Stand: 11.05.2015 18:12 Uhr  | Archiv

Foto des schwebenden Lilienthals ist ein Fake

Ein historisches Foto (Ausschnitt) des Lilienthal-Fotografen Alex Krajewsky aus dem Nachlass von Otto Lilienthal (1848-1896) im Otto-Lilienthal-Museum in Anklam © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer
Bei dieser historischen Aufnahme soll es sich um eine Montage handeln.

Mitarbeiter des Otto-Lilienthal-Museums in Anklam haben eine historische Fotografie des Flugpioniers aus dem Jahr 1896 als Fake entlarvt. Auf der Aufnahme ist Lilienthal (1848-1896) zu sehen, wie er mit mit seinem Hängegleiter vor der Kulisse einer Stadt mit Kirchturm über eine Wasserfläche schwebt. "Das ist ein besonders spektakuläres Flugbild, aber eines, dessen Echtheit wir bezweifeln", sagte Museumsdirektor Bernd Lukasch NDR 1 Radio MV. Laut Lukasch handelt es sich bei der Aufnahme mitnichten um ein Original, sondern vielmehr um eine Montage. Das Original zeige zwar Lilienthal in Aktion - allerdings nicht über dem Wasser und vor der städtischen Silhouette.

Besuch in Spandau brachte Klarheit

Das auf einem annähernd DIN A 4 großen Schmuckkarton prangende Bild gab Lukasch und seinen Mitarbeitern lange Rätsel auf. Der Lösung kamen sie auf die Spur, weil der Fotograf - Lilienthals "Leibfotograf" Axel Krajewsky - sein Atelier in Spandau hatte. Tatsächlich handelt es sich bei der fraglichen Skyline um den heutigen Stadtteil von Berlin, der damals noch eigenständig vor den Toren der Stadt lag. Anhand von aktuellen Bildern und einem Vor-Ort-Besuch konnte Lukasch den Standort ermitteln. Ein genauer Blick auf das Bild zeige, dass sich der Hintergrund um den fliegenden Lilienthal heller vom Himmel abhebe, so Lukasch. Das Original-Bild vom fliegenden Lilienthal entstand am Hauptmannsberg bei Stölln - seinem favorisierten Flugplatz nordwestlich von Berlin.

Geburtstagsgruß mit Augenwzinkern?

Der Leiter des Otto-Lilienthal-Museums in Anklam, Bernd Lukasch. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer
Museums-Chef Bernd Lukasch und seine Mitarbeiter kamen der Montage auf die Spur.

Technisch wurde die Montage - damals gab es natürlich noch keine Bildbearbeitungssoftware - offenbar per Kopierrahmen im Sonnenlicht belichtet, vermutet Lukasch. Es wurden also quasi zwei Fotos übereinander belichtet. Lukasch und seine Mitarbeiter fragten sich lange, was der Sinn dieser Montage sein könnte. Lilienthal sei kein Hochstapler gewesen, er habe einmal geschrieben, dass man seine Leistungen nicht überbewerten sollte. Zudem sei das Foto nie publiziert worden, so Lukasch. Die Vermutung der Anklamer: Es könnte sich bei der Montage um ein augenzwinkerndes Geschenk des Fotografen Krajewsky an Lilienthal handeln - möglicherweise zum Geburtstag. "Mit dem Bild konnte er (Krajewsky) einerseits zeigen, was er fotografisch kann und andererseits seinem Motiv einen Gefallen tun".

Erster Mensch, der sich mit Gleiter in die Lüfte erhob

Den fliegerischen Leistungen Lilienthals tut die Aufdeckung der Fotomontage freilich keinen Abbruch. Lilienthal gilt als der erste Mensch, der sich mit Hilfe eines Gleitflugapparates erfolgreich in die Lüfte erhob. Seine wichtigsten Gleitflüge absolvierte er zwischen 1891 und 1896 bei Berlin. Sie sollen ihn bis zu 250 Meter weit getragen haben. Für die Flüge benötigte er einen erhöhten Abflugpunkt wie seinen künstlich errichteten "Fliegeberg" in Lichterfelde bei Berlin oder die Hügel bei Stölln. Bereits als Jugendlicher hatte er zusammen mit seinem Bruder Gustav den Flug der Störche über den pommerschen Feldern bei Anklam studiert und erste Flugexperimente begonnen.

Das Anklamer Lilienthal-Museum verfügt über den Nachlass des Flugpioniers. Viele Motive zeigen den Pionier mit seinem Flugapparat. Diese sind auch online einsehbar.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.05.2015 | 19:15 Uhr

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