Stand: 16.05.2017 13:49 Uhr  | Archiv

Lebensgefahr durch gefälschte Medikamente

Jedes Jahr sterben eine Million Menschen an gefälschten Arzneimitteln, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Demnach sind bis zu ein Prozent der Medikamente in Europa Fälschungen. Weltweit sollen sogar zehn Prozent der Medikamente gefälscht sein, in Afrika bis zu 80 Prozent. Insbesondere teure Arzneimittel, zum Beispiel gegen Malaria und HIV, sind betroffen. Jedes zweite im Internet angebotene Arzneimittel hält die WHO für eine Fälschung.

 Lifestyle-Medikamente häufig gefälscht

In vielen Fällen enthalten gefälschte Medikamente keinen Wirkstoff - oder aber die Dosierung und Zusammensetzung weichen vom Original ab. Es wird alles gefälscht - vom Antibiotikum bis zur Anti-Baby-Pille. Meist handelt es sich jedoch um sogenannte Lifestyle-Produkte, zum Beispiel Potenzmittel, Schlankheitsmittel oder Haarwuchsmittel. Dabei nutzen die Fälscher oft aus, dass Erkrankte aus Scham lieber anonym im Internet bestellen statt sich beim Arzt ein Rezept zu holen und es in der Apotheke zu kaufen.

Fälscher bleiben oft unentdeckt

Medikamentenfälscher verdienen mit ihren Tabletten mehr Geld als ein Drogenhändler. In vielen Fällen bleibt die Kriminalität unentdeckt. Die Verfolgung und Aufdeckung der Straftaten ist schwierig, weil die Fälscher grenzüberschreitend tätig sind: Die Grundstoffe stammen in der Regel aus China. Sie können auf einschlägigen Internetseiten erworben werden - und mit ihnen auch die nötigen Maschinen, um Tabletten zu verpacken und zu versiegeln.

Fälschungen schwer zu erkennen

Für Verbraucher sind gefälschte Medikamente nicht immer einfach zu erkennen. Nur bei Medikamenten, die in Klemmbeuteln verkauft werden, handelt es sich in der Regel um Fälschungen - diese Form der Verpackung ist in Deutschland verboten. Medikamente müssen hierzulande eingeschweißt sein.

Seriöse Online-Apotheken müssen seit dem Jahr 2015 ein Sicherheitslogo auf ihrer Internetseite verwenden. Doch auch das Logo kann gefälscht sein. Eines der wichtigsten Indizien für eine vertrauenswürdige Online-Apotheke ist das Einhalten der Rezeptpflicht.

Projekt soll ab 2019 vor Fälschungen schützen

Pharmafirmen versuchen seit vielen Jahren, Produktfälschungen und Produktpiraterie einzudämmen. 2019 soll das "securPharm-Projekt" starten. Dazu wird dann jedes verschreibungspflichtige Medikament einen eindeutigen Code erhalten. Der wird dann beim Verkauf in der Apotheke gescannt und mit einer Datenbank abgeglichen. Wurde die Seriennummer schon einmal verkauft oder nicht vergeben, warnt das System den Apotheker - und die Packung wird nicht abgegeben.

Mangelhafte Hygiene bei der Produktion

Ein weiteres Problem ist die Verlagerung der Medikamentenproduktion in Billiglohnländer wie Indien oder China. Dort betragen die Produktionskosten nur etwa ein Zehntel - verglichen mit Europa. Mittlerweile stammen 80 bis 90 Prozent aller in Deutschland zum Einsatz kommen Medikamente aus Asien. Durch mangelhafte Hygiene in den Produktionsanlagen können Bakterien oder Reste anderer Wirkstoffe, die zuvor in der Anlage produziert wurde, in ein Medikament gelangen. So kommt es in Deutschland regelmäßig zu Rückrufaktionen von verunreinigten Medikamenten, die in Indien und China produziert wurden.

Themenabend im Ersten

Gefährliche Medikamente - gepanscht, gestreckt, gefälscht

Die Dokumentation verfolgt den Weg von Medikamente von der Herstellung zum Patienten und zeigt, wo die Hersteller betrügen - immer öfter mit tödlichen Folgen. extern

Dieses Thema im Programm:

Visite | 16.05.2017 | 20:15 Uhr

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