Stand: 18.06.2010 15:15 Uhr  | Archiv

Heuernte um 1750

Ende Juni, zumeist am Johannitag, begann die Bauern im Norden ihr Heu zu ernten. Das Heu war eine wichtige Existenzgrundlage für die Landwirte, weil viele damit im Winter ihr Vieh fütterten. Vor der eigentlichen Ernte stand allerdings eine andere Arbeit an: Die Sense musste "gedengelt", das heißt auf einem Amboss ausgeschlagen, geschärft und verdichtet werden.

Auf dem Feld galt dann folgende Arbeitsteilung - die Männer haben gesenst, die Frauen zusammengeharkt. Anschließend brachten die Bauern ihr Heu in Scheunen unter. Diese waren meist zu den Seiten offen beziehungsweise nur lose mit Flechtwerk umgeben, so dass eine gute Belüftung gewährleistet war. Denn sonst hätte sich das Heu sehr leicht entzünden können. Andere Scheunen wiederum besaßen sogar ein Dach, dass je nach Bedarf rauf und runter zu ziehen ist (Beispiel: Heuberg oder Barg)

Der Geestbauer

Im Gegensatz zu den reicheren Marschbauern hatten die Geestbauer nur relativ schlechte, sehr trockene Böden zur Verfügung. Die Landnutzung war wenig intensiv, die große Ödland und Heideflächen benötigte. In Norddeutschland waren viele Flächen verkarstet, die Heide war nichts anderes als eine Kulturwüste. Es gab kaum Ernteüberschüsse. Und im Gegensatz zu den Marschlanden klaffte die soziale Schere auch nicht weit auseinander.

Im Sommer wurden die alle Kühe eines Dorfes zusammen von dem Kuhhirten in die Wälder oder auf Brachflächen getrieben. In den Wäldern war deshalb das gesamte Unterholz abgefressen. Jeden Abend wurden die Kühe wieder ins Dorf zurück gebracht. Kühe waren wichtig: Die Bauern hielten sie wegen der Milch und der Düngerproduktion. Da die Landwirte große Fläche brauchten, um die Kühe ernähren zu können waren ein bis zwei Drittel der Fläche einer Dorfgemeinschaft für die Düngermittelgewinnung gedacht.

In den 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die Flächen, die bisher Allmende (Gemeineigentum) der Dörfer waren, unter den einzelnen Bauern aufgeteilt, und die gemeinsamen Kuhherden aufgegeben. Der einzelne Bauer hatte jetzt mehr Interesse, seine Fläche intensiver zu nutzen. In der Folge wurde vermehrt Dünger eingesetzt. Und: Erst jetzt wurden gezielt Futtermittel wie Klee oder Kartoffel für die Schweine, angebaut. Vorher gab es nur das Heu als Winterfutter.

Wertvoller Kuhmist

Mist war das einzige Mittel der Düngung. Deshalb war er sehr kostbar. In Hausinventaren wurde die Menge an Mist, die ein Haushalt produziert als Vermögen aufgeführt. Daher kam auch der Spruch "Aus Scheiße Geld machen". Von den Feldern wurden Placken mit der Sichel abgetragen oder abgehauen. Dann wurden die Erdstücke in den Stall gebracht. Weil es nicht regelmäßig ausgekehrt wurde, vermischte es sich mit dem Dung der Kühe. Erst nach einiger Zeit wurde das Gemisch auf den Misthaufen gebracht. So erhielten die Bauern ihren Dünger.

Dieses Thema im Programm:

DAS! | 20.06.2010 | 18:45 Uhr

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