nachkriegsgeneration die Nazi-Verbrechen vergessen wollte. Bergen-Belsen sei "die Hölle auf Erden gewesen, Sandbostel das Fegefeuer", so Engel.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 29.04.2013 | 07:30 Uhr

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