Stand: 01.12.2019 09:59 Uhr

Hamburg damals: Falk vor Gericht

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Im Zuge der New Economy kam der passionierte Segler Alexander Falk ins Straucheln.

Alexander Falk steuerte einst Luxusjachten souverän wie seine wirtschaftlichen Unternehmungen. Er galt als Sunny Boy der Hamburger Gesellschaft und angesehener Geschäftsmann. Doch im Zuge der New Economy geriet er vom Kurs ab, erlitt juristisch und finanziell schweren Schiffbruch - trotz eines perfekten Starts unter vollen Segeln.

In den neuen Markt investiert

1995 verkaufte Falk den geerbten Stadtplan-Verlag für 50 Millionen Mark und zahlte seine Schwestern aus. Er investierte in den sogenannten neuen Markt. Sein Flaggschiff war das Harburger Unternehmen Ision, ein Internet-Dienstleister. Doch es kam der Verdacht auf, dass die Verantwortlichen den Wert des Unternehmens künstlich aufblähten, durch Scheingeschäfte und sogenannte Luftbuchungen, und ihn so für rund 800 Millionen Euro an das britische Unternehmen Energis verkaufen konnten. Kurz darauf war Ision pleite. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen gegen Falk und fünf weitere Verdächtige auf. Falk kam in Untersuchungshaft. 500 Millionen Euro beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft.

Prozess gegen Falk ein Medienereignis

Zum Prozessauftakt im Dezember 2004 gab es spektakuläre Schlagzeilen: Falk habe angeblich seine Flucht ins Ausland geplant. Das Gerichtsverfahren nannten Prozess-Beobachter damals ein Medienereignis. Falk setzte auf fünf Star-Anwälte, die wiederum auf maximale Kritik am Gericht und Befangenheitsanträge. Zusätzlich heuerte Falk den ehemaligen "Bild"-Chef Hans-Hermann Tiedje als Medienberater an. Der sprach für ihn mit anderen Journalisten und Journalistinnen über den Fall.

Während sich der hochkomplexe Wirtschaftsprozess in die Länge zog und der Richter für die 230.000 Blatt Akten ein eigenes Zimmer benötigte, zeichneten einzelne Medien nun teilweise ein anderes Bild von Falk. Manche Journalisten und Journalistinnen, die mit Tiedje sprachen, werteten das als Erfolg der Medien-Kampagne.

Alexander Falk wird verurteilt

Nach 22 Monaten kam Falk aus der U-Haft frei. Doch nach 157 Tagen Verhandlung lautete das 500 Seiten lange Urteil: vier Jahre Gefängnis wegen "versuchten Betrugs". Die musste Falk nach fehlgeschlagener Revision auch bis 2011 absitzen. Seine juristische und mediale Verteidigungsstrategie war gescheitert. Später kamen zivilrechtlich noch 200 Millionen Euro Schadenersatz hinzu. Auf dem neuen Markt hatte der Erbe des Stadtplan-Verlags falsch navigiert.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 01.12.2019 | 19:30 Uhr

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