Stand: 23.08.2016 14:56 Uhr  - Visite  | Archiv

Kaltes Plasma: Neue Waffe gegen Krebs?

Unsere Sonne besteht wie viele Sterne aus Plasma - einem elektrisch leitfähigen Teilchengemisch. Plasma, dieser energiegeladene Mix aus Atomen, Ionen, Elektronen und Molekülen, ist jetzt auch der neue Stern am Himmel der Medizin: Denn neben dem Einsatz in der Wundheilung und zur Behandlung chronischer Wunden versprechen sich die Wissenschaftler eine weitreichende Anwendbarkeit gegen multiresistente Keime (MRSA). Und neuerdings setzen sie damit auch auf Erfolge im Kampf gegen Krebs.

Plasmamedizin neuer Teil der Krebsforschung

Lichtlinien und -Effekte in Lila und Pink fließen zu einem beleuchtetes rundes Zentrum. © fotolia.com Foto: pit24
In einer Plasmalampe werden die Energiebahnen sichtbar.

Die Krebsforscher hoffen, dass sie mit Plasma zukünftig die Behandlung von Tumoren verbessern können. Seit Ende 2015 wird die vielversprechende Methode daher im Nationalen Zentrum für Plasmamedizin auf ihre Wirkung in der Krebstherapie untersucht - vorerst an leicht zugänglichen Stellen wie beispielsweise bei malignen Tumorzellen auf der Haut. Die Mediziner benutzen dazu eine Plasma-Version, die ungefähr Körpertemperatur hat und sich relativ einfach aus elektrisch geladenen Edelgasen und selbst aus Luft herstellen lässt. Behandelt wird entweder mit einem Plasma-Stift das tiefere Gewebe oder mit einer großflächigen Bestrahlung die Oberfläche.

Bösartige Zellen sterben ab, gesunde bleiben intakt

Das sogenannte kalte Plasma hätte viele Vorteile gegenüber bisherigen Operations- und Bestrahlungsmethoden. Denn Krebszellen, die mit kaltem Plasma behandelt werden, sterben schnell und vor allem auf natürlichem Wege ab, während die umliegenden gesunden Körperzellen daraufhin neu in das beschädigte Gewebe hineinwachsen können. Gesunde Zellen bleiben also intakt, da sie robust genug sind, während Tumorzellen quasi in den Selbstmord getrieben werden.

Erfolge in der Wundheilung - weitere Einsatzbereiche anvisiert

In die Euphorie der Forscher mischen sich aber auch kritische Stimmen, denn handfeste Zahlen und Studien stehen noch aus. Als gesichert gelten bisher einige Erfolge bei der Behandlung von Wunden, die nicht heilen wollen. Durch das Plasma werden Bakterien beseitigt und gleichzeitig die Zellteilung des gesunden Gewebes angeregt, wodurch die Wunde wieder heilen kann. Vor allem Diabetiker sind davon betroffen, doch auch Herzpatienten profitieren von der neuen Technik: So können Zugänge, beispielsweise für Herzpumpen, vor Infektionen geschützt werden.

Unklar ist hier bislang, warum die Wundheilung nur bei einigen Patienten anschlägt, aber bei anderen nicht. Dennoch bleibt die Plasmaforschung ein Hoffnungsträger - könnte sie doch für die Medizin so viele neue Dimensionen eröffnen.

Weitere Informationen
Elektronisches Plasma © PantherMedia Foto: Pixelbabe

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Interviewpartner im Beitrag
Prof. Steffen Emmert, Klinikdirektor, Dermatologe
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie
Universitätsklinikum Rostock
Strempelstraße 13, Postfach 100888, 18057 Rostock
Tel. (0381) 494 0, Fax (0381) 494 9702
E-Mail: sissy.gudat@med.uni-rostock.de
Internet: www.duk.med.uni-rostock.de

Prof. Hans-Robert Metelmann, Klinikdirektor
Klinik und Poliklinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie/Plastische Operationen
Universitätsmedizin Greifswald
Ferdinand-Sauerbruch-Str. DZ7, 17475 Greifswald
Tel. (03834) 867194, Fax (03834) 867316
Internet: www.medizin.uni-greifswald.de

Prof. Klaus-Dieter Weltmann, Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Direktor
INP Greifswald e. V.
Felix-Hausdorff-Str. 2, 17489 Greifswald
Tel. (03834) 554 310, Fax (03834) 554 301
E-Mail: weltmann@inp-greifswald.de
Internet: www.inp-greifswald.de

Prof. Wolfgang Motz, Kardiologe
Klinikum Karlsburg der Klinikgruppe Dr. Guth Gmbh & Co. KG
Greifswalder Str. 11, 17495 Karlsburg
Tel. (038355) 70 0, Fax (038355) 70 1559
E-Mail: klinikum-karlsburg@drguth.de
Internet: www.drguth.de

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