Sendedatum: 25.01.2001 19:00 Uhr  | Archiv

Truppenabzug der Sowjetarmee

von Thorsten Eckert, Eva Storrer, Iris Hartwig, Dagmar Amm und Bert Lingnau
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Zum Abschied winkten Kinder und Erwachsene 1994 den abziehenden Jets zu.

Auch den Flugplatz in Pütnitz bei Ribnitz-Damgarten verließen 1994 die russischen Truppen völlig überstürzt. Mittlerweile geht es hier eher beschaulich zu. Seitdem keine Flugzeuge mehr starten, herrscht Stille. Nur die alte Landebahn und einige der Kasernen und Flugzeughallen sind noch da. Heute stehen sie unter Denkmalschutz. Bis der ganze restliche Militärschrott weggeräumt war, hat es lange gedauert: Batterien, Kühlschränke, alles, was die Truppen nicht mehr brauchten, haben sie dort liegen lassen. Die sichtbaren Altlasten sind mittlerweile entsorgt. Doch das ist längst nicht alles: Der Boden des Geländes ist noch immer verseucht. Mehrere Tanklager befanden sich einst auf dem Flugplatz, und das, was in den Boden eingesickert ist, hat noch niemand beseitigt.

Bis heute wird für das Gelände ein Nachnutzer gesucht. Zwar kursierten bereits zahlreiche Pläne, was auf dem riesigen Areal gebaut werden könnte: Windkraft- oder Solaranlagen, ein Kurbetrieb oder ein Hobelwerk. Doch letztlich scheiterten alle Vorhaben daran, dass sie nicht groß genug waren, um die damit verbundenen Erschließungen tragen zu können. Denn bislang fehlt auf dem Gelände fast alles, was man für funktionierende Konzepte braucht, ob Elektroanschlüsse oder eine Abwasserentsorgung. Und doch kommt allmählich Leben auf den einstigen Flugplatz: In zwei der fünf großen Hangars hat mittlerweile ein Technikverein sein Domizil.

Was bleibt?

Was bleibt, zehn Jahre nach dem Abzug der Besatzungsarmee in Mecklenburg-Vorpommern? Von den sowjetischen Ehrenmalen und Soldatenfriedhöfen, die nach 1945 und während der DDR-Zeit hier im Land errichtet und angelegt wurden? Sind sie verschwunden? Wie viele dieser Stätten gibt es noch? Wer hält die Erinnerungen wach?

Zurzeit gibt es in Mecklenburg-Vorpommern 30 bis 40 sowjetische Ehrenmale und etwa 200 Soldatenfriedhöfe. Sie befinden sich zumeist dort, wo die Truppen stationiert waren. Der Historiker Matthias Pfüller vom Schweriner Verein "Politische Memoriale" - ein Verein, der sich mit Geschichtsaufarbeitung und Erinnerung beschäftigt - hat vor Kurzem etwa 60 Orte in ganz Mecklenburg-Vorpommern bereist und sich den Zustand der Denkmäler und Friedhöfe angesehen. Insgesamt sei der Zustand der Erinnerungsstätten gut, so sein Fazit.

Deutschland hat Russland zugesichert, die Ehrenmäler auch weiterhin zu pflegen. Bei den kleineren Denkmälern sind hierfür die Kommunen zuständig. Die Bundesländer stellen finanzielle Mittel zur Verfügung. Viele Erinnerungsstätten sind mittlerweile so umgestaltet worden, dass sie mit weniger Aufwand gepflegt werden können. Beispielsweise liegen dort, wo früher Rasen war, jetzt Steinplatten, ohne dass die Würde des Denkens dadurch zerstört wird.

Neben den Kommunen fühlen sich auch andere Organisationen für den Erhalt der sowjetischen Ehrenmale verantwortlich. "Es gibt 'Restbestände’ der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische-Freundschaft, die weiterhin agieren, die für die Pflege der deutsch-russischen Kulturbeziehungen eintreten. Es gibt örtliche, private oder in Vereinsform zusammengefasste Initiativen, die sich mit der Pflege befassen", erzählt Matthias Pfüller.

Dass es so etwas wie Feindseligkeit den Russen gegenüber gäbe, trotz der Vorfälle in Tschetschenien und anderenorts, kann der Historiker nicht bestätigen. "Dadurch hat sich bei den Einstellungen der Menschen gegenüber den Denkmälern nichts geändert", sagt er.

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Truppenabzug der Sowjetarmee - Originalversion

Die ungekürzte Fassung des Textes aus der Reihe "Erinnerungen für die Zukunft" von NDR 1 Radio MV. Download (134 KB)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.01.2001 | 19:00 Uhr

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