Stand: 23.12.2014 12:30 Uhr  | Archiv

Weihnachten 1914 - und der Krieg stand still

von Martina Witt

Es ist das Jahr 1914 - in Europa tobt der Erste Weltkrieg. Und es ist Weihnachten. Im belgischen Ypern stehen sich britische und deutsche Truppen gegenüber. Eigentlich sollten sie sich bekämpfen, doch an Heiligabend wagen sie sich aus ihren Schützengräben heraus, legen die Waffen nieder, singen Weihnachtslieder und spielen gemeinsam Fußball. Der Weihnachtsfrieden von 1914. Das Fußballmuseum in Springe (Region Hannover) zeigt dazu aktuell die Ausstellung "Joyeux Noël - Heiligabend an der Westfront". Auf die Beine gestellt haben sie Gymnasiasten des Hannah-Arendt-Gymnasiums Barsinghausen, hannoversche Studierende und Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern.

Tagebucheinträge von Soldaten

In den Ausstellungsräumen unter dem Dach läuft ein englischer Zeichentrickfilm über den Weihnachtsfrieden 1914, an den Wänden hängen die Rechercheergebnisse der Gymnasiasten. Mehr als ein Jahr haben die Schüler - neben ihrem normalen Unterricht - an dem Thema gearbeitet, Archive durchkämmt, Zeitungsberichte ausgewertet und Tagebucheinträge von Soldaten gelesen. "Die Schüler haben zum Beispiel eine Liste der Lieder gefunden, die die Soldaten zusammen gesungen haben. Das geht von 'Oh du fröhliche' bis zu 'God save the King'", sagt Lehrer Dirk Schröder. Er hat das Projekt betreut. Diese und andere Ergebnisse sowie die persönlichen Geschichten der Soldaten sind nun in der Ausstellung zu sehen.

Weitere Informationen
Deutsche und britische Soldaten feiern im Ersten Weltkrieg gemeinsam Weihnachten. © picture-alliance / (c)Robert Hunt Library/Mary Evan

Ein kleiner Frieden im Großen Krieg

Vor 100 Jahren tobte der Erste Weltkrieg. Doch auf dem Schlachtfeld feierten deutsche und britische Soldaten gemeinsam Weihnachten. Michael Jürgs erinnert in einem Buch an den Weihnachtsfrieden. (22.12.2014) mehr

Interviews mit Kriegsflüchtlingen

Doch die Ausstellung verharrt nicht nur in der Vergangenheit, sie schlägt auch einen Bogen in die Gegenwart: Die Gymnasiasten sind zusammen mit hannoverschen Studierenden der Berufspädagogik und Kriegsflüchtlingen, die zurzeit an einer Berufsbildenden Schule in Hannover unter anderem Deutsch lernen, nach Ypern in Belgien gefahren - an den Ort des Weihnachtsfriedens. Dort haben sie recherchiert, gemeinsam Fußball gespielt und die Kriegsflüchtlinge zu ihren Erlebnissen befragt. "Die Flüchtlinge mussten erst einmal Vertrauen aufbauen", sagt Schröder. Das gemeinsame Fußballspielen habe ihnen geholfen, sich zu öffnen und über ihre Erfahrungen in Syrien und Afghanistan zu sprechen. Auch 100 Jahre später hat das gemeinsame Fußballspielen wieder für Verständnis und Vertrauen gesorgt. Die Interviews sind nun in der Ausstellung zu sehen.

Integration: Kontakte zwischen Flüchtlingen und Gymnasiasten

Auch der 17-jährige Florian hat die Kriegsgeschichten gehört. Die Erzählungen lassen ihn nicht mehr los: "Ich habe sonst immer gedacht, Kriegsschauplätze sind so weit weg von unserer Heimat, aber auf einmal sind sie dann doch so nah, wenn man mit den Flüchtlingen spricht." Die Ausstellung ist fertig, die Arbeiten alle abgeschlossen. Doch Gymnasiasten und Flüchtlinge treffen sich immer noch ab und zu - auch zum Fußballspielen. Ohne das Projekt "Weihnachtsfrieden 1914" hätten sie sich vermutlich nie kennengelernt.

Weihnachten 1914 - und der Krieg stand still

Das Fußballmuseum in Springe zeigt die Ausstellung "Joyeux Noël - Heiligabend an der Westfront" - auf die Beine gestellt von Schülern, Studierenden und Kriegsflüchtlingen.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Fußballmuseum Springe
Hinter der Burg 1
31832Springe
Telefon:
(05041) 55 60
E-Mail:
webmaster@sportsammlung-saloga.de
Öffnungszeiten:
im Winter nach Vereinbarung, ab März jeden Freitag von 15 bis 19 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 23.12.2014 | 17:00 Uhr

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