Stand: 27.05.2015 19:09 Uhr  | Archiv

Kein Haarausfall trotz Chemotherapie?

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 70.000 Frauen an Brustkrebs. Viele müssen sich einer Chemotherapie unterziehen. Häufigste Nebenwirkung: Die Haare fallen aus. Für viele Krebspatientinnen ist das neben ihrer eigentlichen Krankheit eine schwere zusätzliche psychische Belastung. Abhilfe könnte nun eine neue Behandlungsmethode schaffen, die seit einem Jahr an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erprobt wird. Mithilfe spezieller Kühlkappen aus Silikon soll der Haarausfall deutlich verringert werden.

Kopfhaut wird auf vier Grad gekühlt

Bei dem "DigniCap"-System des Herstellers Sysmex wird die Kopfhaut der Patientinnen während einer Chemotherapie auf drei bis fünf Grad heruntergekühlt. Dadurch verengen sich die örtlichen Blutgefäße, das Medikament kommt lokal nicht so gut an, die Haarwurzeln werden geschont. Bereits in den 90er-Jahren hätte es Experimente mit Kühlhauben gegeben, so die stellvertretende Direktorin der Frauenklinik, Tjoung-Won Park-Simon. Doch die Versuche seien abgebrochen wurden - vor allem, weil die Kälte für die Patientinnen schwer zu ertragen gewesen sei. Ihre anfängliche Skepsis ist nun verschwunden. "Ich bin verblüfft von dem Ergebnis", sagt Park-Simon.

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Als bei Sabine G. Brustkrebs diagnostiziert wurde, sorgte sie sich auch um ihre Haare. Dank Kühlkappen-Behandlung hielt sich der Haarverlust in Grenzen.
Haarverlust macht die Krankheit sichtbar

Bisher wurden 19 Patientinnen an der MHH therapiebegleitend behandelt. Eine von ihnen ist Sabine G. aus der Region Hannover. Als bei der 48-Jährigen im vergangenen September Brustkrebs diagnostiziert wurde, wollte sie das Kühlverfahren sofort ausprobieren. "Die erste Frage in einer solchen Situation ist natürlich: Werde ich wieder gesund? Aber schon die zweite war bei mir: Kann ich meine Haare behalten?", sagte die Patientin. "Bei mir hat es gut funktioniert. Mein Haar wurde zwar dünner, aber ich habe nie einen Hut oder ein Kopftuch gebraucht." Allerdings ist der Effekt bei manchen Frauen weniger gut, zudem wirkt das Verfahren nicht bei allen Tumorarten.

Bundesweit sind neun Geräte im Einsatz

In Niedersachsen gibt es bislang nur ein einziges Gerät der Firma Sysmex, bundesweit sind bislang nach Angaben der Herstellerfirma neun Geräte im Einsatz. Der Bedarf ist laut MHH so groß, dass ein zweites Gerät angeschafft werden soll. Rund 70 Prozent der Krebspatientinnen hätten daran Interesse. Jährlich könnten mit den zwei Geräten etwa 250 Brustkrebspatientinnen behandelt werden. Die Behandlung kostet rund 1.600 Euro und muss von den Patientinnen selbst bezahlt werden.

Ob die Behandlung tatsächlich bei Haarausfall hilft, ist nach Angaben des Krebsinformationsdienstes (KID) in Heidelberg noch nicht zweifelsfrei geklärt.

 

Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 27.05.2015 | 18:00 Uhr

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