Stand: 12.07.2016 10:30 Uhr  - NDR Info  | Archiv

Wie entsteht Schwerhörigkeit?

von Niels Walker, NDR Info
Eine Frau sieht sehr angestrengt aus und hält sich die Ohren zu. © fotolia.com Foto: olly
Lärm belastet das Ohr und kann auf Dauer zu Schwerhörigkeit führen.

Das menschliche Ohr ist ein kleines Wunderwerk und eines unserer wichtigsten Sinnesorgane. Damit es im Laufe des Lebens keinen Schaden nimmt, sollte es gut gepflegt werden. Aber das ist im Alltag nicht immer einfach, denn unser Ohr ist ständig Belastungen ausgesetzt.

Zu viel Lärm ist schädlich fürs Ohr

Lärm wird in Dezibel gemessen, alles was über 85 liegt, wird auf Dauer gefährlich. Laute Partymusik, Flugzeuge oder auch Presslufthämmer bringen es auf bis zu 120 Dezibel, eine normale Straßenkreuzung erzeugt 90 Dezibel Schalldruck. Wer hier jeden Morgen vorbeigeht, schadet seinen Ohren, meint Thomas Lenarz, Leiter des Hörzentrums an der Medizinischen Hochschule Hannover: "Warnsignale für eine mögliche Lärmschädigung sind eine starke Hörabnahme - das Ohr ist vertäubt - und ein Ohrgeräusch, ein Tinnitus, ein Pfeifen, Klingeln. Das sind Warnzeichen, die zeigen: Das Ohr hat jetzt zu viel abbekommen."

Auch Krankheiten können Hörschäden verursachen

Neben Lärm kann auch eine Krankheit dem Ohr schaden. Dabei wird meistens der Bereich direkt hinterm Trommelfell in Mitleidenschaft gezogen, zum Beispiel bei einer Mittelohrentzündung. "Bei komplizierten Verlaufsformen spielt der Faktor Zeit eine Rolle. Wenn zum Beispiel bei einer Mittelohrentzündung das Innenohr betroffen ist, kommt es darauf an, dass wir möglichst sofort eingreifen - nur so kann man verhindern, dass ein dauerhafter Hörschaden zurückbleibt."

Sinneszellen können nicht repariert werden

Das Ohr gliedert sich in drei Teile: die Ohrmuschel, die jeder sehen kann, das Mittelohr direkt hinter dem Trommelfell und das Innenohr. Im Mittelohr sitzen die winzig kleinen Knochen Hammer, Steigbügel und Amboss. Sie geben das Geräuschsignal an das Innenohr weiter. Die gute Nachricht: Die Medizin ist inzwischen so weit, dass sie diese winzig kleinen Knochen im Fall der Fälle durch Titan-Implantate ersetzen kann.

Schematische Zeichnung des Ohrs. © picture alliance Foto: Media for Medical
Das menschliche Ohr ist ein komplexes Sinnesorgan und sehr empfindlich.

Das ist beim Innenohr anders. Dort  werden die Impulse an die Hörschnecke weitergeleitet. Sie funktioniert wie ein Gartenschlauch in Form eines aufgerollten langen U. Statt Wasser befindet sich Lymphflüssigkeit in diesem System. In der Hörschnecke sitzen auf ganzer Strecke kleine Härchen. Durch die Schallwelle beugen sie sich wie Bäume im Sturm. Durch diese Bewegung wird in der Sinneszelle, die direkt an der Wurzel der Härchen liegt, ein Botenstoff ausgeschüttet, der über den Hörnerv ins Gehirn wandert. "Diese Sinneszellen können wir nicht reparieren. Der Körper stellt keine neuen her und wir können auch von außen keine Neuen einpflanzen. Was kaputt ist, bleibt auch kaputt", erklärt Professor Lenarz.

Schwerhörigkeit ist ein Dauerschaden an den Sinneszellen

Die Härchen mit den Sinneszellen an der Wurzel sind der Hauptgrund dafür, dass wir nach einer lauten Party oder starkem Lärm erst mal für einen Moment fast taub sind. "Die Sinneszellen fahren ihre Funktion vorübergehend herunter. Wenn der Schaden nicht zu groß ist, erholt sich das wieder und die Sinneszellen funktionieren wieder normal. Wenn er zu groß ist, bleibt ein Dauerschaden zurück." Ein Dauerschaden an den Sinneszellen bedeutet konkret Schwerhörigkeit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Radio-Visite | 12.07.2016 | 09:20 Uhr

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