Stand: 04.09.2015 14:59 Uhr  - 45 Min  | Archiv

Wie können Menschen mit Demenz gut leben?

Leben in einer privat gegründeten Wohngemeinschaft

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In dieser Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz in Hamburg-St. Georg gibt es ausreichend Zeit für Hilfe zur Selbsthilfe genauso wie für Zuwendung.

In einer betreuten WG wie der aus der Dokumentation in Hamburg-St. Georg werden die Bewohner nicht nur einfach versorgt. Sie bewältigen mit Hilfe von Pflegekräften gemeinsam ihren Alltag und helfen etwa beim Kochen oder Zusammenlegen der Wäsche - so gut sie es können. Zum Konzept gehört auch der gemeinsame Einkauf im Supermarkt, der von einer Pflegekraft zusammen mit einem der WG-Bewohner erledigt wird. Anders als im abgegrenzten niederländischen Dorf sind die Menschen mit Demenz im Quartier sichtbar.

Die Professionalität der Pflegekräfte zeigt sich daran, wann und wie sie eingreifen - eben nur, wenn es nötig ist. Verwaltet wird die Wohngemeinschaft von den Angehörigen der Bewohner. Sie kümmern sich um den Papierkram und Absprachen mit dem Pflegedienst. Pro Bewohner kostet ein Platz monatlich circa 3.700 Euro. Davon übernimmt die Pflegeversicherung 2.000 Euro. Die restlichen 1.700 Euro zahlen die Bewohner beziehungsweise die Sozialhilfe. Der WG-Platz in der Wohngemeinschaft in St. Georg ist damit nicht teurer als ein Platz im Pflegeheim.

Welche Voraussetzungen braucht man, um so etwas selbst ins Leben zu rufen?

Mehrere Angehörige - die müssen nicht verwandt sein, es können auch Freunde sein oder Menschen, die sich verbunden fühlen - mieten gemeinsam eine Wohnung. Sie vermieten dann die einzelnen Zimmer an die alten Menschen. Die sind also reguläre Mieter, vertreten durch Angehörige und gesetzliche Betreuer. Wer in einer WG lebt, lebt damit - im Sinne des Pflegegesetzes - in seiner eigenen Wohnung. Jeder, dessen Pflegebedürftigkeit festgestellt ist, hat Anspruch auf die entsprechende Leistung der Pflegeversicherung. Da die Mieter in der eigenen Wohnung leben, kommen die Kräfte eines ambulanten Pflegedienstes zu ihnen. Die Mieter beziehungsweise ihre Angehörigen verständigen sich darauf, alle gemeinsam nur einen Pflegedienst zu beauftragen. Sie werfen sozusagen also ihre Ansprüche zusammen. dadurch können sie gewährleisten, dass immer jemand im Haus ist. Wichtig ist, dass die Vermietung des Zimmers und die Pflegeleistung nicht in einer Hand liegen.

Wer berät einen dabei, wenn man selbst eine solche WG gründen möchte?

In vielen Städten und Gemeinden gibt es Beratungsstellen für alte Menschen. Die arbeiten sich allmählich in das Thema WG ein. Eine gute Adresse ist die Koordinationsstelle für Wohn-Pflegegemeinschaften in Hamburg.

Sind die Pflegekräfte sozusagen bei den Angehörigen angestellt?

Nein, sie sind angestellt bei ihrem Pflegedienst. Aber die Angehörigen sind die Auftraggeber, die ihre WG selbst verwalten.

VorteilNachteil
So eine WG fordert so viel von den Bewohnern, wie es geht und bietet gleichzeitig ähnlich viel persönliche Zuwendung wie beim Wohnen zu Hause.Von den Angehörigen wird im Vergleich zum Pflegeheim aber auch recht viel Verantwortung und Einsatz gefordert.

Kontakt:
Stattbau Hamburg
Hamburger Koordinierungsstelle für Wohn-Pflege-Gemeinschaften
Ansprechpartnerin: Ulrike Petersen
Sternstraße 106
20357 Hamburg
Tel.: (040) 43 29 42 - 23 / Fax: -10
E-Mail: koordinationsstelle (at) stattbau-hamburg.de
Internet: koordinationsstelle-pflege-wgs-hamburg.de

Informationen zur Sendung
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Viele an Demenz erkrankte Mütter oder Väter werden von ihren Angehörigen betreut. Doch diese stoßen dabei häufig an ihre Grenzen. Welche Alternativen gibt es zum Heim? mehr

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 07.09.2015 | 22:00 Uhr

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