Stand: 31.12.2019 09:18 Uhr

Adolf Grimme - Ein Kämpfer für die Bildung

Seit 1964 werden alljährlich im nordrhein-westfälischen Marl die Adolf-Grimme-Preise verliehen, die zu den höchsten Auszeichnungen der deutschen Medienlandschaft gehören. Der Preis trägt den Namen eines der führenden deutschen Kulturpolitiker in der Vor- und Nachkriegszeit und einen der Wegbereiter des deutschen Rundfunks. Am 31. Dezember wäre er 130 Jahre alt geworden.

Adolf Grimme © picture-alliance / dpa
Der Pädagoge und Politiker Adolf Grimme - hier eine undatierte Aufnahme - wurde 1946 der erste Kultusminister Niedersachsens.

Adolf Grimmes Lebensweg ist ungewöhnlich verschlungen. Geboren wird der Sohn eines Bahnbeamten und einer tief religiösen Mutter am 31. Dezember 1889 in Goslar im Harz. Nach seinem Studium der Philosophie und Germanistik in Halle, München und Göttingen arbeitet Grimme zunächst als Studienassessor in Leer, ab 1919 als Studienrat in Hannover. Er engagiert sich - trotz konservativen Umfelds - als Reformpädagoge und will auch Arbeiterkindern den Weg zum Studium ermöglichen.

Kurze Zeit ist er Mitglied der liberalen Deutschen Demokratischen Partei, Anfang der 20er-Jahre führt ihn sein Weg in die SPD. Er irritiert manchen Parteigenossen mit seinem Bekenntnis zum "religiösen Sozialismus" und seiner Maxime: "Als Sozialist kann ich Christ sein, aber als Christ muss ich Sozialist sein."

Über seine Arbeit in der Schulverwaltung kommt Grimme 1927 ins preußische Kulturministerium. 1930 steigt er in Berlin auf zum Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. Es wird jedoch nur eine kurze Amtszeit: Bereits 1933 entheben die Nationalsozialisten ihn seines Amtes.

Rückzug und Verhaftung im "Dritten Reich"

Bereits 1932 hatte Grimme in mutigen Reden vor der "gefährlichen Rolle des Herrn von Papen als Steigbügelhalter Adolf Hitlers für dessen Ritt in den Krieg" gewarnt. Trotzdem emigriert er nicht. Er bleibt in Deutschland, zieht sich zurück, arbeitet als Korrektor. 1942 dann wird er wegen seiner Verbindungen zu der Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.

Weitere Informationen
Dr. Adolf Grimme, Generaldirektor des NWDR © NDR

Adolf Grimme - Kulturpolitiker und Generaldirektor des NWDR

15. November 1948: Adolf Grimme wird erster Generaldirektor des NWDR, dessen Geschicke er bis 1956 leitet - eine Zeit voller Konflikte. Grimme gehörte zu den wichtigsten Bildungspolitkern der jungen Bundesrepublik. mehr

Politischer Neustart nach Kriegsende in Hannover

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nimmt Grimme seine bildungspolitische Arbeit schnell wieder auf - zunächst als Leiter der Kultus-Abteilung im Oberpräsidium in Hannover. 1946 wird er erster niedersächsischer Kultusminister und widmet sich dem Wiederaufbau des Schulwesens, der Neuorganisation von Wissenschaft und Kultur. In dieser Funktion wird er 1948 in den Verwaltungsrat des neu gegründeten Nordwestdeutschen Rundfunks Hamburg und Köln (NWDR) berufen. Kurz darauf leitet der den NWDR als Generaldirektor - ein Amt, das in etwa dem des heutigen Intendanten entspricht.

Programmatische Antrittsrede zum Wert des Rundfunks

Der Rundfunk als "Kompass", das Radio als "Helfer, sich auf den Sinn des Lebens wieder zu besinnen": Mit diesen programmatischen Worten tritt Adolf Grimme sein neues Amt in Hamburg an. Seine Rede erscheint damals unter dem Titel "Das Ethos des Rundfunks" und wird vielfach zitiert.

Einweihung des Studios Flensburg  am 12.11.1950 im Deutschen Haus

AUDIO: Generaldirektor Adolf Grimme: Grenzland ist Brückenland (3 Min)

Der Erfolg Grimmes' Amtsführung beim NWDR gilt als umstritten. Einige Stimmen werfen ihm Entscheidungsschwäche und unnötige Bürokratie vor. Gleichzeitig wird er als vehementer Verteidiger der neuen Rundfunkfreiheit bewundert, da Grimme gegen alle Einwände der Politik auf die erzieherischen und bildenden Aufgaben des Mediums pocht.

Ruhestand zur Auflösung des NWDR

1956 tritt Grimme in den Ruhestand, nachdem der NWDR zum Jahreswechsel 1955/56 aufgelöst und die beiden eigenständigen Rundfunkanstalten NDR und WDR gegründet werden. Nach schwerer Krankheit stirbt Adolf Grimme am 27. August 1963 in Degerndorf am Inn. Auf dem Stadtfriedhof Engesohde in Hannover liegt er begraben.

Weitere Informationen
Eine Gesprächsrunde. v.l.: Walter Menningen, Horst Seifert, Ingrid Lorenzen, Rüdiger Proske und Helga Norden. (1960) © NDR

Die NDR Chronik

Sie sind untrennbar miteinander verbunden: der NDR und die Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland. Diese Chronik erinnert an besondere Sendungen und zeichnet die rundfunkpolitischen Entwicklungen im Norden seit 1924 nach. mehr

Weitere Informationen
Eine Reihe von Trophäen des Adolf-Grimme-Preises. © dpa-Report Foto: Jörg Carstensen

Adolf-Grimme-Preis

Jährlich wird dieser renommierte Fernsehpreis vom Grimme-Institut in Marl verliehen. Es sollen Sendungen ausgezeichnet werden, die ein Vorbild für das Medium Fernsehen sind. extern

Dieses Thema im Programm:

Klassisch unterwegs | 16.01.2020 | 15:40 Uhr

Mehr Geschichte

Bronzestatue von Martin Luther © fotolia Foto: AVTG

Reformationstag: Ein Feiertag für Martin Luther

Seit 2018 ist der Tag im Norden ein Feiertag: Evangelische Christen feiern heute die Reformation. Um was geht es dabei? mehr

Eine Fernsehansagerin des NDR bei Aufnahmen 1957 im Studio. © NDR

NDR Retro: Rein ins Fernseh-Archiv - und unsere Geschichte

Der NDR zeigt seine Fernseh-Schätze aus den 50ern und 60ern: Online wächst ein Archiv mit Tausenden historischen Videos. mehr

Die Fußballerinnen derr SSG Bergisch Gladbach nach dem Gewinn des DFB-Pokals 1981. © picture alliance Foto: Roland Witschel

50 Jahre Frauenfußball - Geschichte einer Emanzipation

Am 31. Oktober 1970 ließ der Deutsche Fußball-Bund das Verbot für Frauenfußball fallen. Eine Erfolgsgeschichte begann. mehr

Screenshot: © NDR

75 Jahre NDR Elbphilharmonie Orchester

Aus der Geschichte in die Gegenwart: Das NDR EO feiert sein 75. Jubiläum mit Festkonzerten und Konzertmitschnitten. mehr

Norddeutsche Geschichte