Stand: 16.06.2015 10:52 Uhr  - Visite  | Archiv

Kniegelenkersatz auch im hohen Alter möglich

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Ein künstliches Kniegelenk kann unabhängig vom Alter eingesetzt werden.

Unsere Kniegelenke leisten Schwerstarbeit. Kein Wunder also, dass sie im Laufe des Lebens zunehmend verschleißen. Zum Problem wird es dann, wenn Gehen und Stehen nur noch unter Schmerzen möglich sind. Ein Grund dafür kann Arthrose sein, eine  fortschreitende Beschädigung des Gelenks durch Abbau von Gelenkflüssigkeit und Knorpelgewebe. Im Endstadium reiben die Knochen des Gelenks direkt aufeinander, Bewegung ist dann nur noch unter großen Schmerzen möglich. Gerade im Alter kann eine Einschränkung der Mobilität dazu führen, dass ein Patient plötzlich zum Pflegefall wird. Denn ein kaputtes Knie tut nicht nur weh, sondern führt auch zu Gangunsicherheiten, die das Sturzrisiko erhöhen. Komplizierte Knochenbrüche und Bettlägerigkeit können die Folge sein.

Mangelnde Bewegung kann schnell zu einer Abwärtsspirale führen: Muskeln werden abgebaut, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen entstehen oder verschlimmern sich, selbst die geistige Fitness wird in Mitleidenschaft gezogen. Wer sich nicht mehr bewegen kann, wird zunehmend einsam.

Was sind Ausschlusskriterien für eine Operation?

Es gibt also viele Gründe, dass gerade im höheren Alter alles dafür getan wird, dass sich der Patient wieder sicher und schmerzfrei bewegen kann. Da Operationen immer mit einem Risiko behaftet sind, sollte über einen Kniegelenkersatz erst dann nachgedacht werden, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft wurden. Obwohl das Alter des Patienten keinen Hinderungsgrund für einen Kniegelenkersatz darstellt, müssen trotzdem einige Kriterien bedacht werden. Es dürfen beispielsweise keine schweren Nebenerkrankungen wie koronare Herzkrankheiten, Diabetes oder neurologische Erkrankungen bestehen. Auch starkes Übergewicht erhöht das OP-Risiko. Entscheidend sind auch die geistige Fitness und die Bereitschaft, nach der Operation durch regelmäßiges Training am Erfolg der Therapie mitzuarbeiten.

Patienten sollen schnell wieder mobil werden

Wichtig ist, dass die Patienten nach der Operation schnell wieder auf die Beine kommen, denn sonst drohen Thrombosen, Embolien und andere gefährliche Folgeerkrankungen. Deshalb setzen die Ärzte im hohen Alter in der Regel zementierte Kunstgelenke aus Titan ein, die nicht in den Knochen einwachsen müssen,  sondern eine sofortige Belastung erlauben. Voraussetzung ist aber, dass der Knochen noch stark genug ist, der Prothese Halt zu geben. Nach der Operation kommt es besonders auf eine effektive Physiotherapie an: Die Muskulatur muss wieder mobilisiert und gekräftigt werden. Die Patienten müssen Gleichgewicht und Koordination trainieren.

OP in spezialisierter Klinik durchführen lassen

Da der Einbau künstlicher Gelenke im hohen Alter aufwendiger ist und besonders viel Erfahrung der Operateure und im Anschluss auch der Physiotherapeuten erfordert, sollte dieser Eingriff in einer auf solche Fälle spezialisierten Klinik erfolgen. Da auch künstliche Kniegelenke verschleißen, sollte im weiteren Verlauf über ein Röntgenbild kontrolliert werden, in welchem Zustand sich das Gelenk befindet und ob es noch gut sitzt. Je nach Belastung  empfiehlt sich eine Röntgenverlaufskontrolle nach spätestens acht bis zwölf Jahren. So besteht die Möglichkeit, dass frühzeitig einzelne Prothesenkomponenten in einer kleinen OP ersetzt werden können und nicht gleich das ganze Gelenk in einer großen Operation erneuert werden muss.

Weitere Informationen

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Wann sollte man über einen Kniegelenkersatz nachdenken? Können auch Parkinson-Patienten profitieren? Orthopäde Dr. Karl-Christian Westphal hat Fragen im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner

Im Studio:
Dr. med. Karl-Christian Westphal
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Klinik für Orthopädie - Endoprothetik
Schön Klinik Neustadt
Am Kiebitzberg 10
23730 Neustadt in Holstein
Tel. (04561) 54 45 75 00
Fax (04561) 54 33 75 00

Im Beitrag:
Prof. Dr. Karl-Dieter Heller
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Orthopädische Klinik im Herzogin Elisabeth Hospital
Leipziger Straße 24
38124 Braunschweig
Tel. (0531) 699 20 01
Fax (0531) 699 20 90

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Visite | 16.06.2015 | 20:15 Uhr

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