Stand: 22.10.2018 13:10 Uhr

So gefährlich sind Fluorchinolon-Antibiotika

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Antiobiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone können schwere Nebenwirkungen haben.

Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone können in seltenen Fällen zu Sehnenrissen, Nervenschmerzen oder Angstzuständen führen. Zu den Fluorchinolonen gehören zum Beispiel die Medikamente Norfloxacin, Ciprofloxacin, Moxifloxacin und Levofloxacin.

Schon nach wenigen Tabletten können teilweise schwere Nebenwirkungen auftreten:

  • Kribbeln im Gesicht und in den Händen
  • Taubheitserscheinungen, Schmerzen und Risse im Bereich der Sehnen
  • Muskelschmerzen
  • Angstzustände und Panikattacken
  • Leberschäden

Die Nebenwirkungen können sogar nach dem Absetzen des Medikaments monatelang oder auf Dauer bleiben. Und nicht nur das: Neue Studien zeigen, dass Betroffene nach der Einnahme von Fluorchinolonen ein erhöhtes Risiko haben, ein Aortenaneurysma zu erleiden.

Dr. Pottek, Urologe.

So gefährlich sind Fluorchinolon-Antibiotika

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Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone können zu gefährlichen Nebenwirkungen führen. Ein Medikament mit dem Wirkstoff wurde bereits vom Markt genommen.

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Fluorchinolone: Gefahr für Riss der Aorta steigt

Ein Aortenaneurysma ist eine spindel- oder sackförmige Erweiterung der Hauptschlagader (Aorta), die in allen Abschnitten der Ader entstehen kann. Reißt die geschwächte Gefäßwand ein, kann der Betroffene in kürzester Zeit innerlich verbluten. In einigen Fällen können Fluorchinolone die Gefäßwand so verändern, dass eine Gefäßaussackung entsteht und im schlimmsten Fall einreißt.

Die Wände der Hauptschlagadern haben eine ähnliche Struktur wie die Achillessehne. Wer nach Einnahme von Fluorchinolonen Beschwerden mit der Achillessehne hat, könnte auch Probleme mit den Aorten bekommen. In welchem Umfang das Risiko steigt, hängt von der Dauer der Antibiotika-Therapie ab. Nach einer 14-tägigen Anwendung eines Fluorchinolons stieg das Risiko einer Studie zufolge fast um das Dreifache.

EU schränkt Indikation für Fluorchinolone ein

Auf dem Beipackzettel der Medikamente sind die Nebenwirkungen weit unten als "seltene Nebenwirkungen" aufgeführt. Dabei sind in den Nebenwirkungsdatenbanken der EU für diese Antibiotika-Gruppe bereits Zehntausende Fälle aufgelistet. Nach einer Nutzen-Risiko-Analyse schränkten die Behörden 2008 die Indikation von Norfloxacin, Ciprofloxacin und Moxifloxacin ein, 2012 folgte Levofloxacin.

Fluorchinolone nur bei lebensgefährlichen Erkrankungen

In der Praxis würden die Warnungen jedoch oft nicht ausreichend ernst genommen, kritisieren Experten. Viele niedergelassene Ärzte verschrieben Fluorchinolone auch bei relativ harmlosen Atemwegserkrankungen oder bei nicht lebensgefährlichen Harnwegsinfekten. In Krankenhäusern würden diese Antibiotika in der Regel nur noch bei lebensgefährlichen Infektionen eingesetzt, wenn keine anderen Medikamente zur Verfügung stünden.

Medikament bei Nebenwirkungen sofort absetzen

In den USA hat die Arzneimittelbehörde FDA 2016 angeordnet, dass die Hersteller in den Beipackzetteln von Fluorchinolon-Antibiotika unübersehbar in Fettdruck auf die seltenen, aber massiven Nebenwirkungen hinweisen müssen. Sofern andere Antibiotika für die Therapie zur Verfügung stehen, rät die Behörde Ärzten, Fluorchinolone nicht mehr zu verordnen. Beim Auftreten von Nebenwirkungen solle ein Fluorchinolon zudem sofort abgesetzt und auf ein anderes Antibiotikum umgestellt werden.

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Experten zum Thema

Dr. Stephan Kurz, Kardioanästhesist, Leiter der Forschungsgruppe Aorta
Deutsches Herzzentrum Berlin
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
(030) 45 93-2000
www.dhzb.de

Dr. Tobias Pottek, Chefarzt
Klinik für Urologie
Vivantes Klinikum Am Urban
Dieffenbachstraße 1
10967 Berlin-Kreuzberg
(030) 130 22 63 01
www.vivantes.de

Heike Hilgarth, Apothekerin
Klinik für Intensivmedizin
Zentrum für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Weitere Informationen
Selbsthilfe-Diskussionsforum im Internet
www.fluorchinolone-forum.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 23.10.2018 | 20:15 Uhr

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