Sendedatum: 29.09.2009 20:15 Uhr  | Archiv

Arteriosklerose: Eine Krankheit - viele Leiden

Ateriosklerose
Allein in Deutschland leiden rund acht Millionen Menschen an der heimtückischen Krankheit.

Keine andere Erkrankung fordert in den westlichen Industrienationen so viele Menschenleben wie die Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Allein in Deutschland leiden rund acht Millionen Menschen an der heimtückischen Krankheit. Dabei lagern sich über Jahre unbemerkt Fett, kleine Blutgerinnsel, Bindegewebe und Kalk in der Gefäßwand der Schlagadern ab. Dort verursachen sie eine langsam fortschreitende Verengung und Verhärtung der betroffenen Gefäße. Besonders häufig tritt Arteriosklerose in Gefäßabschnitten auf, in denen der Blutstrom durch eine Besonderheit wie eine Abzweigung oder Aufspaltung des Gefäßes gestört ist. Dazu gehören unter anderem die Halsschlagadern und auch die Leistenarterien, die sich in die Beinschlagadern verzweigen. Nach Jahren oder Jahrzehnten ohne Beschwerden macht die Arteriosklerose oft erst durch schwere Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Herzenge (Angina pectoris), Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen an den Beinen auf sich aufmerksam.

Schlaganfall, Herzinfarkt und pAVK

Besonders häufig sind Hirnarterien betroffen: Bei einem kompletten Verschluss einer größeren Arterie wird das dahinter gelegene Nervengewebe nicht mehr mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Es kommt zum Hirninfarkt, also zum Schlaganfall. Bei einem vorübergehenden Verschluss durch ein kleines Gerinnsel sprechen Ärzte von einer Transitorischen Ischämischen Attacke (TIA). Dabei verschwinden die Symptome innerhalb weniger Minuten oder gar Sekunden wieder, sodass viele Betroffene die TIA nicht ernst nehmen. Dabei kann sie ein Vorbote eines schweren Schlaganfalls in den nächsten Stunden oder Tagen sein, der sich bei schneller Behandlung oft noch verhindern lässt. Deshalb sollte auch nach einer TIA sofort der Notarzt gerufen werden. Durch viele kleine Infarkte tief im Gehirn kann auch eine Demenz ausgelöst werden.

Engt eine Arteriosklerose die Herzkranzgefäße ein, führt das zu einer Angina pectoris (Herzenge). Verschließt sie das Gefäß, ist ein Herzinfarkt die Folge. Eine Verengung der Beingefäße führt zur sogenannten Schaufensterkrankheit: Die Beinmuskulatur wird so schlecht mit Blut versorgt, dass sie bereits nach wenigen Schritten schmerzt und die Betroffenen wie bei einem Schaufensterbummel alle paar Meter stehen bleiben müssen. Schreitet diese von den Medizinern periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) genannte Erkrankung weiter fort, drohen Geschwüre am Unterschenkel und schließlich die Amputation. Schlaganfall, Herzinfarkt und pAVK sind unterschiedliche Ausprägungen ein und derselben Grundkrankheit: Arteriosklerose.

Intensive Forschung

Zwar sind eine Reihe von Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen, erbliche Faktoren, Übergewicht und Bewegungsmangel bekannt, die eigentliche Ursache der Arteriosklerose ist aber noch immer Gegenstand intensiver Forschungen. Vermutlich führt eine winzige Schädigung oder Verletzung des sogenannten Endothels, der inneren Auskleidung der Gefäßwand, zu einer Wucherung von Muskelzellen in der Gefäßwand (Intima) und zur Einlagerung bestimmter Fette (LDL-Cholesterin) in Form sogenannter Schaumzellen. Mit der Zeit entstehen an dieser Stelle Entzündungsherde, sogenannte Plaques. Sie können jederzeit aufreißen und dann das Blut gerinnen lassen - es kommt zum gefährlichen Gefäßverschluss.

Interviewpartner im Studio:

Prof. Dr. Heribert Schunkert
Kardiologe
Medizinische Klinik II - Kardiologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Günter Seidel
Neurologe
Klinik für Neurologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 33 34
Fax (0451) 500 41 21

Priv.-Doz. Dr. Christoph Koch
Neuroradiologe
Institut für Neuroradiologie
Tel. (0451) 500 65 50
Fax (0451) 500 64 43
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 33 34
Fax (0451) 500 41 21

Autorin der Fernsehbeiträge:
Kerstin Michaelis

Dieses Thema im Programm:

Visite | 29.09.2009 | 20:15 Uhr

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