Stand: 28.10.2019 07:49 Uhr

Skoliose: Wann behandeln - und wie?

Schiefe Haltung, krummer Rücken: Bei einer Skoliose (von griechisch "skolios": krumm) ist das Rückgrat dauerhaft seitlich verbogen, noch dazu sind Wirbel verdreht. Skoliosen kommen bereits bei kleinen Kindern vor, mit steigendem Alter - besonders in der jugendlichen Wachstumsphase und jenseits der 60 Jahre - nimmt ihre Häufigkeit stark zu. Man schätzt, dass gut zwei Prozent der Bevölkerung an einer Wirbelsäulenverkrümmung mit Krankheitswert leiden.

Skoliose mit einem ganzheitlichen Konzept behandeln

Die Bewegungs-Docs -

Fabian hat schon unzählige OPs hinter sich. Seine Skoliose schränkt ihn ein, er bekommt kaum Luft. Die Docs raten zu Atemtherapie und finden eine spezielle Sportart für ihn.

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Schwere Ausprägungen der Skoliose finden sich deutlich häufiger bei Mädchen beziehungsweise Frauen. Leichtere Fälle lassen sich mit konsequenter Physiotherapie und einem speziellen Korsett oft ausgezeichnet behandeln, während schwere Formen meist operiert werden müssen, um Folgeprobleme möglichst zu vermeiden.

Schweregrade der Skoliose

Der Schweregrad der Erkrankung bemisst sich nach Grad Cobb. Dieses Maß, benannt nach dem US-Mediziner John Robert Cobb, beschreibt den Winkel der Seitbiegung in der Wirbelsäule. Man bestimmt ihn geometrisch mithilfe einer Röntgenaufnahme.
Krankheitswert hat die Verkrümmung erst ab einem Winkel von 10 Grad und mehr.
Skoliose 1. Grades (leicht): Winkel von 10 bis 40 Grad
Skoliose 2. Grades (mittelschwer): Winkel zwischen 40 und 60 Grad
Skoliose 3. Grades (schwer): Winkel von 61 bis 80 Grad
Skoliose 4. Grades (sehr schwer): Winkel über 80 Grad

Skoliose: Ursachen und Risikofaktoren

Von der Seite betrachtet ist die Wirbelsäule doppelt s-förmig gebogen, von vorn und hinten betrachtet bildet sie im Normalfall eine gerade Linie. Bei manchen Menschen jedoch biegt sich das Rückgrat zur Seite: Die gesamte Wirbelsäule ist längs verdreht. Bei der Verdrehung entstehen Zug- und Druckkräfte, sodass selbst die einzelnen Wirbelknochen sowie die Bandscheiben eine verzogene Struktur annehmen.

Knapp neun von zehn Skoliosen sind idiopathisch, das bedeutet, konkrete Auslöser sind unbekannt. Einseitiges Tragen oder eine schlaksige Körperhaltung beispielsweise sind nicht schuld an der Erkrankung, insofern kann man ihr Studien zufolge auch nicht vorbeugen. Die Neigung zu Skoliose wird offenbar vererbt, denn die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf. Es gibt Hinweise darauf, dass Skoliosen eher groß gewachsene Menschen betreffen.

Etwa einer von zehn Skoliosen liegt eine bekannte Ursache zugrunde ("symptomatische" oder "sekundäre Skoliose"), etwa:

  • angeborene Fehlbildungen von Wirbelkörpern
  • Muskelerkrankungen (etwa vererbbare Muskelschwächekrankheiten)
  • rheumatische Erkrankungen
  • Nervenschäden, durch die die stabilisierende Bauch- und Rückenmuskulatur nicht richtig funktioniert (etwa Myasthenia gravis, Rückenmarkserkrankungen)
  • Osteoporose
  • Traumata (Wirbelknochenbruch, Rückenmarksverletzungen)

Anzeichen einer Skoliose

Eine Skoliose von wenigen Grad macht meist keine Probleme und fällt im Alltag, vor allem im bekleideten Zustand, kaum auf. Man muss schon genauer hinschauen. Bei Kindern und Jugendlichen kann sich in Zusammenhang mit Skoliose zum Beispiel das Gangbild verändern, die Taille knickt ein, typischerweise stehen die Schultern unterschiedlich hoch. Besonders bei älteren Betroffenen macht sich Skoliose zusätzlich durch Rückenschmerzen und Verspannungen bemerkbar.

Bei stärkeren Verkrümmungen und Verspannungen im oberen Rücken verliert die Lunge Platz, sodass Atemnot oder ein Druckgefühl auf der Brust auftreten können. Auch Herzrasen und Verdauungsprobleme sind möglich. Mit Zeitablauf und zunehmendem Schweregrad kommen Verschleiß und Versteifungen hinzu, die Beweglichkeit der Wirbelsäule nimmt ab, Schmerzen nehmen zu.

Verlauf der Skoliose schwer vorhersehbar

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Das Röntgenbild zeigt die verdrehte Wirbelsäule und implantierte Stäbe.

Während sich eine Säuglingsskoliose meist innerhalb der ersten beiden Lebensjahre von allein zurückbildet, werden später auftretende Skoliosen unbehandelt oft schlimmer. Deshalb ist das rechtzeitige Entdecken und Behandeln so wichtig. Ausschlaggebend für die Prognose einer idiopathischen Skoliose ist vor allem der Cobb-Winkel: je größer, desto ungünstiger sind die Entwicklungsaussichten.

Bei jungen Menschen ist das mögliche Restwachstum (Skelettreife, sogenanntes Risser-Stadium) ein wichtiger Prognosefaktor, weil sich Skoliosen besonders im Wachstumsschub oft schnell verstärken. Innerhalb weniger Monate können bei Heranwachsenden mehrere Grad Cobb hinzukommen. Ein wichtiger Hinweisgeber bei Mädchen ist der Zeitpunkt der ersten Regelblutung, typischerweise Start eines schubhaften Knochenwachstums.

