Stand: 14.05.2019 12:13 Uhr  | Archiv

Plötzliche Ohnmacht: Nicht immer harmlos

Jeder Dritte erlebt im Laufe seines Lebens eine Ohnmacht (Synkope). Oft ist die Ursache eine harmlose Fehlregulation des Kreislaufs. Doch in jedem fünften Fall steckt eine ernste Krankheit dahinter, zum Beispiel eine Störung der Herzfunktion oder eine neurologische Erkrankung wie ein Schlaganfall oder eine Epilepsie. Ob eine Ohnmacht harmlos oder gefährlich ist, lässt sich oft nur schwer unterscheiden. Viele Ärzte nehmen sich nach Einschätzung von Experten nicht genügend Zeit, die Ursachen dafür herauszufinden.

Häufigste Ursachen einer Ohnmacht sind:

  • Reflexe wie Angst, Schmerz oder auch Nerven-Reaktionen beim Entleeren der Blase: harmlos.
  • Blutdruckschwankungen, zum Beispiel beim Aufstehen: harmlos.
  • Neurologische Ursachen wie zu enge Hals- und Hirngefäße, die die Durchblutung behindern, oder eine unerkannte Epilepsie: ernst zu nehmen.
  • Herzprobleme wie Herzklappenerkrankungen oder Herzrhythmusstörungen: ernst zu nehmen.

Symptome der Ohnmacht: Kreislauf oder Herz?

Eine Synkope ist für Ärzte eine diagnostische Herausforderung. Denn oft sind nach einer plötzlichen Ohnmacht das EKG und die Blutwerte völlig in Ordnung. Die unterschiedlichen Symptome bei kreislaufbedingter und herzbedingter (kardialer) Ohnmacht:

  • Eine kreislaufbedingte Ohnmacht kann mit Vorboten wie Sehstörungen, einem komischen Gefühl im Bauch, Kribbeln im Körper, Knacken und Rauschen im Ohr, Übelkeit und leichten Zuckungen einhergehen. Oft wird sie fälschlicherweise für eine Epilepsie gehalten. Sie kommt schnell und dauert nur kurz an. Danach sind die Patienten wieder fit.
  • Eine kardiale Ohnmacht tritt meist ohne Vorboten auf. Der Blutdruck sackt ab und mitunter bleibt das Herz sogar für mehrere Sekunden stehen. Eine Ohnmacht, die in einen Herzstillstand übergeht, ist lebensgefährlich.

Fehlregulation des Kreislaufs

Ursache einer kreislaufbedingten Ohnmacht ist meist ein zu niedriger Blutdruck (Hypotonie), vor allem bei großen und schlanken Menschen. Ausgelöst wird diese Form der Ohnmacht zum Beispiel durch einen heftigen Schreck, Luftdruckschwankungen oder den Anblick von Blut. Ob es sich um kreislaufbedingte Ohnmachten handelt, können Ärzte mit dem sogenannten Schellong-Test herausfinden: Dabei liegen Betroffene auf einem Kipptisch, der abrupt aufgerichtet wird. Vor und nach dem Lagewechsel misst der Arzt misst Blutdruck und Puls. Steigt der Puls stark, ist das ein Hinweis auf eine kreislaufbedingte Ohnmacht.

Störung der Herzfunktion

Die Ursachen für eine gestörte Herzfunktion sind zum Beispiel Herzrhythmusstörungen, eine Verengung der Aortenklappen, Schäden an den Herzkranzgefäßen oder am Herzmuskel. Bei wiederholten Ohnmachtsanfällen setzen Ärzte einen sogenannten Eventrekorder ein: Das Gerät wird unter örtlicher Betäubung unterhalb des Brustbeins unter die Haut geschoben und zeichnet danach drei Jahre lang die Herztätigkeit auf. Bei Auffälligkeiten funkt das Gerät die Daten an die behandelnden Ärzte. So lassen sich auch seltene Herzschäden entdecken und behandeln.

Zu schneller Herzschlag gefährlicher als zu langsamer

Schlägt das Herz mehr als 180 Mal in der Minute, ist das lebensgefährlich, denn das Herz hat dann nicht genügend Zeit, sich wieder zu füllen. Das kann ebenso zu Synkopen führen wie ein zu langsamer Herzschlag, ist aber ungleich gefährlicher. Eine solche ventrikuläre Tachykardie wird mit Medikamenten behandelt, mit einer Kardioversion (Neustart des Herzens durch Elektroschock) oder nachhaltig mit einer Katheterablation. Bei langsamen Herzrhythmusstörungen wird dagegen in der Regel ein Herzschrittmacher eingesetzt.

Kreislaufbedingter Ohnmacht vorbeugen

Ist eine Schädigung des Herzens als Ursache ausgeschlossen, kann man einer kreislaufbedingten Ohnmacht mit diesen Maßnahmen vorbeugen:

  • Regelmäßige Bewegung - am besten einmal täglich 15 bis 30 Minuten an der frischen Luft. Auch Saunagänge und abwechselnd warme und kalte Duschen können den Kreislauf in Schwung bringen. Wer lange stehen muss, kann das Absacken des Blutes in die Beine durch das Anlegen von Kompressionsstrümpfen verhindern.
  • Leichte Ernährung, zum Beispiel mit Muntermachern wie Wasser, Saftschorlen und Kräutertees. Davon mindestens 2 bis 2,5 Liter pro Tag trinken. Eine Tasse Kaffee kurbelt den Kreislauf nur vorübergehend an. Schwere oder fetthaltige Speisen meiden. Ausreichend Salz essen - aber maximal sechs Gramm pro Tag.
  • Bei häufigen Symptomen können spezielle Medikamente (Alpha-Agonisten) den Blutdruck anheben.
  • Isometrische Übungen dienen zur Vorbeugung, können aber auch eine akut drohende Ohnmacht oft noch verhindern: Im Stehen die Beine kreuzen, dabei Bein-, Bauch- und Gesäßmuskeln anspannen. Danach mit einer Hand die andere greifen und in Brusthöhe mit beiden Armen in die Gegenrichtung ziehen. Zum Schluss einen Gummiball oder anderen Gegenstand in die Hand nehmen und kräftig drücken.

Experten zum Thema

Prof. Dr. Joachim Weil, Chefarzt
Medizinische Klinik II - Kardiologie und Angiologie
Herz- und Gefäßzentrum
Sana Kliniken Lübeck
Kronsforder Allee 71-73
23560 Lübeck
Tel.: (0451) 585-16 81
Internet: www.sana-luebeck.de

Dr. Britta Goldmann, Chefärztin
Kardiologie
Asklepios Klinikum Harburg
Eißendorfer Pferdeweg 52
21075 Hamburg
Tel.: (040) 18 18-86 22 15
Internet: www.asklepios.de

Dr. Frauke Wehage, Oberärztin
Neurologie
Asklepios Klinikum Harburg
Eißendorfer Pferdeweg 52
21075 Hamburg
Tel.: (040) 18 18-86 26 45
Internet: www.asklepios.com

Weitere Informationen:
Pocket-Leitlinie: Diagnose und Management von Synkope (Version 2018)

Deutsche Herzstiftung e.V.
Bockenheimer Landstraße 94-96, 60323 Frankfurt/Main
Tel. (069) 955 12 80, Fax (069) 955 12 83 13
Internet: www.herzstiftung.de

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Visite | 14.05.2019 | 20:15 Uhr

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