Stand: 24.10.2017 22:32 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Schulterschmerzen

Unbekannt: Ich habe einen Sehnenanriss und behandle diesen mit regelmäßiger Krankengymnastik. Ist das der richtige Weg oder ist auch hier eine Operation sinnvoll?

Wellmann: Der Sehnenriss sollte per MRT abgeklärt werden, um zu prognostizieren, ob er eine Vergrößerungstendenz hat oder nicht. Sollte es sich um einen "gutartigen" Sehnenriss handeln, der wenig Schmerzen produziert, kann weiterhin mit Krankengymnastik vorgegangen werden.

Unbekannt: Muss eine Teilläsion der Rotatorenmanschette auch operiert werden?

Wellmann: Das hängt von der Lokalisation des Rotatorenmanschettenrisses im MRT ab. Insbesondere anteriore Risse der Supraspinatussehne neigen zur Vergrößerung und sollten eher operiert oder engmaschig kontrolliert werden.

Helmut: Ich bin 77 Jahre alt. Bei mir ist durch einen Sturz vor circa fünf Monaten die Supraspinatussehne gerissen. Der Orthopäde sagte, die Sehne kann nicht angenäht werden, weil zu porös. Ich habe starke Schmerzen, vor allem nachts. Ich bekam Physiotherapie verordnet. Hilft das? Was kann ich sonst noch tun?

Wellmann: Sollte eine Reparabilität der Sehne per MRT ausgeschlossen worden sein, bleibt bei andauernden Schmerzen und Beschwerden die Implantation einer inversen Schulterprothese. Diese führt bei nicht reparablen Sehnenrissen, insbesondere bei älteren Patienten, zu sehr guten Ergebnissen.

Luis: Nach starken Schulterschmerzen rechts wurde ein MRT gemacht. Danach diagnostiziert mir der Arzt den fast vollständigen Abriss der Rotatorenmanschette mit ausgeprägter begleitender Bursitis sowie Humeruskopfhochstand. Mit dem Unterarm bin ich gut beweglich. Beim Versuch, den Oberarm zu heben, treten starke Schmerzen in der Schulter auf. Ich bin 86 Jahre alt, außergewöhnlich gehbehindert, Marcumar- und Stomapatient. Meine Frage: Ist für mich medizinisch eine OP sinnvoll?

Wellmann: Sollte die Beweglichkeit des Schultergelenkes und damit auch des Oberarmes für den Alltag ausreichend und nicht wesentlich schmerzhaft sein, würde ich aufgrund der internistischen Begleiterkrankungen zu einer nicht operativen Therapie tendieren. Ich halte aber die Abklärung bei einem Schulterspezialisten trotz der genannten Nebenerkrankungen für empfehlenswert.

Vanessa: Ich habe seit mehreren Monaten Schmerzen in der Schulter und kann bei Überlastung die Schulter kaum noch bewegen. Ich bin erst 25 Jahre alt und arbeite fast täglich in der Sauna und durch die Bewegung bei den Aufgüssen haben die Schmerzen erst angefangen. Ein Arzt hat mir Rehasport verschrieben, aber trotzdem hören die Schmerzen nicht auf. Was kann ich jetzt machen?

Wellmann: Die Schulter muss gründlich klinisch untersucht werden. Die wahrscheinlichsten beiden Diagnosen sind eine Kalkschulter oder eine Schultersteife (adhäsive Kapsulitis). Sollte die Untersuchung keinen wegweisenden Befund ergeben, empfehle ich die Durchführung eines MRTs des Schultergelenkes.

Ces: Ich hatte seit August 2016 eine Kalkschulter. Im MRT wurde festgestellt, dass alle Sehnen aufgrund zu eng stehender Knochen die Sehnen ständig reiben, extrem porös und dünn sind und wohl irgendwann reißen werden. Aufgrund eines Morbus Sudeck links können die zu eng stehenden Knochen nicht abgeschliffen werden, ein eventueller Sehnenriss auch nicht operiert werden. Was bleiben für Möglichkeiten? Ich bin 54 Jahre alt und durch den Sudeck links eingeschränkt, muss noch einige Jahre arbeiten.

