Stand: 13.02.2018 07:52 Uhr  - Die Ernährungs-Docs  | Archiv

Chat zu Fersensporn, Morbus Bechterew, Fettleber

Max: Ich habe ein Problem mit Softdrinks: Ich trinke drei Liter am Tag und komme nicht davon weg. Schon der erste Tag ohne ist der Horror. Ich werde immer rückfällig. Wie kann ich das schaffen?

Fleck: Man kann von allem süchtig werden, je öfter und je mehr man von Dingen isst oder trinkt. Mein Rat: Versuchen Sie, zwei bis drei Tage konsequent durchzuhalten. Dann haben Sie die größte Hürde geschafft. Legen Sie sich eine Wohlfühlmacherliste an, in der Sie Dinge notieren, die Sie gerne tun und die Ihnen guttun. Im Moment der Begierde nach Softdrinks greifen Sie zu einer Übersprungshandlung. Auch Bitterstoffe als Tropfen oder Spray können einen Süßhunger auf Süßigkeiten oder Softdrinks abmildern.

Andrea: Ich bin Mutter eines eineinhalbjährigen Sohnes, der immer wieder mit starken Infekten im HNO-Bereich kämpft und auch bereits eine Woche stationär wegen Lungenentzündung in der Kinderklinik war. Ich möchte nun sein Immunsystem über den Darm stärken. Empfehlen Sie auch bei Kleinkindern eine Öl-Eiweiß-Kost, wie zum Beispiel Quark mit Leinöl und Früchten zum Frühstück?

Fleck: Es ist absolut richtig, auch bei kleinen Kindern das Immunsystem zu stärken. In diesem jungen Alter befindet es sich noch im Aufbau. Die Zugabe von hochwertigen Ölen aus Omega-geschützt gepresstem Leinöl ist auch in diesem Alter bereits sinnvoll. Da Leinöl allein nicht zur Versorgung mit langkettigen Omega 3-Fettsäuren (DHA) ausreicht, könnten Sie auf Varianten mit DHA-Zusatz zurückgreifen. Auch die Ernährung von Kleinkindern mit Fisch ist für die Entwicklung von Augen und Gehirn unabdingbar.

Bene: Ich bin 20 Jahre alt und habe eine schmerzhafte Hüftarthrose. Aufgrund meiner Schmerzen ist Bewegung nur unter Einnahme von Schmerzmitteln möglich! Haben Sie Tipps für eine Ernährungsumstellung für mich beziehungsweise Empfehlungen für mich?

Fleck: Wichtig ist in Ihrem jungen Alter eine Abklärung nach möglichen Ursachen, die Frage nach mechanischer Abnutzung durch chronische Fehlbelastung. Ernährungsmedizinisch empfehle ich Ihnen eine antientzündliche Ernährung: reichlich Gemüse, maßvoll zuckerarmes Obst, reichlich Omega 3-Fettsäuren (Leinöl, Weizenkeimöl, Walnussöl, Hanföl und fetten Fisch), Gewürze wie Ingwer, schwarzer Pfeffer, Chili, Koriander, Muskat, Kumin und Kurkuma (dieses benötigt zur besten Bioverfügbarkeit die Anwesenheit von Fett und schwarzem Pfeffer). Auch ein Stück dunkle Schokolade (ab mindestens 70 Prozent Kakaoanteil) hat antientzündliche Kraft.

Andre: Wie kann ich am besten Leinsamen zu mir nehmen? Habe noch mit den Folgen einer Gastritis zu kämpfen.

Fleck: Ein empfindlicher Magen profitiert nicht selten von warmen Speisen. Sie könnten einen warmen Haferbrei (Porridge) mit etwas geschroteten Leinsamen verfeinern. Versuchen Sie, auf magenschleimhautreizende Lebensmittel für einen Zeitraum von circa drei Wochen zu verzichten (Kaffee, Zitrusfrüchte, gebratenes und scharfes Essen). Fette Nahrungsmittel nach individueller Verträglichkeit austesten. Eiweiß (zum Beispiel aus einem hartgekochten Ei) als Snack kann Ihnen eine kleine Alltagshilfe sein.

Kerstin: Können Sie bitte noch einmal genau erklären, warum Magerquark besser für ein Quark-Öl-Frühstück ist als fetter Quark? Wieso sind im Magerquark mehr schwefelhaltige Aminosäuren?

Fleck: Magerquark nicht, weil er mager ist. Denn Sie wissen, Fett ist nicht gefährlich, sondern wichtiger Baustein unserer Zellmembran. Magerquark empfehle ich, weil er besonders reich an schwefelhaltigen Aminosäuren ist und diese hochwertiges Fett besonders gut in den Körper transportieren.

Judith Sch: Ich habe Rheumatoide Arthritis und das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS). Ich beschäftige mich viel mit Ernährung, aber vieles, das ich bei Rheuma essen sollte, darf ich wegen dem MCAS nicht essen (Nüsse, viele Obst- und Gemüsesorten). Können Sie mir weiterhelfen, wie ich die Ernährung vereinbaren kann (Vitamin-C-haltige Lebensmittel wie Paprika vertrage ich leider auch nicht)?

Fleck: Ihre Erkrankung Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) ist ein bisher sehr unterschätztes und kaum bekanntes Erkrankungsbild. Es bedarf einer sehr sorgfältigen Diagnose und auch einer umfassenden individuellen Beratung. Ich empfehle Ihnen möglichst kurz gegarte und schnell zubereitete Speisen aus frischen Lebensmitteln mit kurzer Kühlkette bei Fisch und Fleisch. Vermeiden Sie konservierte Lebensmittel und Räucherwaren (Fisch, Fleisch, Wurstwaren, Thunfisch, Salami, Schinken, alte Käsesorten). Vitamin C sollten Sie auch über Nahrungsergänzung zusätzlich einnehmen.

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 12.02.2018 | 21:00 Uhr

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