Stand: 05.10.2015 11:25 Uhr  | Archiv

IGeL-Leistungen sinnvoll oder überflüssig?

Bild vergrößern
Individuelle Gesundheitsleistungen sind für Ärzte ein lukratives Zusatzgeschäft.

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sind Untersuchungen oder Behandlungen, die nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Nicht selten wird Kassenpatienten schon bei der Anmeldung in der Praxis, also vor der ärztlichen Beratung, eine IGeL angeboten, nach der gar nicht gefragt wurde und die aus eigener Tasche bezahlt werden muss. Ein Ultraschall zur Früherkennung von Eierstockkrebs zum Beispiel, der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs, Hyaloronsäure oder Blutegel gegen Kniearthrose, Eigenbluttherapie oder eine Zahnreinigung.

Verkaufsdruck in Praxen

Weit mehr als eine Milliarde Euro haben gesetzlich versicherte Patienten im vergangenen Jahr für solche Leistungen ausgegeben. Für niedergelassene Ärzte sind IGeL ein lukratives Zusatzgeschäft. Problematisch wird es, wenn Patienten das Gefühl haben, der Arzt wolle ihnen etwas verkaufen und das Vertrauen zu ihm und in sein Handeln verlieren. Immer häufiger beklagen sich Patienten in den Verbraucherzentralen über mangelnde Beratung und Verkaufsdruck in den Praxen. Dabei sollen IGeL ärztliche Serviceleistungen sein, über deren Annahme Patienten frei entscheiden können.

Krankenkasse übernimmt wirklich erforderliche Leistungen

Zunehmend sehen auch Ärzte viele Individuelle Gesundheitsleistungen kritisch, denn in der Regel werden alle wirklich erforderlichen Leistungen auch von der Krankenkasse bezahlt. Patienten sollten sich daher nicht zu IGeL-Angeboten drängen lassen. Da sie nach dem Privatschema abgerechnet werden und der Arzt deshalb bis zum 2,3-fachen der Gebührenordnung für Ärzte ansetzen darf, sind IGeL lukrativer als Kassenleistungen.

Ratgeber

Tanja Wolf: IGeL-Angebote beim Arzt
Was Sie über private Zusatzleistungen wissen müssen
Verbraucherzentrale NRW
12,90 €

Aus diesem Grund würden mitunter sogar Leistungen als IGeL angeboten, die auch zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören, warnen Experten. Im Zweifel sollten Patienten deshalb bei ihrer Krankenkasse nachfragen, ob eine Leistung tatsächlich nicht übernommen wird und warum nicht.

IGeL-Monitor kann Orientierung bieten

Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum Skepsis gegenüber IGeL-Angeboten angebracht ist: Nicht alles, was von Ärzten angeboten wird, ist medizinisch auch sinnvoll. Im Auftrag der Krankenkassen hat ein Team von Wissenschaftlern die IGeL-Angebote geprüft und die Ergebnisse im Internet im IGeL-Monitor veröffentlicht: Etwa die Hälfte der darin bewerteten Leistungen hatte für die Patienten sogar eher negative Folgen

Links

Individuelle Gesundheitsleistungen

Ratgeber der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. extern

IGeL- Hilfreiche Links

Die Verbraucherzentrale NRW hat eine Liste zusammengestellt. extern

IGeL-Ärger

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen informiert und sammelt Beschwerden. extern

So führen zum Beispiel das MRT zur Früherkennung von Alzheimer oder der Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung allzu häufig zu falschem Alarm und somit unnötigen Therapien. Allerdings bleiben auch hier viele Bewertungen schwammig, da es zu vielen Untersuchungen und Leistungen gar keine aussagekräftigen Studien gibt, die eine klare Empfehlung dafür oder dagegen erlauben.

Unabhängige Beratung einholen

Bevor man als Patient also auf IGeL-Angebote eingeht, sollte man sich gründlich beraten lassen, im Zweifel auch von unabhängiger Seite. Verbraucherschützer empfehlen, bei teuren Leistungen ein Vergleichsangebot einzuholen, denn die Preise können sich von Praxis zu Praxis deutlich unterscheiden.

Weitere Informationen
62 KB

Die IGeL-Checkliste

Sie überlegen, Individuelle Gesundheitsleistungen in Anspruch zu nehmen. Worauf sollte man achten? Die IGeL-Checkliste zum Herunterladen. Download (62 KB)

Interviewpartner

Im Studio:
Christiane Lange
Verbraucherzentrale NRW
Gesundheits- und Pflegemarkt
Mintropstraße 27
40215 Düsseldorf
E-Mail: igel-aerger@vz-nrw.de
Internet: www.vz-nrw.de

Im Beitrag:
Stefan Spieren
Hausarzt
Hausarztpraxis Spieren 
Im Buchwald 1
57482 Wenden 
Akademische Lehrpraxis der Universität Düsseldorf und Göttingen
Internet: www.spieren.de 

Dr. Christian Weymayr
Projektleiter IGeL-Monitor
Internet: www.igel-monitor.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 06.10.2015 | 20:15 Uhr

Vor der Operation: Recht auf Aufklärung

Der Arzt rät zur Operation, doch der Patient ist unsicher. Eine umfassende Aufklärung ist sein gutes Recht. Welche Fragen sollte der Patient im Vorfeld unbedingt klären? mehr

Mehr Ratgeber

16:03
Mein Nachmittag
09:22
Mein Nachmittag
05:58
Visite