Stand: 26.09.2017 10:38 Uhr  | Archiv

Prostatakrebs: Bestrahlung risikoärmer als OP

Abstrakte 3D-Darstellung der Prostata. © fotolia Foto: magicmine
Nicht immer muss die Prostata bei einer Krebserkrankung entfernt werden.

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebsart bei Männern und die dritthäufigste Krebstodesursache in den westlichen Industrieländern. Wird Prostatakrebs rechtzeitig erkannt, sind die Heilungschancen groß. Lange Zeit galt die Entfernung der Prostata (Prostatektomie) als Standardtherapie. Studien haben jedoch gezeigt, dass eine Strahlentherapie in bestimmten Fällen ähnlich effektiv ist wie eine Operation. Das Risiko für Nebenwirkungen wie Inkontinenz und Erektionsstörungen erwiesen sich bei der Strahlentherapie als deutlich geringer.

Wann eine Strahlentherapie sinnvoll ist

Bei Prostatakrebs richtet sich die Auswahl der Therapie danach, wie weit der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose fortgeschritten ist und wie schnell er sich ausbreitet: Ist der Tumor auf die Prostata begrenzt? Hat er bereits umgebendes Gewebe befallen oder Metastasen in anderen Organen gebildet? Auch das Alter und Begleiterkrankungen spielen für die Therapie eine wichtige Rolle. In einigen Fällen muss nicht einmal sofort mit einer Behandlung begonnen werden. Die Strahlentherapie eignet sich nach Expertenmeinung vor allem für ältere Männer.

  • Wenn der Tumor auf die Prostata begrenzt ist und noch keine Metastasen gebildet hat, sind die Heilungschancen bei einer Bestrahlung als Ersttherapie ähnlich wie bei einer Operation.
  • In fortgeschrittenem Stadium kann die Strahlentherapie insbesondere bei Metastasen im Knochenmark dazu beitragen, tumorbedingte Beschwerden zu lindern. Das Ziel ist dann, das Fortschreiten der Erkrankung sowie die Bildung von Metastasen zu verhindern.

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Prof. Robert Hermann im Gespräch bei "Visite".

Chat-Protokoll zum Thema Prostatakrebs

In bestimmten Fällen kann eine Strahlentherapie gegen Prostatakrebs helfen. Prof. Robert Hermann hat im Visite-Chat Fragen dazu beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen. mehr

So funktioniert die Strahlentherapie

Bei der sogenannten perkutanen Strahlentherapie wird radioaktive Strahlung von außen durch die Haut direkt auf den Tumor gerichtet. Dadurch werden die Zellkerne der Krebszellen so stark geschädigt, dass sie sich nicht mehr teilen können und die entarteten Zellen zugrunde gehen.

Die Strahlendosis und das Strahlenfeld werden mit dem Computer berechnet. Zur Planung des Strahlenfeldes wird die Prostata mit Hilfe einer Computertomographie vermessen und abgebildet. Die Strahlen werden dann von mehreren Seiten aus genau auf den Tumor gerichtet, sodass möglichst viel umliegendes gesundes Gewebe geschont wird.

Um die einzelnen Strahlendosen möglichst gering zu halten, erfolgt die Bestrahlung in Einzelsitzungen über mehrere Wochen hinweg. Eine Sitzung dauert nur wenige Sekunden bis Minuten.

Nebenwirkungen der Strahlentherapie

Die meisten Männer vertragen die Bestrahlung der Prostata gut. Allerdings ist auch diese Therapie nicht völlig ohne Nebenwirkungen:

  • Zu den akuten Folgen der Bestrahlung gehören Rötungen der Haut, Entzündungen der Schleimhäute der Harnblase, der Harnröhre und des Enddarms. Die Folgen sind Durchfälle und Missempfindungen beim Wasserlassen. Die Beschwerden klingen jedoch nach Ende der Therapie bei den meisten Betroffenen rasch wieder ab.
  • Das Risiko für Inkontinenz und Erektionsstörungen ist deutlich geringer als nach einer radikalen Operation.

Studien haben gezeigt, dass sechs Jahre nach einer Operation 17 Prozent der Operierten inkontinent waren, nach einer Strahlentherapie waren es nur vier Prozent. Und während bei den Operierten nur jeder fünfte eine stabile Erektion hat, ist es bei den Bestrahlten immerhin jeder dritte. Erfahrungsgemäß sind potenzsteigernde Medikamente wie Viagra nach einer Strahlenbehandlung effektiver als nach Operation.

Prostatakrebs frühzeitig erkennen

Zur Früherkennung von Prostatakrebs wird Männern ab dem 45. Lebensjahr eine jährliche Untersuchung empfohlen. Dabei tastet der Arzt die Prostata über den Enddarm ab und ermittelt den Wert des prostataspezifischen Antigens PSA im Blut.

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