Stand: 03.04.2018 22:51 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll: Depressionen

Susanne: Leide seit 2000 unter Depressionen, schwere Depression seit 2013, nicht mehr arbeitsfähig. Seit 1/2 keine Antidepressiva mehr. Gedanken der Sinnlosigkeit des Lebens kommen wieder, sollten wieder Antidepressiva genommen werden?

Lammers: Wenn eine Depression so stark ausgeprägt ist, dass man nicht arbeitsfähig ist und sein Leben nicht mehr als sinnvoll erlebt, sollte man weitere therapeutische Hilfen in Anspruch nehmen. Dieses können andere Medikamente sein, aber häufig ist auch eine gleichzeitige Psychotherapie zu empfehlen.

Sumi: Seit 2009 Panikattacken und Depressionen. Bekomme Valdoxan, hilft nicht wirklich. Citalopram nicht vertragen, Ohnmacht. Was kann ich tun?

Lammers: Neben Valdoxan und Citalopram gibt es noch viele andere Medikamente, die sehr hilfreich sein können. Gerade bei Panikattacken ist aber unbedingt eine Psychotherapie zu empfehlen.

Monika B.: Wie sind die Erfahrungen mit TCM bei Depressionen?

Lammers: Die TMC hat sich bislang bei der Behandlung von schweren Depressionen nicht durchgesetzt. Allerdings gibt es Hinweise auf deren Wirksamkeit bei leichten bis mittelschweren Depressionen.

Irresistablechamp: Ich nehme seit circa 30 Jahren Medikamente (früher IMAP, jetzt Paroxetin). Ich finde einfach keinen Psychologen, der freie Termine hat. Habe nicht die Kraft, mich intensiv darum zu kümmern. An wen kann ich mich wenden? Komme aus HH-Nord.

Lammers: Sie können sich einen Termin in der Ambulanz einer psychiatrischen Klinik (zum Beispiel in der Asklepios Klinik Nord-Ochsenzoll) holen und sich dort beraten lassen. Unter Umständen kann eine Behandlung dort erfolgen.

Vergissmeinnicht: Wodurch unterscheidet sich eine schwere von einer mittelschweren Depression?

Lammers: Bei einer schweren Depression ist die Betroffene nicht mehr arbeitsfähig, leidet an Selbstmordgedanken, hat häufig stark ausgeprägte Schlafstörungen und unter Umständen Schuldgefühle und Versagensängste, welche der Realität nicht entsprechen. Allerdings ist der Übergang von mittelschwerer Depression zur schweren fließend.

Silke: Was ist bei einer Parkinsonerkrankung zu beachten, wenn nun eine Depression hinzukommt?

Lammers: Eine Parkinsonerkrankung geht häufig mit einer Depression einher, die auch behandelt gehört. Hierzu kommen die Antidepressiva in Frage, aber man sollte auch den stimmungssenkenden Effekt der Bewegungseinschränkung und der Herausforderung der Krankheitsverarbeitung unter Umständen psychotherapeutisch bearbeiten.

Nina: Besteht die Chance, dass sich auch eine schwere Depression im Gehirn alleine reguliert?

Lammers: In der Regel hat eine schwere Depression eine Zeitdauer von sechs bis zehn Monaten, bis sie sich wieder zurückbildet. Allerdings ist der Krankheitszustand so gravierend und unter Umständen lebensbedrohlich, dass man eine schwere Depression unbedingt behandeln sollte.

Melek: Einnahme von Tyrosin und Tryptophan gegen Depressionssymtome: Wie wirksam bei mittelschwerer Depression?

Lammers: Nein, die Einnahme von Tyrosin und Tryptophan ist zur Therapie von Depressionen nicht zu empfehlen.

Nicole: Ich habe Depression und andere psychische Erkrankungen, nehme Citalopram 40 mg und 150 mg Tracedon, trotzdem habe ich oft tiefe Depression, komme morgens schwer aus dem Bett, was würden sie mir empfehlen?

Lammers: In dem Fall sollten Sie mit Ihrem verschreibenden Arzt neue Therapieoptionen besprechen. Auch wenn das erste oder zweite Antidepressivum nicht wirksam ist, sollte man auf jeden Fall weitere Medikamente und auch eine Psychotherapie in Betracht ziehen. Es gibt sehr viele Therapiemöglichkeiten bei einer Depression und leider weiß man zu Beginn nicht, welche bei dem individuellen Patienten hilfreich sein wird.

Thomas: Hilft Meditation bei leichten Depressionen?

Lammers: Ja, im individuellen Fall kann eine Mediation bei leichten Depressionen sehr hilfreich sein. Dies gilt allerdings nicht für mittelschwere oder schwere Depressionen.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 03.04.2018 | 20:15 Uhr

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