Stand: 12.04.2016 19:13 Uhr  | Archiv

So unterschiedlich erkranken Frauen und Männer

"Der viel zitierte kleine Unterschied ist viel größer als gedacht": So kommentiert DAK-Gesundheit-Vorstandschef Herbert Rebscher eine aktuelle Studie seiner Krankenkasse. Der DAK-Gesundheitsreport dokumentiert erstmals umfassend die Unterschiede zwischen Frauen und Männern im Hinblick auf krankheitsbedingte Ausfalltage - und deren Ursachen.

Frauen sind der Erhebung zufolge zwar kürzer krankgeschrieben, dafür aber häufiger: 2015 fehlten sie im bundesweiten Durchschnitt 14 Prozent häufiger im Job als ihre männlichen Kollegen. Den Angaben zufolge waren im vergangenen Jahr an jedem Tag durchschnittlich 44 von 1.000 weiblichen Beschäftigten krankgeschrieben, bei den Männern waren es nur 39.

Fehltage: Geschlechter-Unterschied in Hamburg besonders groß

In Hamburg ist der Unterschied im Hinblick auf die Fehltage besonders deutlich: Wie die DAK am Dienstag in der Hansestadt mitteilte, meldeten sich von jeweils 1.000 Versicherten 41 Frauen krank, aber nur 33 Männer - ein Unterschied von 27 Prozent. Warum das so ist, vermochte ein Sprecher der DAK-Gesundheit nicht genau zu sagen. Er vermute, dass es an den in Hamburg besonders häufigen psychischen Erkrankungen liege, von denen Frauen generell stärker betroffen sind. Männer sind der Studie zufolge eher wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hautkrankheiten oder Unfällen krankgeschrieben.

Frauen bleiben öfter wegen kranker Kinder daheim

Die Analyse zeigt zudem, dass Frauen im Vergleich der Geschlechter noch immer den größeren Anteil bei der Betreuung kranker Kinder darstellen: Bundesweit gab mehr als jede Vierte an, sich bei einer Erkrankung des Kindes selbst krankgemeldet zu haben, unter den Männern waren es lediglich 17,5 Prozent.

Männer gehen seltener zum Arzt

Besonders deutlich werden die Geschlechterunterschiede beim persönlichen Umgang mit Krankheit und Krankschreibung: Berufstätige Männer gehen generell seltener zum Arzt, durchschnittlich viermal jährlich. Berufstätige Frauen suchen hingegen pro Jahr siebenmal eine Arztpraxis auf. Selbst ohne Einbezug von Vorsorgeuntersuchungen und schwangerschaftsbedingten Behandlungen werden laut Studie Frauen häufiger ärztlich behandelt. Allerdings gehen Frauen trotz Krankheit auch häufiger zur Arbeit als männliche Beschäftigte: 67 Prozent stehen hier 60 Prozent bei den Männern gegenüber.

Auch Beruf entscheidend

Der Job hat ebenfalls einen Einfluss darauf, wie oft Frauen und Männer sich krankmelden. Demnach haben Frauen vor allem im Bereich Bildung, Kultur, Medien, in der öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitswesen einen höheren Krankenstand als die Männer. Im Maschinen-, Anlagen- und Fahrzeugbau sowie in anderen Industriebereichen sind weibliche Beschäftigte hingegen etwas weniger häufig krank als ihre männlichen Kollegen.

Soziologische Einordnung der Ergebnisse

"Der höhere Krankenstand von Frauen ist weniger ein Indikator für objektive Morbidität, also Krankheitshäufigkeit, als für weibliches Gesundheitsverhalten." So ordnet die Münchener Soziologin Anne Maria Möller-Leimkühler die Ergebnisse des Gesundheitsreports ein und erklärt: Frauen reagierten anders auf Stress und Störungen ihrer Befindlichkeit, hätten ein ausgeprägteres präventives Verhalten und eine höhere Toleranz gegenüber kurzen Fehlzeiten.

Eine Grafik zeigt die Entwicklung der Krankentage © DAK Gesundheitsreport
Der allgemeine Krankenstand hat laut DAK-Studie den deutschlandweit höchsten Wert seit 16 Jahren erreicht.
Allgemeiner Krankenstand auf höchstem Stand seit 16 Jahren

Insgesamt werteten die Macher der repräsentativen Studie den Krankenstand von bundesweit etwa 2,7 Millionen Versicherten aus, zudem befragten sie 5.000 Personen zu dem Thema. Demnach erreichte der allgemeine Krankenstand den höchsten Wert seit 16 Jahren. Dabei lagen die Hamburger mit 3,7 Prozent deutlich unter dem bundesweiten Wert von 4,1 Prozent. Lediglich in Bayern (3,6) und Baden-Württemberg (3,5) wurden die Teilnehmer der Studie seltener krank.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 12.04.2016 | 19:30 Uhr

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