Magersucht: Wege aus der Essstörung

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Ihren Anfang nimmt die Magersucht oft mit einer Diät zu Anfang der Pubertät.

Essen oder nicht essen - den ganzen Tag kreisen die Gedanken um die Ernährung und trotzdem wird gehungert. Oft fängt es mit einer Diät an, doch der Wunsch das Gewicht zu kontrollieren verselbständigt sich und wird zur psychischen Erkrankung: Anorexia nervosa - besser bekannt als Magersucht. Sie betrifft überwiegend junge Frauen, nur jeder zwölfte Patient ist männlich.

Ständig ein schlechtes Gewissen

Wer an dieser Krankheit leidet, lebt ständig mit dem schlechten Gewissen, seinen Hunger nicht kontrollieren zu können. Für Ärzte und Therapeuten gehört die Essstörung zu den am schwierigsten zu behandelnden psychischen Erkrankungen. Eine Therapie kann erst dann greifen, wenn die Patienten sich selbst eingestehen, dass ihr Essverhalten nicht normal ist.

Psychotherapie kann helfen

Manche bekommen ihre Essstörung mit einer ambulanten Psychotherapie in den Griff, bei einem auf Essstörungen spezialisierten Therapeuten. Dabei sollte ein Hausarzt eng eingebunden sein. Dass ambulante Therapien wirksam sein können, zeigt eine vierjährige Studie. Es sollte aber eine spezielle Psychotherapie sein: eine kognitive Verhaltenstherapie oder eine tiefenpsychologische Therapie.

Bei einer stationären Therapie steht am Anfang die Motivationsförderung. Zunächst wird ein Therapie-Vertrag geschlossen: Damit verpflichten sich die Patienten, ein gewisses, verabredetes Maß in einer Woche zuzunehmen. Punkt zwei des Vertrages: Normalisierung des Essverhaltens.

Arbeit in Einzel- und Gruppengesprächen

Viele Anorektiker bereiten zwar gern liebevoll Essen zu, picken dann aber nur darin herum. In der Therapie müssen sie es auch aufessen. Zweimal in der Woche wird gewogen. Nicht selten trinken Patienten vorher noch einen Liter Wasser um mehr Gewicht auf die Waage zubringen und zu verbergen, dass sie nicht immer alles aufgegessen haben.

Mindestens einmal wöchentlich gibt es eine Einzeltherapiestunde: Der tiefenpsychologische Ansatz soll den Patienten helfen, ihre eigenen Ursachen für die Krankheit zu finden und zu verstehen. In Gruppengesprächen geht es dann mehr um allgemeine Probleme, zum Beispiel darum, warum viele ihre Magersucht behalten möchten.

Das Thema Selbstwert ist in der Therapie wichtig: Anorektiker haben oft einen extrem hohen Anspruch an sich selbst und das Gefühl, diesem Anspruch nicht gerecht werden zu können. Also werten sie sich ständig ab. Die Flucht in den selbstgewählten Hunger ist dann das einzig Positive - dabei haben sie Kontrolle über sich.

Etwa ein Viertel der Patienten kann nicht geheilt werden. Zehn Prozent versterben, meist nachdem sie aufgrund des Hungerns auch körperlich sehr krank geworden sind: Herzschäden mit Herzversagen, Hormonveränderungen, Osteoporose mit Rippen- oder Wirbelbrüchen in jungen Jahren können Folgen einer Magersucht sein.

Krankheit beginnt meist in der Pubertät

Links

Essstörungen

Informationen über Essstörungen, Prävention, Beratungsstellen und mehr auf einer Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. extern

Magersucht

Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit. extern

Schön Kliniken: Magersucht

Visite

Ursachen, Symptome, Selbsthilfegruppen und Forum. extern

Ihren Anfang nimmt die Krankheit oft mit einer Diät zu Beginn der Pubertät. Der Wunsch schlank zu sein, ist aber meist nicht der treibende Motor hinter krankhaftem Hungern: Häufig stammen die Patienten aus behüteten Elternhäusern mit großem Harmoniestreben, wo Wut und negative Gefühle nicht zugelassen werden. Die Krankheit ist ein Versuch Autonomie zu bekommen. Bei Jugendlichen werden deshalb in der Regel auch die Eltern in die Therapie mit einbezogen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Forum am Sonntag | 07.04.2019 | 06:05 Uhr

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