Stand: 31.01.2017 23:15 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll zum Thema Depression

Unbekannt: Wir haben eine 24-jährige Tochter, die nach der Trennung von ihrem Freund vor gut zwei Wochen in eine schwere Depression gefallen ist. Sie weint nur und wir überlegen, sie in eine Klinik zu bringen. Ist eine ambulante Behandlung besser geeignet und kann eine Behandlung mit EKT bereits nach dieser relativ kurzen Trauerphase angezeigt sein?

Folkerts: EKT ist eine Behandlung bei schweren und oft therapieresistenten Depressionen. Eine Trennungssituation ist im Regelfall kein Anlass, um eine invasive Behandlung wie EKT durchzuführen.

Gis: Wie lange ist bei einer EKT ein Klinikaufenthalt nötig? Wie lange dauert es, bis man wieder arbeitsfähig ist?

Folkerts: Üblicherweise werden acht bis zwölf Behandlungen durchgeführt; dafür benötigen wir drei bis vier Wochen. In dieser Zeit müssen die Patienten stationär in der Klinik sein. Meistens wird nach einer stationären Behandlung noch eine gewisse Zeit der Krankschreibung erforderlich sein, aber bei vielen Patienten kann man bald mit einer Wiedereingliederungsmaßnahme beginnen.

Klara: Prof. Folkerts, muss mein behandelnder Arzt mich an Sie überweisen? Ich leide seit fast acht Jahren unter Depressionen, spreche nicht auf Medikamente an. In den schlimmsten Phasen schaffe ich es nicht, meine Augen offen zu halten; es gibt keine Möglichkeit, dagegen anzukämpfen.

Folkerts: Üblicherweise erbitten wir uns einen kurzen Bericht des bisher behandelnden Arztes zur Abklärung der Situation; im zweiten Schritt erfolgt dann gegebenenfalls die ambulante Vorstellung. Es kann ein telefonisches Vorab-Gespräch geben, um zu klären, ob tatsächlich eine Indikation zur EKT besteht.

D.L.: Ich leide nach einer mittelgradig schweren Depression seit über einem Jahr an dem Symptom, dass ich mich durchgehend wie benommen fühle und mich kaum konzentrieren kann. Die Depression ist nach Medikation und Klinik so gut wie weg. Die Benommenheit ist seit Beginn unverändert. Wäre EKT eine Option?

Folkerts: Ihr subjektives Gefühl der Benommenheit wäre für mich ohne weitergehende Informationen kein ausreichender Grund, um eine EKT durchzuführen. EKT ist primär zur Behandlung von schweren Depressionen geeignet.

Peter: Ist bei einer Depression und bei Einnahme von Antidepressiva vom Alkohol- und THC-Konsum dringend abzuraten?

Folkerts: Insbesondere chronischer Alkoholkonsum kann Depressionen fördern. THC-Konsum kann ebenfalls depressive Symptome fördern. Im Ergebnis ist von beidem abzuraten. Die Kombination von Alkohol und Antidepressiva ist schädlich.

Diana: Darf man die EKT-Behandlung bei einem angeborenen Herzfehler machen lassen?

Folkerts: Ja, dies ist keine Kontraindikation.

Dietmar: Ich leide - außer an der Depression - an Clusterkopfschmerzen und habe eine Elektrode zur tiefen Hirnstimulation. Käme auch für mich die Elektrokrampftherapie in Frage?

Folkerts: Ja, eine tiefe Hirnstimulation ist keine Kontraindikation.

Kirsten: Ist eine Schlafapnoe ein Hinderungsgrund für EKT?

Folkerts: Eine Schlafapnoe ist kein Hinderungsgrund.

Jochen: Ich bin von einem Mix aus heftigster PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung, die Red.), Zwangserkrankung und Borderline betroffen! Ich komme kaum noch durchs Leben. Ob auch eine Depression vorliegt, weiß ich nicht wirklich. Könnte EKT hier sinnvoll sein und vielleicht weiterhelfen?

Folkerts: Diese Frage ist mit diesen wenigen Informationen nicht ausreichend zu beantworten. Fragen Sie bitte Ihren behandelnden Psychiater, ob EKT für Sie infrage kommt.

Unbekannt: Sollte man als Angehöriger eine depressive Person dazu zwingen, zum Arzt zu gehen?

Folkerts: Patienten sollten nicht dazu gezwungen werden, zum Arzt zu gehen; ohne die Bereitschaft zur Behandlung macht diese praktisch keinen Sinn. Es macht aber Sinn, Patienten zu ermutigen, das Problem anzugehen, und sie bei Behandlungsschritten zu unterstützen. Manchmal hilft es auch, enge Freunde einzuschalten. Anders sieht die Situation allerdings bei akuter Suizidgefährdung aus. Dann sollte der Arzt eingeschaltet werden.

 

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