Wellmann: Als Therapieoptionen bleiben die Behandlung per Stoßwelle oder in akuten Phasen eine Injektion eines Kortisonpräparates unter das Schulterdach beziehungsweise in den Schleimbeutel.

Unbekannt: Beim Schlafen auf der Seite/dem seitlichem Liegen auf der Schulter schmerzt die Schulter enorm. Kein Unfall wissentlich. Frage: Ist ein Röntgenbild aussagekräftig oder muss MRT? Was kann das sein? Bewegungsfreiheit bis kurz vorm Maximum möglich. Kürzlich wurde durch Stoßwelle Kalkablagerung zerstört.

Wellmann: Die Aussagekraft des MRTs ist höher. Mögliche Ursachen wären ein verbliebenes Kalkdepot in der Sehne oder aufgrund der Lagerungsschmerzen beim Liegen eine zusätzlich bestehende AC-Gelenksarthrose (Schulter-Eckgelenk).

dolphin1908: Bei mir wurde vor drei Jahren eine AC-Gelenkathrose in beiden Schultern festgestellt. Bei bestimmten Bewegungen (Überreizungen) habe ich auch immer wieder mal Schmerzen, meist Brennen in den Schultern. Nun habe ich seit sieben Tagen im rechten Oberarm bis in den Ellenbogen rein zusätzlich zum Schulterbrennen starke Schmerzen. Fühlt sich an wie gereizte Nerven oder Sehnen. Können diese Schmerzen beziehungsweise Schulterprobleme bis in den Oberarm ausstrahlen? Ich finde nachts auch leider keine Schlafposition. Zurzeit helfen aber auch keine Schmerzmittel. Gibt es noch andere Therapiemöglichkeiten?

Wellmann: Die ausstrahlenden Schmerzen in den Oberarm sind eigentlich nicht typisch für eine AC-Gelenksarthrose. Abgeklärt werden sollte bei diesen Beschwerden insbesondere die Halswirbelsäule. Sollten hier keine Beschwerden bestehen, sind auch Entzündungen beziehungsweise Verletzungen der langen Bizepssehne oder eine parallel bestehende Arthrose des Schulterhauptgelenks als Ursache denkbar. Dies sollte per MRT abgeklärt werden.

Antje: Ich bin 46, weiblich und habe seit meiner Kindheit Schmerzen in der linken Schulter. Diese war mit zwei Jahren durch gewaltsames Hochheben am Arm ausgekugelt. Meine Mutter ist mit mir zur Einrenkerin gegangen und hat sie einrenken lassen. Ein Arzt wurde nie aufgesucht. Mir ist mit circa elf Jahren aufgefallen, dass der Stand der Schlüsselbeine unterschiedlich ist und die linke Schulter etwas tiefer ist. Ich kann auf der Seite keine Tasche tragen, da es bald zu ziehenden Schmerzen führt. Auch das Schlafen auf dieser Schulter ist schmerzhaft. Was kann ich tun?

Wellmann: Grundsätzlich sind mehrere Ursachen denkbar. Erstens kann es auch durch ein einmaliges Ausrenken der Schulter zu Folgeerscheinungen im Sinne einer Instabilitäts-Arthrose kommen. Dies ist umso wahrscheinlicher, je häufiger die Schulter in der Folge ausgerenkt ist. Zweitens kann der unterschiedliche Stand der Schlüsselbeine entweder durch eine muskuläre Dysbalance oder durch zusätzliche Verletzung des Schulter-Eckgelenkes verursacht sein. Zur Ursachenforschung wären eine gezielte klinische Untersuchung und eine Abklärung des Gelenkstatus per MRT notwendig.

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Visite | 24.10.2017 | 20:15 Uhr

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