Stand: 17.08.2017 16:58 Uhr  | Archiv

Historiker Eberhard Jäckel ist tot

von Sabine Freudenberg
Eberhard Jäckel © picture alliance Foto: Bernd Weissbrod
Eberhard Jäckel wurde 1929 in Wesermünde, dem heutigen Bremerhaven, geboren.

Der renommierte Historiker Eberhard Jäckel ist tot. Wie erst heute bekannt wurde, ist er bereits am 15. August im Alter von 88 Jahren gestorben. Zuletzt war er an der Universität Stuttgart Professor für Neuere Geschichte. Mit seinen Forschungen hat Jäckel die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Deutschland nachhaltig geprägt.

Zweifel an Hitler-Tagebüchern

Als die Hitler-Tagebücher im April 1983 Schlagzeilen machten, war Eberhard Jäckel einer der ersten, der deren Echtheit in Frage stellte. "Der allgemeine Grund ist meine Kenntnis der Persönlichkeit Hitlers, der immer eine Abneigung gehabt hat, schriftliche Aufzeichnungen zu hinterlassen. Es würde mich sehr wundern, wenn er etwas so Privates wie ein Tagebuch geführt hätte“, so Jäckel damals.

Mit dem Ende des Nationalsozialismus fing für Eberhard Jäckel die Beschäftigung mit der Vergangenheit an. Am 29. Juni 1929 wurde er in Wesermünde, dem heutigen Bremerhaven geboren. Als 15-Jähriger erlebte er das Ende des Zweiten Weltkriegs. Später wollte er wissen, wie es zur deutschen Katastrophe hatte kommen können. Und er studierte Geschichte.

VIDEO: Panorama vom 10. Mai 1983 (47 Min)

Studium in Göttingen und Kiel

Nach Stationen in Göttingen und Kiel kam Eberhard Jäckel nach Stuttgart und übernahm den Lehrstuhl für Neuere Geschichte. Er gehört mit Joachim Fest, Sebastian Haffner und anderen zu den Historikern, die die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus vorangetrieben haben. Bereits 1967 in seinem Buch "Hitlers Weltanschauung" arbeitete Eberhard Jäckel die zentrale Rolle Hitlers im Nationalsozialistischen Herrschaftssystem heraus.

Seine Forschungen fanden nicht nur in Fachkreisen Beachtung. Immer wieder wandte sich Eberhard Jäckel auch an eine breite Öffentlichkeit. "Wir werden als Professoren nicht nur dafür bezahlt, dass wir in unserer engen Gelehrtenstube Forschungen betreiben sondern auch, dass wir diese Forschungen unseren Mitbürgern mitteilen und sie an dem Nutzen teilhaben lassen. Und ich mache das ganz bewusst", begründete er dies.

Dokumentarfilm über den Holocaust mit Lea Rosh

Lea Rosh, Direktorin des Landesfunkhauses Niedersachsen von 1991 - 1997. © NDR/Uwe Martin
Lea Rosh, von 1991 bis 1997 Direktorin des NDR Landesfunkhauses Niedersachsen, arbeitete mit Jäckel zusammen.

Mit der Journalistin Lea Rosh drehte Eberhard Jäckel die viel beachtete Fernsehdokumentation "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland". Aus dem Film wurde ein Buch und das Buch wurde 1990 mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. Zusammen mit Lea Rosh trat Eberhard Jäckel als erster für die Errichtung einer Holocaust-Gedenkstätte in Berlin ein.

Nie scheute er die Auseinandersetzung, immer wieder meldete er sich in zeitgeschichtlichen und gesellschaftspolitischen Debatten zu Wort. Für ihn auch eine Aufgabe des Historikers: "Er muss der Gesellschaft ein Bild von der Vergangenheit geben. Er soll auch im Übrigen als Bürger in die Gesellschaft hineinwirken, auch das habe ich aus der Erfahrung der Nazi-Zeit gelernt. Ich habe mich in meinem Leben auch politisch engagiert und ich blicke mit Befriedigung auf diese Tätigkeit zurück.“

Eberhard Jäckel gründete 1969 gemeinsam mit Günter Grass die sozialdemokratische Wählerinitiative und sprach sich für die Wahl Gustav Heinemanns zum Bundespräsidenten aus. In den 80er-Jahren beteiligte er sich an der Seite von Jürgen Habermas am Historikerstreit. Eberhard Jäckel hat als Wissenschaftler dem Stuttgarter Lehrstuhl für Neuere Geschichte in seinem 30-jährigen Wirken internationales Renommee verschafft. Das sei seine Leidenschaft gewesen, sagte er.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 17.08.2017 | 16:20 Uhr

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