Stand: 16.02.2017 14:23 Uhr  | Archiv

Der Monarch und seine Marine: Wilhelmshaven

von Susanne Abolins-Aufderheide
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Benannt ist Wilhelmshaven nach dem Preußenkönig und späterem Kaiser Wilhelm I.

Wilhelmshaven ist jung, noch jünger als sein Hafen. Am 17. Juni 1869 verleiht der Preußenkönig und spätere Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) im Beisein seines Ministerpräsidenten Otto von Bismarck und des Generalfeldmarschalls Helmuth von Moltke den Werften, Schleusen und Kajen der Kriegsmarine am Jadebusen seinen Namen. Höchstpersönlich genehmigt er die niederdeutsche Schreibweise "-haven". 

1853 hat Preußen das "Jade-Gebiet" vom Großherzogtum Oldenburg für 500.000 Taler gekauft, um dort den wichtigsten Kriegshafen an der Nordsee zu errichten. Die geografische Lage ist günstig. An der Spitze der Nordwestmündung des Jadebusens gelegen, hat Wilhelmshaven freien Zugang zum Meer. Zudem bietet die im Mittelalter durch zahlreiche Sturmfluten entstandene Meeresbucht eine ausreichende Wassertiefe, Schutz vor West- und Nordweststürmen und geringe Behinderung durch Eis im Winter.

Der Hafen steht im Vordergrund

In den Anfangsjahren stehen die militärische Nutzbarkeit und die Funktionalität des Hafens im Vordergrund. Neben den Kasernen und Arbeiterwohnungen gibt es zunächst nur die Büros der Hafenbaukommission sowie ein Hotel, Post, Apotheke und ein Kaufhaus, alles in unmittelbarer Nähe des Hafens. Bei der Erweiterung des Stadtgebietes orientieren sich die Planer an dem geradlinig verlaufenden Straßennetz rund um die Werft.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert, als das Deutsche Reich den maritimen Rüstungswettlauf mit Großbritannien aufnimmt, wächst die Stadt besonders rasch. Ende der Dreißigerjahre ragt der Bug der "Tirpitz", des größten deutschen Kriegsschiffes, vom Marinearsenal aus in die Stadt hinein. Als das Schlachtschiff am 1. April 1939 zu Wasser gelassen wird, ist Adolf Hitler zur Stelle und kündigt auf dem Rathausplatz den Bruch des deutsch-britischen Flottenabkommens an.

Kein städtisches Zentrum für Einkauf und Handel

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Der Hamburger Architekt Fritz Höger entwarf das Wilhelmshavener Rathaus von 1929.

Hitler will Wilhelmshaven ausbauen und zusammen mit den umliegenden Gemeinden eine halbe Million Menschen an den noch einmal erheblich ausgeweiteten Kriegshafen binden. Um bei Bombenangriffen möglichst diffuse Ziele zu bieten, werden neue Wohnsiedlungen in die Fläche verteilt. Ein städtisches Zentrum für Einkauf und Handel ist nicht vorgesehen. Läden siedeln sich in Wohnstraßen an.

Während des Zweiten Weltkriegs wird die Stadt zu 60 Prozent zerstört. 40.000 Menschen werden obdachlos. Lediglich die Marineanlagen bleiben weitgehend unbeschädigt, werden aber nach Kriegsende von russischen Spezialisten demontiert. Die Allierten erwägen zeitweilig, den Hafen und die gesamte Innenstadt zu fluten. Doch mit dem Eintritt der Bundesrepublik in die NATO 1957 beginnt der der Neubau des Marinehafens. Mit bis zu 12.000 Marinesoldaten und Zivilisten wird sie zum wichtigsten Standort der Marine. Heute sind es noch 9.000 Soldaten und zivile Mitarbeiter. Auch das Logistikzentrum der Bundeswehr befindet sich in Wilhelmshaven. Von hier aus gehen etwa Medikamente gegen Ebola nach Westafrika oder auch Waffen für den Kampf gegen den IS in den Nordirak.

Prestige-Projekt JadeWeserPort

Seit den 1950er-Jahren hat sich die Stadt zum größten Ölhafen der Republik entwickelt. Rund 20 Prozent aller Importe werden hier gelöscht und in Pipelines zu den Raffinerien an den Rhein, nach Hamburg und ins Emsland transportiert.

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2012 eröffnete der JadeWeserPort. Doch viel zu wenige Schiffe laufen den Tiefwasserhafen an.

Ein milliardenschweres Prestige-Projekt ist der JadeWeserPort mit einem Tiefwasserhafen, an dem auch sogenannte Jumbo Carrier mit einem Tiefgang von bis zu 16,5 Metern anlegen können. Er soll den Wirtschaftsstandort Wilhelmshaven voranbringen und die hohe Arbeitslosenquote senken. 2012 wird der Hafen, nach zahlreichen Pannen bei Planung und Bau, in Betrieb genommen. Doch zunächst steuern nur wenige Schiffe den neuen Hafen an, die Auslastung bleibt weit hinter dem zurück, was sich die Betreiber erhofft haben. Nach drei schwierigen Anfangsjahren legen ab 2015 häufiger Großcontainerschiffe in Wilhelmshaven an. Voll ausgelastet ist der Hafen aber bis heute nicht.

Dieses Thema im Programm:

die nordreportage | 09.10.2015 | 21:15 Uhr

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