Stand: 10.08.2020 12:00 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Die Retter von Zigtausenden Menschen

Die Bootsbesatzung des Brandungsrettungsbootes Remscheid,  posiert 1962 vor der Kamera. © DLRG
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts werden sogenannte Wachgänger an deutschen Gewässern eingesetzt, ab Mitte der 50er-Jahre auch an der Küste. Hier posiert die Bootsbesatzung des Brandungsrettungsbootes Remscheid 1962 für die Kamera.

Am 19. Oktober 1913 beginnt das Zeitalter der Retter in Rotgelb: Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) wird gegründet. Seitdem hat es sich die Gesellschaft zur Aufgabe gemacht, Menschen vor dem Ertrinken zu retten und Rettungsschwimmer auszubilden. In den ersten 100 Jahren ihres Bestehens konnte sie so bereits mehr als 66.000 Menschen vor dem Tod durch Ertrinken retten. Mit ihren bundesweit rund 575.000 Mitgliedern und Förderern ist die DLRG zur größten freiwilligen Wasserrettungsorganisation der Welt geworden.

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Ansicht der Binzer Seebrücke von 1910 © dpa Foto: Sammlung Dr. Harald Jatzke

28. Juli 1912: Unglück auf der Seebrücke Binz mit 16 Toten

Zum Internationalen Tag der Ersten Hilfe im September lohnt ein Blick zurück. Die Gründung der DLRG etwa geht auf ein Unglück zurück: Bei einem Unfall ertranken 1912 auf Rügen 16 Menschen. mehr

Ein Unglück führt zur Gründung der DLRG

Der 28. Juli 1912 ist ein schöner Sonntag. Die Sonne scheint und Hunderte Badegäste und Ausflügler flanieren auf der über 800 Meter langen Seebrücke von Binz auf Rügen. Als kurz vor 19 Uhr ein Dampfer anlegen will, bricht die Anlegestelle in sich zusammen. Etwa 100 Menschen stürzen ins Wasser. Da die Matrosen der umliegenden Kriegsschiffe sofort zur Hilfe kommen, können die meisten Menschen gerettet werden. Dennoch ertrinken 16 Personen, darunter zwei Kinder, in der Ostsee. Denn Anfang des 20. Jahrhunderts können nur etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung schwimmen. Mit diesem Ereignis wächst der Wunsch nach einer Lebensrettungsgesellschaft.

DLRG beginnt die Ausbildung von Rettungsschwimmern

Zwei alte Plakate der DLRG. © DLRG
Seit ihrer Gründung wirbt die DLRG: Die Organisation bildet neue Rettungsschwimmer aus, die dann zum Beispiel als Wachgänger am Strand arbeiten können.

Etwa ein Jahr später wird am 19. Oktober 1913 die DLRG im Leipziger Hotel de Prusse ins Leben gerufen. Bereits wenige Monate später hat die Organisation über 400 Mitglieder. Durch Vorträge, Lehrkurse und Wettbewerbe will die Gesellschaft Wissen und Fertigkeiten darüber verbreiten, wie man Leben retten und Notfälle vermeiden kann. Außerdem werden Rettungsschwimmer für den Einsatz an Flüssen und Seen ausgebildet und geprüft sowie Wachdienste eingerichtet.  

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Paar in einteiligen Badeanzügen im flachen Wasser vor einem Badekarren um 1910. © picture alliance / akg-images Foto: akg-images

Als das Baden im Meer zur Mode wurde

1794 eröffnet in Heiligendamm das erste deutsche Seebad. Wenig später entstehen auch an der Nordsee die ersten Badeorte. Schnell wird der Badebetrieb zum gesellschaftlichen Ereignis. mehr

Schwimmen kommt in Mode

Während in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts noch etwa 5.000 Menschen pro Jahr ihr Leben im Wasser verloren, gelingt es der DLRG in den ersten 100 Jahren nach ihrer Gründung, die Zahl der Todesfälle um 92 Prozent zu senken und das Schwimmen zur Mode zu machen. Zwischen 1913 und 2013 hat die DLRG rund 66.000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet. Allein im Jahr 2019 waren es 609.

Hilfe mit Hubschraubern und Hundestaffeln

Heute wachen jährlich rund 45.000 ehrenamtliche Helfer der DLRG über Seen, Strände und Schwimmbäder und helfen mit Hubschraubern, Booten und Rettungshunden unter anderem auch bei Flutkatastrophen. Außerdem werden jährlich Tausende neue angehende Rettungsschwimmer geprüft.

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Xenia und Luca, beide DLRG-Rettungsschwimmer, bewachen den gut besuchten Nordseestrand von Schillig von einem Turm aus. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.08.2020 | 12:00 Uhr

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