Stand: 27.02.2017 15:11 Uhr  | Archiv

Neuer Herzschrittmacher im Mini-Format

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Über die Vene kann dieser Schrittmacher eingeführt werden.

Herzschrittmacher sind eine große Errungenschaft der Medizin. Die elektrischen Taktgeber und Lebensretter werden schon seit über 50 Jahren Patienten mit Herzrhythmusstörungen eingepflanzt. Die Entwicklung geht immer weiter. Die Geräte einer neuen Generation von sogenannten Mini-Herzschrittmachern sind nur noch so groß wie eine Schreibstiftkappe und können damit direkt am Herzmuskel angebracht werden.

Einsatz ohne Hautschnitt

Herkömmliche Schrittmacher werden in einer kleinen Operation am Oberkörper, meist unterhalb des Schlüsselbeins, in eine Tasche unter der Haut platziert. Die Verbindung mit dem Herzen erfolgt über Kabelsonden, die durch die Venen des Oberkörpers verlaufen. Mit den neuen Geräten fallen damit verbundene Komplikationen weg, wie zum Beispiel eine Infektion dieser Schrittmachertasche oder ein Verschleiß der Sonden. Ein weiterer Vorteil: Die Schrittmacher im Kleinstformat können ohne Hautschnitt am Oberkörper über die Venen der Leiste per Katheter bis ins Herz geschoben werden. Dort angekommen, verankern sich feine Metallärmchen im Muskel und sorgen so für den nötigen Halt.

Während es bei einem anderen Test-Modell mit einer Schraubverankerung zu einzelnen schweren Komplikationen beim Befestigen in der Herzwand kam, erwies sich die Technik mit den Halteärmchen in Studien an über 800 Patienten als sicher und erfolgreich. Dennoch ist es möglich, dass bei der Implantation Schäden am Herzmuskel entstehen oder dass sich die Halterung löst. Einmal eingesetzt, hält die Batterie eines Mini-Schrittmachers rund zehn Jahre. Danach soll einfach ein neuer danebengesetzt werden.

Mini-Schrittmacher bislang nur für wenige Patienten geeignet

Allerdings können die neuen Mini-Taktgeber bislang nur eine Herzkammer stimulieren. Viele Patienten brauchen aber eine Stimulation an zwei und mehr Stellen im Herzen. Deshalb kommt die neue Technik derzeit nur für wenige Patienten infrage, zum Beispiel bei zu langsamem Herzschlag durch Vorhofflimmern. Die neuen Geräte sind zurzeit mit etwa 10.000 Euro noch sehr teuer, während herkömmliche Einkammer-Schrittmacher mit 800 Euro deutlich günstiger sind.

Dennoch setzten einige wenige Klinken in Deutschland bereits neue Mini-Herzschrittmacher bei ausgewählten Patienten ein, insbesondere wenn eine Versorgung mit der herkömmlichen Sonden-Technik durch Venenverschlüsse im Brustkorb nicht möglich ist oder ein besonders großes Risiko für Kabelkomplikationen besteht.    

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Visite | 28.02.2017 | 20:15 Uhr

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