Stand: 02.05.2017 10:11 Uhr  | Archiv

Mit Osteopathie Schmerzen lindern

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Mit Fingespitzengefühl versuchen Osteopathen, den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Osteopathen erkennen oft schon mit wenigen Handgriffen, warum ein Mensch Schmerzen hat. Bei der Untersuchung erspüren sie das menschliche Gewebe Schicht für Schicht. Das sogenannte "Palpieren" ist die Grundlage der osteopathischen Diagnostik und Behandlung. So können Osteopathen Spannungen und Bewegungseinschränkungen auf die Spur kommen. Häufig liegt die Ursache der Schmerzen gar nicht in dem Bereich, wo es weh tut. Hinweise auf die Ursache geben Körperhaltung, Atmung und Muskelverhärtungen. Zum Beispiel können

  • Schwindel oder Kopfschmerzen auf ein Problem im Beckenbereich zurückzuführen sein
  • Herzrhythmusstörungen durch Darmprobleme verursacht werden
  • Schmerzen im Nacken und Rücken ihre Ursache in Vernarbungen aus Unfällen in der Kindheit haben

Ungleichgewicht im Körper führt zu Störungen

"Leben ist Bewegung" lautet die Grundüberzeugung der Osteopathie. Demnach funktioniert der gesamte Körper wie ein Uhrwerk: Hakt auch nur ein kleines Rädchen, gerät das ganze System ins Stocken. Funktions- und Entwicklungsstörungen oder Schmerzen sind die Folge. Das gilt für Muskeln, Sehnen und Knochen ebenso wie für innere Organe, zum Beispiel Herz, Lunge oder Niere.

Faszien verbinden Organe und Gewebe

Osteopathen gehen davon aus, dass alle Organe und Gewebe miteinander in Beziehung stehen. Verbunden sind sie über Faszien. Deren feines Gewebe umhüllt Knochen, Muskeln und innere Organe wie Netzstrümpfe. Zieht etwas im Oberkörper an einer Faszie, wird dieser Zug auch nach unten übertragen. Flüssigkeitsstau, Gelenkfehlstellungen, Verletzungen oder Muskelblockaden führen so zu vielfältigen Beschwerden im ganzen Körper.

Muskeln und Organe an ihrem Platz schieben

Ein Osteopath ertastet und untersucht stets auch die inneren Organe - und als letzte Station der manuellen Feindiagnose das Nervensystem. Dabei erspürt er, ob Schädelknochen und Schädelnähte beweglich genug sind. Mit hochpräzisen Handgriffen kann der Osteopath Störungen behandeln, indem er zum Beispiel Verspannungen löst oder Organe zurechtrückt. Mit der "indirekten Technik" schiebt er das Gewebe sanft in eine entspannte Stellung. Der Körper "erinnert" sich später daran und kann von sich aus wieder in diese Stellung zurückkehren. Der Therapeut spürt die Entspannung, wenn das Gewebe weicher wird: Für ihn fühlt es sich etwa so an, als ob ein Hefekuchen aufgeht. Meist sind zwei bis fünf Sitzungen notwendig.

Auf gute Ausbildung des Osteopathen achten

Bei der richtigen Indikation kann die Osteopathie in jedem Alter hilfreich sein. Selbst bei Säuglingen, die nach einer schweren Geburt unter Fehlhaltungen und Schmerzen leiden, kann die Osteopathie Beschwerden lindern oder sogar beseitigen. Die Therapie ist aber nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen: Gehen die vom Osteopathen gegebenen Impulse in die falsche Richtung, können sich die Beschwerden verschlimmern. Die Osteopathie ist immer nur eine Ergänzung der Schulmedizin. Hat sich eine Erkrankung bereits manifestiert, kann Osteopathie nicht mehr helfen.

Betroffene sollten sich nur von gut ausgebildeten Osteopathen behandeln lassen, die sich durch Fingerspitzengefühl, Wissen und viel Erfahrung auszeichnen. Bald können Ärzte und Physiotherapeuten das Handwerk an einer Hochschule lernen - bei der Deutschen Gesellschaft für Osteopathische Medizin.

Dauer und Kosten der osteopathischen Behandlung

Eine osteopathische Behandlung dauert 30 bis 50 Minuten. Die Kosten für eine Sitzung mit ausführlichem Vorgespräch, Untersuchung und Behandlung liegen zwischen 60 und 150 Euro. Viele gesetzliche Krankenkassen übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen einen Teil der Kosten.

Osteopathie in den USA entwickelt

Die Entwicklung der Osteopathie geht auf den US-amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still zurück, der bereits vor mehr als 130 Jahren Muskelverspannungen und Blockaden als Wurzel gesundheitlicher Beschwerden ansah. Stills Schüler entwickelten seinen Behandlungsansatz weiter und bezogen auch Schädel, Rückenmark und innere Organe in die osteopathische Denkweise mit ein. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts kam die Osteopathie nach Europa.

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Dieses Thema im Programm:

Visite | 02.05.2017 | 20:15 Uhr

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