Stand: 24.02.2010 19:25 Uhr  | Archiv

Der Fall Jessica

1. März 2005

Jessica wird tot in ihrem Kinderzimmer im Hamburger Stadtteil Jenfeld gefunden. Die Siebenjährige war an Erbrochenem erstickt. Bei seinem Tod wog das Mädchen nur noch 9,5 Kilogramm - so viel wie eine Zweijährige. Die Ermittler stellen fest, dass das Kind wie eine Gefangene in einem abgedunkelten Zimmer gehalten wurde. Die Gerichtsmediziner finden bei der Obduktion Haare im Magen des Kindes: In seiner Verzweiflung hatte sich Jessica die Haare ausgerissen und gegessen.

8. März 2005

Hamburgs Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig räumt Fehler der Behörden im Fall Jessica ein. Weil Jessica nicht zur Schule angemeldet war, hatte ein Mitarbeiter der Schulbehörde drei Mal vergeblich versucht, Kontakt zu den Eltern aufzunehmen. Danach war er von einer falschen Meldeadresse ausgegangen.

11. März 2005

Jessica wird auf dem Friedhof im Stadtteil Rahlstedt beerdigt. Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust nimmt an der Trauerfeier teil. Die Eltern von Jessica sind nicht anwesend.

28. Juni 2005

Die Staatsanwaltschaft erhebt gegen die Eltern wegen Mord und Misshandlung Anklage beim Landgericht Hamburg.

24. August 2005

Vor dem Hamburger Landgericht beginnt der Prozess gegen die 35-jährige Mutter von Jessica und ihren 49 Jahre alten Lebensgefährten. Im Falle einer Verurteilung drohen den Angeklagten lebenslange Haftstrafen.

30. August 2005

Jessicas Mutter räumt ihre Schuld am Tod des Mädchens ein. Der Vater hingegen lehnt jede Verantwortung ab. Die Erziehung sei die Aufgabe seiner Lebensgefährtin gewesen.

7. September 2005

Zeugen bestätigen vor Gericht, dass die Mutter Jessica vernachlässigt hat.

11. November 2005

Die Staatsanwaltschaft plädiert im Prozess auf eine Verurteilung zu lebenslanger Haft. Die Angeklagten hätten ihre Tochter vorsätzlich getötet, sagte Staatsanwalt Bernd Mauruschat.

16. November 2005

Die Verteidiger der Eltern fordern in ihren Plädoyers vor Gericht Haftstrafen von maximal 15 Jahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung Schutzbefohlener.

25. November 2005

Das Landgericht Hamburg verurteilt die Eltern von Jessica zu lebenslangen Haftstrafen wegen Mordes. Die Richter sehen es als erwiesen an, dass die Angeklagten ihre Tochter grausam zu Tode gebracht haben. Eine Einschränkung der Schuldfähigkeit schlossen sie aus. Die Mutter geht in Revision.

17. Oktober 2006

Der Bundesgerichtshof verwirft die Revision gegen das Urteil des Hamburger Landgerichts als "offensichtlich unbegründet". Damit ist das Urteil rechtskräftig.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 23.11.2005 | 19:30 Uhr

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