Stand: 29.11.2016 13:52 Uhr  | Archiv

Alexander Khuon: Vom Pfannkuchen zum Don Carlos

von Katja Weise
Alexander Khuon als "Don Carlos" im gleichnamigen Theaterstueck von Friedrich Schiller (Regie: Stephan Kimmig, im Deutschen Theater in Berlin, 2015) © Eventpress Hoensch
Als Don Carlos ist Alexander Khuon beim Hamburger Theaterfestival zu sehen.

Dass der eigene Vater einmal sein Chef werden würde, hat Alexander Khuon sich nicht träumen lassen. Seit 2004 gehört er zum Ensemble des Deutschen Theaters in Berlin, 2009 wurde Ulrich Khuon dort Intendant.

Insofern entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass das Deutsche Theater beim Hamburger Theaterfestival im Oktober ausgerechnet "Väter und Söhne" zeigte - mit Alexander Khuon in einer Hauptrolle. Und auch in der Abschlussinszenierung des Festivals, am 29. und 30. November, wird der Schauspieler noch einmal in Hamburg als "Sohn" zu sehen sein, als Schillers Don Carlos.

Khuon: "Mein Vater ist mein Chef - darum geht's"

Die Ähnlichkeit ist frappierend: Wer nur den Vater kennt, erkennt in dem dunkelhaarigen jungen Mann, der lässig rauchend an der Tür zum Bühneneingang lehnt, sofort den Sohn. Damit ist das Thema dann aber auch durch. "Das ist mein Chef und mein Intendant und mein Partner in der Arbeit. Und darum geht's", sagt Khuon. "Und dafür bin ich auch dankbar und froh. Ich schätze ihn da sehr und das ist das, worum es mir geht und was mir wichtig ist."

In Daniela Löffners Inszenierung "Väter und Söhne" spielt Alexander Khuon einen vom Nihilismus überzeugten, die Auseinandersetzung mit der Väter-Generation vehement fordernden Studenten. Basarow ist ein kühler Kopf, ein Denker, der glaubt, auf Emotionen verzichten zu können. Doch Khuon macht von Anfang an spürbar, wie sehr es in diesem Mann brodelt. Insofern gibt es für den Schauspieler durchaus Verbindungen zu Don Carlos: "Die haben was miteinander zu tun. Der eine versucht, das Gefühl aus seinem Leben zu verbannen und das über den rationalen Weg, und der andere stürmt geradezu mit wehenden Fahnen seinem Untergang oder seinem Gefühlsrausch entgegen."

Vom dicken fetten Pfannkuchen zum "Don Carlos"

Alexander Khuon als "Don Carlos" im gleichnamigen Theaterstueck von Friedrich Schiller (Regie: Stephan Kimmig, im Deutschen Theater in Berlin, 2015) © Eventpress Hoensch
Khuon ist nicht nur Schauspieler, er arbeitet auch als Regisseur.

Als Schauspieler will Alexander Khuon vor allem Geschichten erzählen. Das sei, sagt er, schon immer so gewesen. Er erinnere sich sogar noch an die allerersten Auftritte: als "dicker fetter Pfannkuchen" im Kindergarten oder als Statist in "Minna von Barnhelm". Fünf oder sechs war er damals: "Es ging mir nicht darum, dass da unten Leute sitzen und mir zugucken, sondern ich habe gemerkt: Wir haben jetzt da einen Text, und man kann sich da hineinfantasieren in so eine Situation. So banal und klein die damals auch war: Mir hat das irgendwie Spaß gemacht. Da habe ich gedacht: Das mag ich."

Und das nicht mehr nur als Schauspieler auf der Bühne. Khuon steht regelmäßig vor der Kamera, zuletzt unter anderem mit Matthias Schweighöfer, für eine neue Amazon-Serie. Auf der Basis einer Kurzgeschichte von Clemens Meyer hat er außerdem sein erstes eigenes Drehbuch verfilmt: "Aber im Prinzip geht es ums Gleiche. Man hat dann nur noch mal eine andere Möglichkeit, die eigene Vision in Gänze umzusetzen. Und als Schauspieler ist man quasi im Gespräch mit dem Regisseur, aber der Regisseur hat quasi die künstlerische Oberhand. Und das ist auch etwas, was mich interessiert. Aber das geht alles eher Hand in Hand miteinander."

Dem Deutschen Theater bleibt er treu

Denn am Deutschen Theater fühlt er sich weiterhin wohl. Bisher hat er seinen Vertrag jedes Jahr um ein weiteres verlängert. Über die Gage verhandele er allerdings nicht mit seinem Vater, sagt er lachend: "Nein, da gibt es einen geschäftsführenden Intendanten, und ich höre, dass mein Vater sehr hart verhandelt. Ich bin ganz froh, dass ich nicht mit ihm verhandeln muss." Ansonsten setzen wir uns natürlich auseinander. Ich bin ja inzwischen auch kein kleiner Junge mehr. Da wird über das Stück und über die Inszenierung gesprochen und dafür ist er ein toller Partner, und ich bin froh, dass ich ihn habe. Und das ist es."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 29.11.2016 | 19:22 Uhr

Mehr Geschichte

Einen schönen Platz für ihr Zelt haben sich zwei jungen Frauen am Rande eines Sees ausgesucht. (Aufnahme aus den 50er-Jahren) © picture alliance/dpa-Bildarchiv

Als die Norddeutschen das Campen für sich entdeckten

Nur wenige Menschen können sich in den 50ern Hotel-Urlaub im Ausland leisten. Camping wird zur heiß geliebten Alternative. mehr

Norddeutsche Geschichte