Eine Frau schaut sich Algen in einer Petrischale an. © picture-alliance / ZB Foto: Peter Endig

Augenkrankheit: Arzneimittel aus Algen?

Stand: 22.07.2021 10:51 Uhr

Aus Algen gewonnene Wirkstoffe könnten als Arzneimittel bei einer Form der Makuladegeneration helfen, einer weit verbreiteten Augenerkrankung. Derzeit werden die sogenannten Fucoidane noch erforscht.

Algen sind die ältesten Pflanzen der Erde und enorm anpassungsfähig an verschiedene Umweltbedingungen. Wie riesige Regenwälder unter Wasser bilden Meeresalgen einen vielfältigen Lebensraum. In den Weltmeeren leben rund 13.000 verschiedene Algenarten, darunter allein rund 1.800 Arten von Braunalgen wie der Zuckertang Saccharina latissima. In der medizinischen Forschung spielen Algen eine wichtige Rolle: Möglicherweise enthalten sie einen Wirkstoff gegen eine bestimmte Form der weit verbreiteten Augenerkrankung Makuladegeneration.

Algen-Wirkstoff gegen Makuladegeneration?

In Braunalgen sind sogenannte Fucoidane enthalten. Die medizinische Wirkung der langkettigen Zuckermoleküle (Polysaccharide) wird derzeit im Zusammenhang mit der Makuladegeneration erforscht.

Einige Fucoidane aus Braunalgen könnten den Wachstumsfaktor VEGF hemmen, der bei der feuchten Makuladegeneration Blutgefäße unter der Netzhaut krankhaft wuchern lässt. Diese können platzen und dadurch Sehzellen schädigen. Welche Fucoidane den Wachstumsfaktor am effektivsten hemmen, ist derzeit Gegenstand der Forschung.

Labortests zeigen, dass Augenzellen unter der Einwirkung von Fucoidanen oxidativen Stress besser überstehen und sogar überleben. Oxidativer Stress durch Licht und UV-Strahlen gilt als eine Hauptursache für die Entstehung einer Makuladegeneration. Forscher hoffen nun, dass Fucoidane die Entwicklung einer feuchten Makuladegeneration bereits in einem Vorstadium stoppen und Sehverlust verhindern könnten.

Arzneimittelforschung mit hohen Anforderungen an Wirkstoff

Um aus Algen Arzneimittel herzustellen, muss die Qualität des Wirkstoffs konstant sein. Forscher untersuchen derzeit mögliche Einflüsse auf den Gehalt an Fucoidanen in Algen, zum Beispiel

  • Extraktionsverfahren
  • Zeitpunkt der Ernte
  • UV-Bestrahlung
  • Tidenhub und Wellengang des Meeres

Wann das Medikament auf den Markt kommen könnte, ist derzeit noch nicht bekannt.

Algen auch beliebt in Kosmetik

Geringer sind die Anforderungen für die Herstellung von Kosmetika aus Algen. Für Algencremes, Hautöl und Lotionen wird die Ernte aus der Algenfarm gewaschen, zerkleinert und dann mit Hefe und Bakterien zur Gärung gebracht. Der so gewonnene Algenextrakt enthält alle Wirkstoffe, die der Alge im Meer das Überleben sichern, in konzentrierter Form.

Diese Wirkstoffe schützen etwa vor UV-Strahlung oder Feuchtigkeitsverlust, wirken entzündungshemmend und regenerierend. Sogar bei Neurodermitis oder Schuppenflechte können die Algenstoffe eine positive Wirkung entfalten.

 

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