Stand: 16.06.2014 12:06 Uhr  | Archiv

Hitlers Wahn: Schießplatz statt Dorfidylle

Der Anfang vom Ende kam am 10. Juni 1936. Adolf Hitler, "Führer und Reichskanzler", besuchte einen Schießplatz der Firma Krupp in der Nähe von Wahn im heutigen Landkreis Emsland. Dieser Besuch hatte schwerwiegende Folgen für die 177 Familien, die zum damaligen Zeitpunkt in Wahn wohnten: Hitler entschied, den Schießplatz zu vergrößern. Und dafür mussten die Wahner ihr Dorf aufgeben, ihre Heimat räumen. Im Jahr 1939 wurden die ersten Familien nach Rastdorf in eine Art Ersatz-Dorf ein paar Kilometer östlich umgesiedelt. Doch die Erinnerung an Wahn ist bis heute lebendig.

Wahner erinnern an NS-Zwangsräumung

Immer am dritten Sonntag im Juni treffen sich ehemalige Wahner und deren Nachkommen, um ihrer alten Heimat zu gedenken. Das "Wahner Treffen" soll an die Zwangsräumung erinnern - und an die über 1.000-jährige Geschichte des Ortes. Der wurde im März 1943 vollständig geräumt, auch die letzten Wahner mussten Haus und Hof verlassen. Selbst die St.-Antonius-Kirche wurde abgerissen. Der "Führer" hatte, was er wollte: einen riesigen Schießplatz von über 50 Kilometern Länge.

Kaffee, Kuchen und Erinnerungen

Ende 1944 wurde die Nutzung des Schießplatzes Meppen eingestellt, heute nutzt die Bundeswehr das Gelände. Und die ehemaligen Einwohner? Die pflegen die Erinnerung an ihr Wahn jedes Jahr im Juni bei Kaffee und Kuchen und einer gemeinsamen Messe in ihrer ehemaligen St.-Antonius-Kirche, deren Grundmauern wieder freigelegt wurden. Auf der Internetseite wahn-use-olde-heimat.de finden sich dazu historische Bilder und Anekdoten aus dem alten Wahn, das vor 71 Jahren zu einer Wüstung wurde, weil der "Führer" es so wollte.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 16.06.2014 | 10:00 Uhr

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