Sendedatum: 22.04.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Nach Gelenkersatz schnell wieder fit

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Je kürzer eine Gelenkersatz-OP ist, desto schonender ist er für den Patienten.

Mit einem neuen Reha-Konzept, das bereits vor der Operation ansetzt, sorgen Orthopäden dafür, dass Patienten mit einem Gelenkersatz schneller wieder fit werden. In den Wochen vor der OP stärkt ein tägliches spezielles Training den Kreislauf und die Muskulatur der Patienten ganz gezielt und bereitet sie so optimal auf den Eingriff vor.

Stärkung der Muskulatur wichtig

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Eine halbe Stunde pro Tag sollte man bereits Wochen vor einer Gelenkersatz-OP die Muskulatur trainieren.

Die Übungen sind einfach, aber sehr wirkungsvoll: Der Patient steht zum Beispiel auf einem Bein, setzt den anderen Fuß vor und zurück - 20 Mal. Das ist in der kaputten Hüfte zwar unangenehm, für den Muskelaufbau aber erforderlich. Sehr wichtig ist die Stärkung des Oberschenkelmuskels: Dafür setzt sich der Patient in einen Sessel und streckt im Sitzen die lang gestreckten Beine einfach gerade nach vorn. Eine effektive Schmerztherapie sorgt dafür, dass der Patient die notwendigen Übungen auch schmerzfrei durchführen kann.

Insgesamt dauert das Vorbereitungstraining etwa eine halbe Stunde pro Tag. Dabei wird auch das Laufen an Gehstützen geübt - das hilft direkt nach der Operation, die Muskeln zu koordinieren und wieder richtig in Gang zu kommen. In einem Patientenkurs werden Fragen zur Belastbarkeit des künstlichen Gelenks, zur Hilfsbedürftigkeit nach der Operation, zu Risiken und organisatorische Fragen rund um Operation und Reha bereits im Vorfeld geklärt.

Schnelle Mobilisation

Auch medizinisch hat sich einiges verändert: Während die Patienten früher nach der Operation zwei Tage strikte Bettruhe verordnet bekamen, stehen sie heute bereits nach einigen Stunden das erste Mal auf. Auch die früher üblichen Schläuche, Drainagen und Katheter bleiben den Patienten in der Regel erspart, denn die führen eher zu Infektionen und schränken die Bewegungsfreiheit ein. Das Absaugen von Blutergüssen hat sich mittlerweile als unnötig erwiesen und gefährdet eher die Wundheilung. Der Patient darf sich im Bett nach der Operation nach Belieben bewegen, auf die Seite, auf den Bauch legen. Eine Auskugelung des Kunstgelenkes ist dabei nicht zu befürchten.

Die früher üblichen 48 Stunden strenger Bettruhe nach einer OP führten eher zu Komplikationen, denn Kreislauf und Stoffwechsel mussten danach mühevoll aktiviert werden, die Patienten konnten sich wundliegen. Ältere oder geschwächte Patienten bekamen nicht selten eine gefährliche Lungenentzündung.

Feste Standards für die OP

Die Operation selbst verläuft heute nach festen Standards. Das hält die Fehlerquote niedrig und die Operationszeit kurz. Je kürzer der Eingriff ist, desto schonender ist er für den Patienten. Statt der früher üblichen Vollnarkose wird heute meist die besser verträgliche Rückenmarksnarkose mit einem Schlafmittel angewendet. Noch während der Operation werden die Wunden mit schmerzstillenden Medikamenten behandelt.

Individuelle Schmerztherapie unterstützt Bewegungstherapie

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Der Auftrieb des Wassers reduziert die Belastung für das neue Gelenk.

Noch am Tag der Operation geht der Patient die ersten Schritte mit seiner neuen Hüfte. Dabei stehen ihm die Physiotherapeuten und ein Gehwagen unterstützend zur Seite. Bereits am zweiten Tag beginnt das Training mit den Gehstützen, sodass die Patienten schnell wieder selbstständig mobil sind. Sogenannte dynamische adaptierte Wunderbände sorgen dafür, dass die Wunde auch ohne Ruhepause gut heilen kann. Eine effektive individuelle Schmerztherapie stellt sicher, dass keine unnötigen Schmerzen die Übungen behindern.

Nach 14 Tagen können die Patienten in der Regel bereits ohne Hilfe im Bewegungsbad gehen. Denn durch den Auftrieb des Wassers halbiert sich das Körpergewicht. Sie lernen auf dem operierten Bein zu stehen, das Gleichgewicht zu halten, Bauch und Po anzuspannen. Auch Fahrradfahren ist Tage nach einer Hüft-OP kein Problem, denn der Sattel trägt den größten Teil des Körpergewichts - die Hüfte wird so entlastet.

Interviewpartner im Beitrag:

Im Studio:
Dr. Horst Danner, Leitender Arzt der Stationären Orthopädie und der Ambulanten Orthopädischen Rehabilitation
RehaCentrum Hamburg
Heidenkampsweg 41
20097 Hamburg
Tel. (040) 253 06 30
Fax (040) 253 06 33 99
Internet: www.rehahamburg.de

Im Beitrag:

Dr. Karl Christian Westphal
Orthopädischer Chirurg
Maike Schwager, Physiotherapeutin
Schön Klinik Neustadt
Am Kiebitzberg 10
23730 Neustadt in Holstein
Tel. (04561) 540
Internet: www.schoen-kliniken.de

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Visite | 22.04.2014 | 20:15 Uhr

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