Stand: 19.09.2016 15:51 Uhr  | Archiv

Probleme mit Herzschrittmachern

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Im Röntgenbild ist der Schrittmacher klar und deutlich zu erkennen.

Implantierte Herzschrittmacher sind seit mehr als 50 Jahren für viele Patienten mit Herzrhythmusstörungen eine hilfreiche, nicht selten sogar lebensrettende Therapie. Die heutigen Geräte sind kaum größer als eine Zwei-Euro-Münze und enthalten einen Mini-Computer, der über dünne Drähte den Herzrhythmus registriert, auswertet und bei Bedarf mit gezielten Stromstößen den Herzmuskel zum Schlagen antreibt. Über spezielle Sensoren registrieren einige Systeme Atmung und Bewegung, sollen so den Herzschlag zum Beispiel bei sportlicher Belastung automatisch erhöhen.

Elektrische Impulse für den richtigen Herzmuskel-Takt

Der eigentliche Schrittmacher wird in örtlicher Betäubung unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut gepflanzt und mit flexiblen Sonden verbunden, die zuvor über die Venen bis ins Herz geschoben und dort verankert wurden. Über sie schickt der Schrittmacher seine schwachen elektrischen Impulse ins Herz, die den Herzmuskel wieder in den richtigen Takt bringen sollen. Das funktioniert meist problemlos, doch in etwa zehn Prozent der Fälle kommt es zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Herzklopfen, Missempfindungen oder starken Schmerzen. In solchen Fällen muss die Einstellung des eingepflanzten Gerätes überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Bei mangelnder Isolierung kann der Kriechstrom fließen

Moderne Schrittmachersysteme lassen sich jederzeit von außen kontrollieren und sogar neu programmieren, wenn die Standardeinstellungen nicht gut funktionieren. Oft genügt eine Taktveränderung um einige Millisekunden, um die Funktion zu verbessern und Nebenwirkungen zu beseitigen. Löst der Schrittmacherimpuls immer wieder ein unwillkürliches Schulterzucken aus, kann das an einer mangelnden Isolierung der Verbindungsstelle von Schrittmacher und Sondenkabel liegen: Hier kann unter der Oberfläche ein sogenannter Kriechstrom entstehen, der im Rhythmus des Schrittmachers auch den Brustmuskel stimuliert und so das unangenehme Schulterzucken auslöst. Dieses Phänomen tritt auf, wenn die elektrische Energie aus dem Schrittmacher (Minus-Pol) zur Sondenspitze (Plus-Pol) und durch das Gewebe zurück zum Schrittmacher fließt.

Bei modernen Schrittmachern lässt sich das Kriechstrom-Problem in der Regel durch eine Programmänderung beheben, denn es gibt neben der als Plus-Pol arbeitenden Elektrode in der Sondenspitze eine zweite Elektrode, die über ein Kabel mit dem Schrittmacher verbunden ist. Nach der Neuprogrammierung fließt der Strom nur noch in der Sondenspitze und schließt dort den Stromkreis. Kardiologen sprechen dabei von einer bipolaren Stimulation.

Gründliche Untersuchungen notwendig

Bevor ein Herzschrittmacher eingesetzt wird, sind gründliche Untersuchungen mit EKG, Langzeit-EKG und Herzecho erforderlich. Treten bei dem Patienten gleichzeitig Pausen im EKG und Beschwerden auf, ist ein Schrittmacher die nahe liegende Lösung. Noch während der Operation wird der Schrittmacher möglichst optimal eingestellt. Der Patient bekommt einen Schrittmacherausweis, den er ständig bei sich tragen sollte, und wird dann zu regelmäßigen Kontrollen einbestellt. Erstmals einen Monat nach dem Eingriff, dann nach drei Monaten, nach sechs Monaten und schließlich jährlich. Bei den Kontrollterminen werden neben einer Ultraschalluntersuchung des Herzens die Funktion und die Batterieladung des Herzschrittmachers überprüft. Dafür legt der Arzt einen Programmierkopf auf die Haut über dem Schrittmacher, der die Daten durch die Haut auffängt und überträgt. Einige Gerätetypen speichern sogar die Informationen über den Herzrhythmus ab und übertragen sie per Funk über ein Zugangsgerät am Telefon an den Arzt, der Störungen so bereits aus der Ferne erkennen kann. So lassen sich die Abstände zwischen den Kontrolluntersuchungen verlängern.

Schrittmacher "leben" fünf bis zehn Jahre

Moderne Schrittmacher haben eine Lebensdauer von fünf bis zehn Jahren, abhängig davon, wie oft sie Stromstöße abgeben müssen. Ist die Batterie nahezu leer, muss der Schrittmacher ausgewechselt werden. Intakte Elektroden können dabei im Herzen verbleiben und an den neuen Schrittmacher angeschlossen werden. Da die Programmierung und Kontrolle der modernen Schrittmachersysteme immer aufwendiger und anspruchsvoller geworden sind, sollten sich Patienten möglichst genügend Zeit nehmen, eine geeignete Klinik für die Behandlung zu finden. Das ist meist möglich, denn ein langsamer Herzschlag beeinträchtigt zwar die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit, ist aber kein lebensbedrohender Notfall, der sofort behandelt werden müsste.

Interviewpartner im Studio:

Dr. Claudius Hansen, Innere Medizin, Kardiologie, Elektrophysiologie
Herz- & Gefäßzentrum am Krankenhaus Neu-Bethlehem
Humboldtallee 6, 37073 Göttingen
Tel. (0551) 48 87 00
Internet: www.hgz-goettingen.de

Weitere Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Bockenheimer Landstraße 94-96, 60323 Frankfurt/Main
Tel. (069) 955 12 80, Fax (069) 955 12 83 13
Internet: www.herzstiftung.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 20.09.2016 | 20:15 Uhr

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