Stand: 11.10.2016 12:12 Uhr

Pfeiffersches Drüsenfieber: Oft nicht erkannt

Ärztin untersucht Hals eines Mannes © Imago
Starke Halsschmerzen und geschwollene Lymphknoten können ein Hinweis auf Pfeiffersches Drüsenfieber sein.

Das Pfeiffersche Drüsenfieber wird auch "Kuss-Krankheit" genannt. Sie wird durch das sogenannte Epstein-Barr-Virus (EBV) verursacht, das vor allem beim Küssen übertragen wird. Obwohl fast 90 Prozent der Bevölkerung das Virus in sich tragen, tritt das Pfeiffersche Drüsenfieber vor allem bei jungen Leuten auf.

Symptome: Weißer Schorf im roten Rachen

Meist verläuft die Infektion harmlos. Doch einige Patienten trifft das Pfeiffersche Drüsenfieber so hart, dass ein Klinikaufenthalt nötig werden kann: Sie leiden unter hohem Fieber und starken Halsschmerzen. Lymphknoten und Mandeln sind so stark geschwollen, dass Schlucken kaum noch möglich ist. Typisch für ein Pfeiffersches Drüsenfieber ist ein weißlicher Schorf im geröteten Rachen und auf den geschwollenen Mandeln.

Zu Beginn ähnelt das Pfeiffersche Drüsenfieber einem grippalen Infekt. Doch dann geht es den Erkrankten immer schlechter: Sie fühlen sich schlapp, können vor Halsschmerzen kaum noch schlucken, geschweige denn essen oder trinken. Auch Schmerzmittel können dagegen nichts mehr ausrichten.

Pfeiffersches Drüsenfieber ist hoch ansteckend

Husten, Niesen oder Küssen genügen, um Epstein-Barr-Viren zu übertragen. Sie gelangen durch den Mund ins Körperinnere, sammeln sich im Speichel und docken schließlich an den Schleimhautzellen im Rachen an - die einzigen Zellen, in die das Virus eindringen und sich dort vermehren kann. 

Nach einer Inkubationszeit von zwei bis sechs Wochen werden Epstein-Barr-Viren im Körper aktiv. In dieser Phase verwechseln Ärzte das Pfeiffersche Drüsenfieber oft mit einer Mandelentzündung oder Angina, weil die Beläge auf den Mandeln ähnlich aussehen.

Wie gefährlich ist das Drüsenfieber?

Ausgehend von den Mandeln vermehren sich die Viren im ganzen Körper. Sie befallen Milz und Leber, die im schlimmsten Fall stark anschwellen und sogar platzen können. Das kann zu einer schweren Blutung im Bauchraum führen.

Behandlung: Infusionen und Schmerzmittel

Behandelt wird das Pfeiffersche Drüsenfieber meistens nur mit schmerzstillenden Medikamenten und viel Flüssigkeit. Bei durch Bakterien verursachten Sekundärinfektionen werden Antibiotika-Infusionen gegeben. Sobald die Symptome abgeklungen sind, sollten Erkrankte vier bis sechs Wochen engen Kontakt mit anderen Menschen meiden, um die Viren nicht weiterzugeben. Außerdem müssen sie vier Monate auf Alkohol verzichten und jede Anstrengung vermeiden, um Leber und Milz zu schonen.

Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Robert Mlynski, Klinikdirektor
Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie "Otto Körner" der Universitätsmedizin Rostock
Doberaner Straße 137-139, 18057 Rostock
Internet: www.hno.med.uni-rostock.de

Weitere Informationen:
Infoportal zu Pfeifferschem Drüsenfieber und chronischen EBV-Infektionen
Internet: www.epstein-barr-virus24.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 11.10.2016 | 20:15 Uhr

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