Skoliose: Diagnose und Untersuchung

Bei Verdacht auf Skoliose ist eine Kontrolle beim Orthopäden immer angeraten. Typische Zeichen bei der körperlichen Untersuchung sind ein asymmetrischer Schulterstand, unterschiedlich große Taillendreiecke (Abstände der locker herabhängenden Arme zum Rumpf) und eventuell durch die Verdrehung ein "Rippenbuckel", also eine Vorwölbung der Rippen auf einer Rückenseite. Um eine echte Skoliose von einer bloßen Fehlhaltung zu unterscheiden, prüft der Arzt, ob sich die Wirbelsäulenverkrümmung durch Bewegungen des Patienten (aktiv) oder gegebenenfalls durch haltungskorrigierende Handgriffe (passiv) ausgleichen lässt. Im sogenannten Adams-Test - Vornüberbeugen bei durchgestreckten Knien - zeigen sich bei Skoliose asymmetrische Muskelwülste im Nacken- und Lendenbereich.

Hat sich der Skoliose-Verdacht erhärtet, geht es zum Röntgen (Wirbelsäule frontal und seitlich). Anhand der Röntgenbilder kann der Arzt den Cobb-Winkel und das Krümmungsmuster bestimmen, außerdem mögliche Fehlbildungen oder Wirbelverformungen erkennen und bei Jugendlichen auch die Skelettreife - also das zu erwartende Restwachstum.

Bei festgestellter Skoliose sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen nötig, bei Kindern teils engmaschig alle drei bis sechs Monate - die Häufigkeit richtet sich nach Schweregrad, Wachstumsphase und auch nach der Therapieform.

Behandlungsmöglichkeiten bei Skoliose

Die Behandlung einer Skoliose sollte möglichst rasch nach der Diagnose beginnen. Bei Kindern und jungen Menschen lassen sich vor Abschluss des Wachstums sehr gute Ergebnisse erzielen. Bei leichten Skoliosen ist Physiotherapie das erste Mittel der Wahl und häufig schon ausreichend. In etwas schwereren Fällen wird Kindern zusätzlich ein Korsett verschrieben. In manchen Fällen ist eine Operation unumgänglich.

Physiotherapie-Übungen bei Skoliose

Physiotherapeutische Maßnahmen - insbesondere gezielte Übungen zur Stärkung von Brust-, Bauch- und Rückenmuskulatur - können häufig eine Verschlechterung der Skoliose aufhalten, manchmal sogar die Verkrümmung mindern. Ergänzend sinnvoll ist meist eine Atemtherapie, sie entspannt Muskeln und Seele und fördert die Lungenfunktion. Das Lockern verspannter Muskeln kann auch über Verfahren wie die Manuelle Therapie erfolgen.

Wichtig ist, die Maßnahmen und Übungen lange genug beizubehalten, um den Behandlungserfolg abzusichern. Auch begleitend zu einer Behandlung mit Korsett und nach operativen Maßnahmen sollte unbedingt eine Bewegungstherapie stattfinden.

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Das Skoliose-Korsett - Begleiter in Kindheit und Pubertät

Kinder erhalten bei einem Cobb-Winkel zwischen 20 und etwa 45 Grad in der Regel ein maßgefertigtes Korsett ("Chêneau-Korsett"), eine Art Kunststoff-Panzer. Es richtet den Rumpf über die Atmung auf. Diese sogenannte Orthese muss über einige Monate oder Jahre getragen werden - oft rund um die Uhr, außer zum Duschen. Für viele unangenehm, zudem sind bestimmte Sportarten damit nicht möglich. Doch gute Erfolge sprechen für diese Therapie. Erwachsene profitieren weniger davon, da ihr Knochenwachstum abgeschlossen ist. Allerdings kommen auch bei ihnen manchmal Orthesen zum Einsatz, etwa zum Stabilisieren.

OP bei Skoliose

Reichen die konservativen Therapien nicht aus, kommt eine Operation in Betracht - jedoch frühestens ab dem zehnten Lebensjahr. In Deutschland werden jährlich rund 1.000 Heranwachsende wegen Skoliose operiert. Indiziert ist eine OP bei schweren Skoliosen, wenn die Verkrümmung schnell voranschreitet, wenn Verschleiß oder eine Einsteifung durch Spondylose (Umbau der Wirbelkörper) droht oder wenn die Funktion innerer Organe eingeschränkt wird.

Während bei Erwachsenen Wirbelsäulenabschnitte ausgerichtet und dann versteift werden, brauchen Kinder spezielle Systeme, die die Wirbelsäule nicht am Wachsen hindern. Das sind zum Beispiel Titanstäbe, die man an Rippe und Wirbel anbringt - alle vier bis sechs Monate müssen sie in einem kleinen Eingriff verlängert werden. Neuere Formen dieser Stäbe haben einen kleinen ferngesteuerten Motor und wachsen mit ("growing rods"). Ein anderes modernes Verfahren ist die Wirbelsäulenklammerung, die das Wachstum der Wirbelsäule gezielt in einzelnen Bereichen abbremst (nur bei leichteren Fällen).

Schmerzen lindern

Eine Schmerzbehandlung ist immer sinnvoll, wenn die Verkrümmung mit Rückenschmerzen einhergeht - denn die Schmerzen führen wiederum zu Fehlhaltungen und weiteren Verspannungen.

Dieses Thema im Programm:

Die Bewegungs-Docs | 28.10.2019 | 21:00 Uhr

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