Morbus Cushing: Wenn Stresshormone krank machen

Stand: 22.02.2022 12:06 Uhr

Menschen, die unter Morbus Cushing leiden, nehmen an Gewicht zu, auch wenn sie sich gesund ernähren und Sport treiben. Ein Hormon ist schuld.

von Volker Präkelt

Eine unerklärliche Gewichtszunahme trotz Sport und gesunder Ernährung, gepaart mit Bluthochdruck, kann auf eine krankhaft gesteigerte Produktion des Hormons Kortisol in der Nebenniere hindeuten. Da sich die Symptome oft schleichend entwickeln, dauert es häufig lange, bis die richtige Diagnose gefunden wird. Für die auch als Morbus Cushing bezeichnete Erkrankung ist in den allermeisten Fällen ein gutartiger Tumor in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) verantwortlich, der zu viel Adrenokortikotropes Hormon (ACTH) produziert. Dieses Hormon regt wiederum die Kortisolproduktion in der Nebenniere an, der Kortisolspiegel im Blut steigt.

Cushing-Syndrom: Welche Symptome sind typisch?

Das Cushing-Syndrom zeigt sich durch Wassereinlagerungen in den Beinen, eine Gewichtszunahme, die sich vor allem im Bereich des Körperstammes und im Gesicht ("Vollmondgesicht", "Hamsterbacken") auswirkt, sowie nicht selten auch durch Dehnungsstreifen (Striae rubrae), unreine Haut und Damenbart.

Im weiteren Verlauf entwickelt sich ein Stiernacken, die Haut wird pergamentartig dünn und wirkt ungepflegt, immer häufiger kommt es zu Blutergüssen, die Haare werden dünner, Wunden heilen schlechter. Auch das Ausbleiben der monatlichen Regelblutung kann eine Folge der erhöhten Kortisolproduktion sein.

Häufig kommt es zu einem Verlust an Muskelkraft, vor allem im Bereich der Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur, sowie einem Abbau der Knochenmasse (Osteoporose). Auch seelische Probleme wie Depressivität, Kreislauf- und Stoffwechselstörungen (zum Beispiel Diabetes) können Folge des erhöhten Kortisolspiegels sein.

Erster Diagnoseschritt: Urinuntersuchung

Die Diagnose des Cushing-Syndroms erfolgt zunächst über den Nachweis von Kortisol im Sammelurin über 24 Stunden und durch den Kortisolspiegel im Blut. Klarheit bringt der sogenannte Dexamethasontest: Dabei schluckt der Patient zunächst eine kortisolhaltige Tablette. Wäre die Hypophyse gesund, müsste sie darauf mit einer verringerten Kortisolausschüttung in den nächsten 24 Stunden reagieren. Ist weiter zu viel Kortisol nachweisbar, ist das ein erster Hinweis auf eine Cushing-Erkrankung. Eine Kernspintomographie kann den ursächlichen Tumor in der Hirnanhangsdrüse nachweisen.

Hypophysentumor wird operativ entfernt

Therapie der Wahl ist die mikrochirurgische Entfernung des Hypophysentumors. Dabei operieren die Neurochirurgen mit endoskopischen Werkzeugen durch die Nase. In hartnäckigen Fällen kann eine zusätzliche Bestrahlung der Hypophyse notwendig sein. Auch nach einer erfolgreichen Behandlung dauert es oft lange, bis sich die Funktionen der Hirnanhangdrüse und Nebenniere wieder erholt haben.

Ist der Tumor nicht operabel, bleibt als letzter Ausweg die Entfernung der Nebennieren, um den fortwährenden Kortisol-Überschuss ein für allemal zu stoppen.

Für den Patienten bedeutet das im Anschluss eine lebenslange Therapie mit Kortisol-Tabletten, um den Körper mit dem lebensnotwendigen Hormon in der richtigen Dosierung zu versorgen.

 

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Visite | 22.02.2022 | 20:15 Uhr

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