Stand: 25.11.2019 14:57 Uhr  | Archiv

Wenn das Immunsystem die Muskulatur angreift

Schematische Darstellung der Thymusdrüse © panthermedia Foto: Cliparea
Die Thymusdrüse könnte eine Rolle bei der Entstehung der Myasthenia gravis spielen.

Die Myasthenia gravis ("schwere Muskelschwäche") ist eine seltene, belastungsabhängige Muskelschwäche, die auf eine fehlgesteuerte Immunreaktion gegen die körpereigene Muskulatur zurückzuführen ist. Typisch ist, dass die Muskelschwäche nach einer Belastung auftritt und sich in Ruhe wieder bessert. Die Erkrankung kann bereits im Kindesalter auftreten und betrifft häufiger Frauen als Männer, die in der Regel später erkranken - meist im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Die Myasthenia gravis ist nicht ansteckend und tritt extrem selten familiär gehäuft auf.

Entstehung

Bei der Myasthenia gravis greift die körpereigene Immunabwehr die Muskulatur an. Dadurch ist die Reizübertragung vom Nerv auf die Muskeln gestört. Eine Rolle bei der Entstehung der Krankheit spielt die sogenannte Thymusdrüse: Sie befindet sich hinter dem Brustbein und ist in der Kindheit für die Entwicklung der Immunzellen zuständig. Im späteren Leben verliert sie diese Bedeutung. Bei bis zu 80 Prozent der Erkrankten ist die Thymusdrüse vergrößert (Thymushyperplasie), in einigen Fällen handelt es sich sogar um einen gutartigen Tumor.

Symptome

Erste Symptome sind oft Sehstörungen bei Müdigkeit, vor allem wechselnde Doppelbilder, und schwere Oberlider. Später breitet sich die Muskelschwäche auf andere Muskelgruppen wie die Sprech-, Schluck- und mimische Muskulatur aus. In einer späteren Phase können alle willkürlich bewegten Muskeln einschließlich der Atemmuskulatur betroffen sein.

Weitere Symptome sind

  • Schweregefühl des Kopfes
  • Atemnot bei Belastung
  • zunehmende Schwäche beim Treppensteigen

Die Symptome werden in der Regel bei Anstrengung stärker und sind abends ausgeprägter als morgens. Nach einer Erholungsphase lassen die Beschwerden nach. Zu einer Zunahme der Symptome führen

  • seelische Belastung
  • Schlafmangel
  • Alkohol
  • Fieber
  • grippale Infekte

Diagnostik

Eine Myasthenia gravis lässt sich mit einer Reihe von Untersuchungen nachweisen:

  • Labortests (Tensilon-Test, Anti-Acetylcholinesterase-Rezeptor-Antikörper, Antikörper gegen Titin und Tyrosinkinase)
  • elektrophysiologische Untersuchungen (Einzelfaser-Elektromyografie, Serienstimulation)
  • bildgebende Verfahren (CT oder MRT des Brustraums)

Therapie

Die Erkrankung verläuft dank effektiver Therapien in der Regel günstig und beeinträchtigt die Lebenserwartung nicht. Die meisten Betroffenen können ein weitgehend normales Leben führen und ihren Beruf ausüben. Allerdings ist ihre körperliche Belastbarkeit meist in unterschiedlichem Maße eingeschränkt. Bausteine der Therapie:

  • Sogenannte Cholinesterasehemmer wie Pyridostigmin oder Prostigmin hemmen den Abbau des Botenstoffes Acetylcholin und verstärken so die Nervenimpulse.

  • Kortison und Immunsuppressiva wie Azathioprin dämpfen die Angriffe des Immunsystems auf die Muskulatur.

Welche Medikamente wann und in welcher Dosierung eingesetzt werden, ist individuell unterschiedlich und richtet sich nach der Ausprägung der Symptome.

In frühen Krankheitsphasen kann die operative Entfernung der Thymusdrüse (Thymektomie) sinnvoll sein.

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Experten zum Thema

Ilona Sahlmann, Fachärztin für Innere Medizin und Notfallmedizin
Mittelstraße 61 b
45549 Sprockhövel
www.praxis-marsenic-sahlmann.de

Dr. Jakub Welnic, Facharzt für Neurologie
Hauptstraße 68
45549 Sprockhövel
www.neurologie-sprockhoevel.de

Prof. Dr. Min-Suk Yoon, Chefarzt
Dr. Elke Frombach, Oberärztin
Klinik für Neurologie und Stroke Unit
Evangelisches Krankenhaus Hattingen
Bredenscheider Straße 54
45525 Hattingen
(02324) 502-67 61
www.augusta-bochum.de

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