Stand: 05.05.2020 09:54 Uhr  - Hallo Niedersachsen

Der Frieden im Norden beginnt bei Lüneburg

Bei Lüneburg verhandeln der britische Feldmarschall Bernard Law Montgomery (2.v.r.) und eine deutsche Delegation unter Admiral Hans Georg von Friedeburg (l) Anfang Mai 1945 über die Teilkapitulation in Norwesteuropa.

Offiziell markiert der 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht das Ende des Zweiten Weltkrieges. Für den norddeutschen Raum ebenso bedeutsam ist aber auch der 4. Mai: In Teilen in einer Lüneburger Villa ausgehandelt, wird vor 75 Jahren unter britischer Führung die Teilkapitulation für Nordwesteuropa auf dem Timeloberg in der Lüneburger Heide unterzeichnet.

Am 3. Mai machen sich vier deutsche Militärs unter Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg auf nach Lüneburg: zu Vorverhandlungen über eine Teilkapitulation der im Nordwesten Europas stehenden deutschen Truppen. Das erste Treffen findet in der sogenannten Möllering-Villa im Lüneburger Stadtteil Häcklingen statt. Hier hatten die britischen Einheiten der alliierten Streitmacht zum Kriegsende ihr Hauptquartier eingerichtet. Als die deutsche Delegation unter von Friedeburg ankommt, ist ihr erster Ansprechpartner General Miles Dempsey. Die entscheidende Figur allerdings ist als Oberbefehlshaber der Feldmarschall Bernard L. Montgomery.

Heidehügel wird zum "Victory-Hill"

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Seit 1995 erinnert ein Gedenkstein am Rand des Hügels an die Teilkapitulation. Mehrfach wurde er seitdem von Unbekannten beschädigt.

Der britische Feldmarschall Montgomery hatte mit der 8. Armee den als "Wüstenfuchs" bekannten deutschen Generalfeldmarschall Erwin Rommel und dessen deutschen Afrikakorps Ende 1942 unter anderem im ägyptischen El Alamein entscheidend geschlagen und die Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 mit vorbereitet. Nun befehligt er die auf dem Vormarsch befindlichen britischen Truppen in Norddeutschland. Sein Lager hat er wenige Kilometer östlich der Möllering-Villa am Ortsrand von Wendisch-Evern auf dem Timeloberg errichtet. Hier hat sich der eigenwillige Brite einen Wohnwagen und ein Zelt aufstellen lassen - mit Ausblick auf die alte Salzstadt. Den Timeloberg soll Montgomery später zu seinem "Victory-Hill" erklären.

Ein beinamputierter Kriegsversehrter humpelt nach dem Zweiten Weltkrieg durch das zerstörte Hamburg. © dpa

Niederlage oder Befreiung? Das Kriegsende 1945

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War das Ende des Zweiten Weltkriegs Katastrophe, Stunde null oder Befreiung? Wie wurde der 8. Mai 1945 damals empfunden, wie später bewertet? Wolfgang Müller blickt zurück.

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Montgomery will die bedingungslose Kapitulation

Zweimal bestellt der britische Feldmarschall die Deutschen zu sich. Er macht klar: Für die Briten kommt nur eine bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht infrage. Vier Tage vor der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation aller deutschen Streitkräfte am 7. Mai 1945 im französischen Reims unterschreibt von Generaladmiral Friedeburg am Abend des 4. Mai eine Teilkapitulation für Nordwesteuropa: von Holland bis Skandinavien und für die gesamte nordwestdeutsche Region. Die Vereinbarung: Waffenstillstand ab dem 5. Mai, 8 Uhr. Die Möllering-Villa als einer der Verhandlungsorte wie auch der Timeloberg, wo im Zelt des britischen Hauptquartiers die Teilkapitulation unterschrieben wird, werden damit zu historischen Stätten auf dem Weg zum Frieden nach dem Zweiten Weltkrieg.

Möllering-Villa: Ort des Teilfriedens verfällt

Über die Jahrzehnte verfällt die Möllering-Villa, die sich in Privatbesitz befindet, zunehmend. Historiker fordern immer wieder, dort eine Gedenkstätte zu errichten. Seit 2007 steht die Villa unter Denkmalschutz - und um das Haus entwickelt sich ein Tauziehen: Der Besitzer stellt einen Antrag, die Villa abzureißen, eine Sanierung sei unwirtschaftlich. Auf der anderen Seite steht ein Verein zum Erhalt der Möllering-Villa, der dem Eigentümer zwischenzeitlich ein Kaufangebot vorlegt - das Geld für Kauf und Sanierung letztlich aber nicht aufbringen kann. Und die Stadt Lüneburg sieht sich bei geschätzten Sanierungskosten in Höhe von zwei bis drei Millionen Euro ebenfalls nicht in der Lage, das Gebäude zu übernehmen.

Blumen für das "Waldhaus Häcklingen" zum 75. Jahrestag

Mittlerweile möchte der Eigentümer den Denkmalschutz aufheben lassen. Das Gebäude sei mit zu vielen Schadstoffen belastet, eine Sanierung wirtschaftlich unzumutbar. Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalschutz waren bereits vor Ort - noch ist aber offen, wie es mit dem geschichtsträchtigen Haus weitergeht. Unterdessen wollten Mitglieder der Projektgruppe "Waldhaus Häcklingen", die sich für den Erhalt der Villa einsetzt, zum 75. Jahrestag der Ereignisse mit Blumen vor dem Gebäude an den Frieden für Norddeutschland, die Niederlande und Dänemark erinnern, der dort ausgehandelt wurde.


05.05.2020 09:54 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer vorigen Version des Artikels hieß es, dass die Teilkapitulation am 4. Mai 1945 in der Möllering-Villa unterzeichnet wurde. Das war nicht korrekt. Tatsächlich fand die Unterzeichnung im Quartiers-Zelt des Oberbefehlshabers der britischen Armee in Deutschland, Geldmarschall Bernard Law Montgomery, auf dem Timeloberg bei Wendisch-Evern statt.

 

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Hallo Niedersachsen | 02.05.2020 | 19:30 Uhr

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