Stand: 21.01.2015 16:04 Uhr  | Archiv

Vor 25 Jahren: Kofferdemo im Grenzgebiet

Genau 25 Jahre ist es her: Rund 50.000 Menschen aus Ost und West demonstrieren am 21. Januar 1990 für Veränderungen im DDR-System. Die Teilnehmer kommen aus dem Obereichsfeld im heutigen Thüringen und dem niedersächsischen Untereichsfeld. Die Kundgebung am Grenzübergang Duderstadt-Worbis geht als sogenannte Kofferdemo in die Geschichte ein. Eine Ausstellung im Grenzlandmuseum erinnert daran.

Demonstration mit Koffern

Die Botschaft der Demonstranten an diesem kalten, aber sonnigen Januar-Tag war klar: Wenn die SED an der Macht bleibt, gehen wir. Eine politische Veränderung sollte her. Mit einer symbolischen Ausreise demonstrierten die Teilnehmer - mit Koffern, daher der Name der Kundgebung. Doch nicht jeder rückte mit einem Koffer am Grenzübergang an. So auch Ursula Apel, die mit ihrer ganzen Familie dabei war: "Wir hatten einen Rucksack. Aber es war eigentlich gar nichts drin." Denn wie Ursula Apel ging es den DDR-Bürgern nicht darum dauerhaft auszureisen. Sie wollten Druck machen.

Wunsch nach Wiedervereinigung

Es waren gerade erst zwei Monate seit der Maueröffnung im November 1989 vergangen. Die Menschen im Eichsfeld wollten sich damit allein aber nicht zufrieden geben. Die Rufe nach Wiedervereinigung wurden früh laut. Denn das Obereichsfeld drohte zu verwaisen: Gleich nach dem Mauerfall gingen viele junge Leute in den Westen und kamen nicht wieder. Ursula Apel wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, wie es weitergehen würde. Die heute 67-Jährige wollte vor allem mitbestimmen, etwas sagen dürfen und mehr Menschlichkeit.

Ausstellung im Grenzlandmuseum

Für die Ausstellung haben Schüler und Studenten zusammen mit Ben Thustek, pädagogischer Leiter des Museums, an dem Thema gearbeitet. Ihn begeistern die Ereignisse vom 21. Januar 1990: "Das ist eine der größten Demonstrationen in der Provinz und das ist auch schon einzigartig entlang der innerdeutschen Grenze." Die Projektarbeit mit hat auch den 18-jährigen Clemens Kaltenborn angeregt. Seine Eltern lebten damals in Erfurt und Leipzig. Mit ihnen hat der Schüler über die Kofferdemo gesprochen. Urlaub in der Türkei und Freunde in Duderstadt oder in der ganzen Welt: "Das würde alles nicht gehen, wenn die Grenze noch stehen würde", weiß der Schüler.

Vor 25 Jahren: Kofferdemo im Grenzgebiet

Kurz nach dem Mauerfall demonstrieren 50.000 Eichsfelder an der innerdeutschen Grenze für einen politischen Wechsel in der DDR. Nun erinnert eine Ausstellung in Duderstadt daran.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Grenzlandmuseum Eichsfeld
Duderstädter Straße 7-9
37339Teistungen
Preis:
4 Euro, ermäßigt 3 Euro. Ermäßigter Eintritt für: Schüler, Auszubildende und Studierende, Arbeitslose, Senioren ab 65 Jahren, Schwerbehinderte und Gruppen ab zehn Personen.
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 21.01.2015 | 18:00 Uhr

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