Stand: 15.05.2017 11:54 Uhr  | Archiv

Wie die Darmflora das Gehirn krank macht

Neue Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass es eine Verbindung zwischen der Zusammensetzung der Darmflora und Erkrankungen des Gehirns gibt. Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von der "Darm-Hirn-Achse". So lassen sich Wechselwirkungen zwischen der menschlichen Darmflora und neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson oder Alzheimer herstellen. Der Zusammenhang konnte an Studien mit Mäusen nachgewiesen werden.

Darm: Fettsäure gegen Multiple Sklerose

Darmflora stärkt das Immunsystem

Die Darmflora ist wichtig für die Verdauung, die Abwehr von Krankheitserregern und die Stärkung des Immunsystems. Sie besteht beim Menschen aus rund 1.000 Arten von Darmbakterien. Insgesamt bringen es die schätzungsweise etwa 100 Billionen Bakterien im Darm auf ein Gewicht von bis zu zwei Kilogramm. Jeder Mensch besitzt eine eigene, individuelle Zusammensetzung der Darmflora, die vor allem durch die Ernährung und immunologische Prozesse beeinflusst wird.

Verbindung zwischen Darm und Gehirn

Forschungsergebnisse zeigen, dass diese Zusammensetzung der Darmflora schützende und krankmachende Effekte haben kann. So haben viele Multiple-Sklerose-Kranke zum Beispiel eine deutlich geringere Bakterienvielfalt als gesunde Menschen. Die Ursache dafür ist bislang allerdings unklar. Sicher ist aber, dass sich der Mangel an Bakterien ungünstig auswirkt. Denn die Bakterien produzieren die kurzkettige Fettsäure Propion (Propionsäure). Sie beeinflusst bestimmte Immunzellen im Gehirn, die an der Entstehung und am Verlauf der Multiplen Sklerose beteiligt sind. Die Immunzellen funktionieren nur, wenn die Darmbakterien genügend Propion aus der Nahrung freisetzen.

Multiple Sklerose: Hoffnung auf neue Therapien

Wissenschaftler hoffen auf der Basis der Forschungsergebnisse neue Therapieansätze entwickeln zu können. Im Rahmen von Studien wurden die Medikamente gegen Multiple Sklerose durch Propionsäure ergänzt. Dabei zeigte sich eine Vermehrung der Abwehrzellen um 30 Prozent und eine deutliche Abnahme der Entzündungszellen. Experten schätzen die Einnahme von Propionsäure als Nahrungsergänzungsmittel als problemlos ein. Allerdings handelt es sich bei den Erkenntnissen bislang um klinische Erfahrungswerte. Mögliche Therapien sind Gegenstand der aktuellen Forschung.

Die richtige Ernährung für den Darm

Ein weiterer Ansatz könnte sein, die Darmflora über die Ernährung günstig zu beeinflussen:

  • durch Präbiotika und Probiotika, zum Beispiel in Joghurt
  • durch ballaststoffreiche Kost, die im Dickdarm zersetzt und zu organischen Säuren fermentiert wird. Vorteilhaft ist zum Beispiel der Ballasstoff Inulin, der zum Beispiel in Chicorée, Artischocken und Pastinaken reichlich enthalten ist.
  • durch Milchsäure, etwa in Joghurt, Dickmilch, Kefir, Buttermilch, Sauerkraut, Sauerteig und Brottrunk

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Visite | 15.05.2017 | 20:15 Uhr

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