Stand: 20.02.2017 10:37 Uhr  | Archiv

Die Handelskammer - Hamburgs graue Eminenz

Blick auf das Hamburger Börsengebäude, heute Sitz der Handelskammer © imago
Der prächtige Sitz der Handelskammer gehört zum Gebäudekomplex des Rathauses.

Schifffahrt und Handel - zwei Themen, die in Hamburg untrennbar miteinander verwoben sind. Seit Jahrhunderten spielen sie eine wesentliche Rolle, wenn es um Wohlstand und Zukunft der Stadt geht. So ist es kein Zufall, dass sich eine der ältesten Organisationen Hamburgs intensiv mit diesen Themen beschäftigt: die Handelskammer. Vor gut 350 Jahren wurde sie aus der Taufe gehoben, damals unter dem Namen Commerz-Deputation.

Frühe Lobbyisten für die Kaufmannsschaft

Fast selbstverständlich also, dass es um die Schifffahrt geht, als die "Versammlung Eines ehrbaren Kaufmanns" am 19. Januar 1665 eine Vertretung wählt. Die sieben Deputierten, die Commerz-Deputation, sollen gegenüber dem Rat der Hansestadt die Interessen der Kaufleute vertreten. Das dringendste Anliegen der frühen Lobbyisten: Schutz der Handelsschiffe vor Piraten. Bereits seit mehr als 40 Jahren zahlen die Händler dafür eine Abgabe. Doch die Admiralität genannte Hafenbehörde kann kaum Erfolge im Kampf gegen Überfälle auf Handelsschiffe vorweisen. Zwar sollten nach einem weiteren Angriff auf acht Hamburger Schiffe im Jahr 1662 bewaffnete Kriegsschiffe gebaut werden. Doch der Absichtserklärung folgten keine Taten.

Konvoischiffe sichern Handelswege

Konvoischiffe "Kaiser Leopold" und "Wappen von Hamburg" aus dem 17. Jahrhundert auf einem zeitgenössischen Stich. © Handelskammer Hamburg Archiv
Die stattlichen Konvoischiffe begleiteten und schützten Hamburger Handelsschiffe.

So nimmt die neu gegründete Commerz-Deputation die Dinge 1665 selbst in die Hand. Jedes Schiff, das den Hafen anläuft, muss eine Abgabe auf seine Waren zahlen. Mit dem "Convoygeld" werden eigene Kriegsschiffe gebaut. 1668 geht die "Leopoldus Primus" auf Jungfernfahrt, das erste sogenannte Konvoischiff. Es begleitet Handelsschiffe auf Fahrten nach Spanien, Westafrika, Grönland und Westindien. Drei weitere Konvoischiffe folgen, die erste Mission der Commerz-Deputation wird zum Erfolg.

Der Rat ist skeptisch

Der Hamburger Rat sieht die Aktivitäten der Deputation skeptisch und weigert sich zunächst, sie anzuerkennen. Als die Kaufleute 1670 Auskunft über die Verwendung des "Convoygeldes" verlangen, das die Stadt verwaltet, will der Rat die Commerz-Deputation sogar auflösen lassen. Doch 1674 akzeptiert er sie schließlich als Vertretung der Kaufleute. 1710 bekommen die sieben Deputierten sogar Sitz und Stimme in der Bürgerschaft. Schritte, die bis heute Folgen haben, denn mancher fragt sich, wer in Hamburg über mehr Einfluss verfügt: Handelskammer oder Bürgerschaft.

Der Einfluss wächst

In den folgenden Jahrzehnten weitet die Deputation ihren Einfluss konsequent aus. Sie setzt niedrigere Zölle durch, plädiert für einen Freihafen und gründet 1735 die Commerzbibliothek. Dort können sich Kaufleute über wirtschaftliche Zusammenhänge und rechtliche Fragen informieren. Auch in der Wirtschaftspolitik mischt die Commerz-Deputation mit: 1796 fließt Geld aus ihren Kassen an französische Regierungsmitglieder, um ein Embargo gegen Hamburg zu beenden.

Neuer Sitz in der Börse

Gebäude der Handelskammer Hamburg am Adolphsplatz um 1841 auf einer historischen Postkarte. © Handelskammer Hamburg Archiv
Sichtbares Zeichen für Macht und Einfluss: der Sitz der Handelskammer am Adolphsplatz.

1841 bezieht die Commerz-Deputation ihren neuen, repräsentativen Sitz im prächtigen Gebäude der neuen Börse am Adolphsplatz. Als 1842 der Große Brand in der Hansestadt wütet, ist auch der Neubau bedroht. Die Börse übersteht das Feuer aber fast unbeschadet. 25 Jahre später wird auf der Rückseite des Hauses, das bis heute zu den schönsten in Hamburg zählt, das neue Rathaus gebaut. Viele sehen darin ein Symbol für die enge Verflechtung von Kaufmannsschaft und Politik.

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