Stand: 27.02.2018 23:15 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll: Neuen Schlaganfall verhindern

Steve: Ich habe vor zwei Jahren einen Schlaganfall aufgrund eines Foramen ovale erlitten. Es wurde mir ein Schirm im Herz platziert. Seitdem nehme ich Aspirin. Meine Frage lautet, ob ich auf Dauer damit auskomme oder das Aspirin vielleicht sogar ganz absetzen kann. Ich treibe Sport und bin Nichtraucher.

Gerloff: Nach jetziger Datenlage sollten Sie Aspirin weiter nehmen.

Karo: Muss man bei einer permanenten Arrhythmie immer Marcumar (oder Ähnliches) nehmen?

Gerloff: Sofern Sie permanentes Vorhofflimmern meinen, heißt die Antwort ja. Allerdings sollten Sie unbedingt mit Ihrem Hausarzt oder Kardiologen besprechen, welche sonstigen Maßnahmen notwendig sind (Rhythmuskontrolle, Frequenzkontrolle).

Peterdergrosse: Ich habe am 25. Dezember 2017 einen Thalamusinfarkt erlitten, welcher unmittelbar etwa zwei Stunden danach in der Stroke Unit mit der Lysetherapie behandelt worden ist. Etwas später hatte ich einen weiteren unbemerkten Schlaganfall. Seit dem 25. Dezember 2017 ist meine linke Seite mit Taubheit belastet - beginnend an der Schulter, über den linken Arm bis zum Rippenansatz (fühlt sich an, als ob der linke Lungenflügel gelähmt ist), dann in die linke Hand und teilweise im linken Bein bis in den linken Fuß. Trotz der Medikamente (Pradaxa und Ramipril) seitdem keine Besserung. Was kann ich tun?

Gerloff: Die Regeneration der Nervenbahnen und der geschädigten Areale im Gehirn kann Monate bis Jahre dauern. Wichtig sind physiotherapeutische Maßnahmen und darüber hinaus eine Kontrolle der Risikofaktoren, um erneute Schlaganfälle zu vermeiden.

Angelika: Ich hatte vor drei Jahren eine TIA - Geh- und Sehstörungen mit Doppelbildern. Nach etwa 20 Minuten war alles vorbei. Im Krankenhaus war jede Untersuchung ohne Befund. Alles gut. Ich rauche nicht und bin schlank. Mir wurden Cholesterinsenker empfohlen. Mein Hausarzt sagt, brauche ich nicht, weil mein gutes Cholesterin sehr hoch ist. HDL 88, LDL 139. Ich nehme nur ASS. Ist das okay?

Gerloff: ASS ist sicher das Wichtigste in Ihrer Situation. Je nachdem, wie Ihre Halsarterien aussehen, ist allerdings ein LDL von unter 100 anzustreben. Insofern würde ich eher dazu tendieren, einen Cholesterinsenker zu nehmen.

Maya: Ich hatte vor vier Jahren einen Schlaganfall, dessen Ursache nicht geklärt werden konnte. Meine Frage: Darf ich Fernreisen (zum Beispiel nach Australien) unternehmen? Ich habe noch ein offenes Foramen ovale und bin 50 Jahre alt.

Gerloff: Es gab im letzten Jahr tatsächlich drei große Studien, die gezeigt haben, dass bei ausgewählten Patienten mit Schlaganfällen, für die keine eindeutige Ursache gefunden werden konnte, ein Verschluss des offenen Foramen ovale helfen kann, einen neuen Schlaganfall zu verhindern. Sie sollten dies mit Ihrem Neurologen und Kardiologen besprechen. Generell ist ein Schlaganfall kein Grund, Jahre später auf Reisen zu verzichten.

Cora: Meine Halsschlagader ist auf der linken Seite 50 Prozent eingeengt. Ich nehme täglich Clopidogrel 75 mg. Sollte ich lieber ASS einnehmen? Ich habe keinen hohen Blutdruck, aber einen erhöhten Cholesterinwert und nehme täglich Atorvastatin 10 mg ein.

Gerloff: Wichtig ist, dass Sie einen "Plättchenhemmer" einnehmen. ASS oder Clopidogrel ist nach heutigem Kenntnisstand gleichwertig.

Nicole: Meine Oma hatte über Weihnachten einen leichten Schlaganfall. Sie war danach auch drei Wochen in der Reha-Klinik. Außerdem leidet sie unter Diabetes Typ 2. Seit sie aus der Klinik entlassen wurde, wirkt sie sehr antriebslos. Sie hat auf nichts mehr Lust, geht nicht mehr aus dem Haus und interessiert sich für verschiedene Dinge nicht mehr. Man kriegt sie auch nicht mehr motiviert. Wenn man nachfragt, dann weiß sie es auch nicht und sagt, dass sie nicht mehr richtig tickt im Kopf. Gäbe es einen medizinischen Bereich, der für sie passend wäre, um ärztlichen Rat einzuholen - oder haben Sie eine Idee?

Gerloff: Das kann im Wesentlichen zwei Gründe haben: Zum einen haben etwa 30 Prozent der Patienten nach einem Schlaganfall depressive Symptome, zum anderen könnte es natürlich auch durch die Hirnschädigung selbst sein. Wichtig ist, dass man eine Depression in Erwägung zieht und behandelt. Wenden Sie sich an Ihren Neurologen.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 27.02.2018 | 20:15 Uhr

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